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Kuhsignal – Räude
Biosicherheit|05.11.2026

Kuhsignal – Räude

Problematik/Bildaussage

Die Schwanzwurzel dieser Holstein-Kuh ist vor allem auf der linken Seite mit gelbem, krustigem Schorf bedeckt. Bei genauem Hinsehen erkennt man haarlose, schuppige Stellen, die aussehen wie mit Kleie bedeckt oder aber leicht blutig bzw. feucht sind.

Was funktioniert (nicht)?

Die verkrustete Haut ist durch einen äusseren Einfluss gereizt. Sie schwitzt deshalb Entzündungssekrete aus, die gelblich verkleben. Die Haare fallen aus. Die Stelle um die Schwanzwurzel ist typisch für einen Befall mit Chorioptes-Milben. Man bezeichnet diese Hautveränderung deshalb auch als Schwanzräude oder Steissräude. Chorioptes-Milben sind Spinnentiere, die von Hautschuppen der befallenen Tiere leben (Nagemilben). Andere Milbenarten graben oder bohren sich dagegen in tiefere Hautschichten ein und verursachen deshalb noch gröbere Schäden. In den meisten Fällen reagiert die Haut mit einer allergischen Reaktion, die sehr stark juckt. Betroffene Tiere kratzen sich daher oft pausenlos und sind extrem unruhig. Die Haut reagiert mit den typischen Verdickungen, verschorft und verkrustet. Kommt es zu einer bakteriellen Infektion der vorgeschädigten Hautstellen, entzünden diese sich und vereitern.

Ursachen

Bei Rindern kommen unterschiedliche Milbenarten vor, die ihre Lieblingsstellen an den befallenen Tieren haben:

  • Die häufigste Milbenart bei Rindern sind Chorioptes bovis, die meistens am Schwanzansatz (Steiss- oder Schwanzräude), an den Beinen (Fussräude) aber auch am Hintereuter vorkommen.
  • Psoroptes Milben (P. ovis) stechen die Haut an und saugen Körperflüssigkeiten auf. Sie sind meist am ganzen Körper zu finden (Körperräude).
  • Sarcoptes Milben (S. scabiei) graben sich bei Rindern vor allem in die Kopfaut ein (Kopfräude). Sie sind verwandt mit den Erregern der Fuchsräude, die alle Hundeartigen befallen (Haushunde, Füchse, Marder…), und den Krätzemilben, die Menschen befallen. Diese Parasiten können sich allerdings jeweils nur in der Haut ihres Hauptwirts vermehren.
  • Sonderform der Räude: Demodicose (Demodex bovis), die kleine Knötchen am Hals und am Rippenbereich hervorrufen, die in der Regel nicht jucken.

Sind nur einzelne Kühe einer Herde betroffen, sind das meistens diejenigen mit der schwächsten Grundkonstitution. Bei diesen unbedingt nach Stoffwechsel, Spurenelementversorgung etc. schauen.

Ziel

Die betroffenen Tiere behandeln, damit sie wieder in Ruhe fressen und wiederkauen können, statt sich ständig zu kratzen.

Massnahme

Anhand der Lokalisation kann man eine Verdachtsdiagnose auf die jeweilige Räudeform stellen. Will man genau wissen, um welche Räudeform es sich handelt, entnimmt der Tierarzt oder die Tierärztin ein sogenanntes «Hautgeschabsel» vom Rand einer veränderten Hautstelle. Dabei kratzt man vorsichtig mit einem scharfen Skalpell die oberen Hautschichten ab, bereitet das Material anschliessend auf und betrachtet es unter einem Mikroskop.


Zur Behandlung eines Milbenbefalls sind verschiedene Injektions- und Aufgusspräparate mit unterschiedlichen Wartezeiten verfügbar. Wichtig zu wissen ist, dass die Milben auch in der Umgebung (je nach Art) 2-12 Wochen überleben können. Insofern empfiehlt es sich zum einen, immer die gesamte Herde zu behandeln, und zum anderen, auch den Stall zu desinfizieren (Kuhbürste!).