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Gebärmutter (Uterus)
Fruchtbare Kuh|14.10.2025

Gebärmutter (Uterus)

Die Funktionen der Gebärmutter (Uterus) sind:

  • Samentransport und -selektion
  • Einnistung des Embryos
  • Entwicklung und Ernährung des heranwachsenden Fötus
  • Wehen bei der Geburt 
  • Hormonbildung (Prostaglandin)
Bild: Swissgenetics

Der anatomische Aufbau der Gebärmutter

Die Gebärmutter der Kuh ist anatomisch in drei Teile gegliedert.

Die gesamte Gebärmutter
(Uterus)

Bild: Swissgenetics

Das ganze nichtträchtige Organ passt unter eine Hand. Hochtragend sind das geburtsreife Kalb, seine Eihäute und das Fruchtwasser darin. So dehnbar ist das Gebärmutter-Gewebe.

Der Gebärmutterhals
(Cervix uteri)

Bild: Swissgenetics

Zahlreiche knorpelige Spangen (Burdi-Ringe) greifen im Gebärmutterhals ineinander und verschliessen das Organ nach hinten.

Der Gebärmutterkörper
(Corpus uteri)

Bild: Swissgenetics

Im Hohlraum direkt vor dem inneren Muttermund wird der Samen bei der KB abgesetzt. Der Körper der Gebärmutter geht auf jeder Seite in ein Horn über.

Zwei Gebärmutterhörner
(Cornus uteri)

Bild: Swissgenetics

Die Hörner der Gebärmutter sind aufgerollt wie ein Widderhorn und haben - je nach Alter der Kuh - 2 bis 5 cm Durchmesser. An ihrer Spitze ist die Öffnung des Eileiters.

Die Schleimhaut der Gebärmutter – die Aufgaben des Endometriums

Die Gebärmutter ist ein „Hohlorgan“ – also im Querschnitt ein Rohr oder ein Schlauch. Es ist innen jedoch nicht glatt, sondern mit einer sehr drüsigen, aufgefalteten Schleimhaut (Endometrium) ausgekleidet. Je nachdem welche Hormone des Eierstocks auf die Gebärmutterschleimhaut wirken, ändert sich das Sekret, das die Schleimhautdrüsen bilden.

Bild: Screenshot

In der Brunst

Unter Östrogeneinfluss produzieren die Schleimhautdrüsen den glasklaren Brunstschleim.

Samentransport

Bild: Swissgenetics

Der Brunstschleim ist das Transportmedium für die Spermien in der Gebärmutter. Eine fadenziehende Konsistenz bei der Besamung ist hierfür optimal: Die Spermien hängen sich ein und werden passiv befördert.

Samenselektion

Bild: Swissgenetics

Im Brunstschleim sind Zellen der körpereigenen Abwehr. Sie fressen beschädigte Samenzellen. Diese laufen so gar nicht in „Gefahr“, die Eizelle zu befruchten. Nur die besten sollen zum Ziel kommen!

Desinfektion

Bild: Swissgenetics / jbg

Die chemische Zusammensetzung des Brunstschleims tötet Bakterien ab und wirkt desinfizierend. Denn Keimfreiheit ist für die Befruchtungsfähigkeit des Samens entscheidend.

Versäuberung

Bild: Swissgenetics / adi

Der reinigende Effekt des Brunstschleims spielt auch bei der Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt eine grosse Rolle. Der Zyklus der Kuh sollte möglichst bald wieder anlaufen.

In der frühen Trächtigkeit

Unter Progesteroneinfluss produzieren die Schleimhautdrüsen einen fett- und eiweissreichen Nährschleim. Die „Uterinmilch“, die den frühen Embryo ernährt.

Hohes Progesteron

Bild: Swissgenetics

Je mehr Progesteron der Gelbkörper auf dem Eierstock bildet umso besser die Zusammensetzung der Uterinmilch - umso schneller entwickelt sich der Embryo. Bereits am 16. Tag nach der Befruchtung gibt es hierbei messbare Unterschiede.

Wechselnder Nährschleim

Bild: Swissgenetics

Der Embryo hat nur die Uterinmilch als Nahrungsquelle. Sie enthält Nähr-, Mineral- und unterschiedliche Botenstoffe, die für seine Entwicklung sehr wichtig sind. Täglich ist der Schleim anders zusammengesetzt - synchron zu den wechselnden Bedürfnissen.

Stabiler Stoffwechsel

Bild: Swissgenetics

Nur optimal gefütterte Kühe können ihre Embryonen richtig ernähren. Es gibt z.B. einen direkten Zusammenhang zwischen dem Harnstoffwert der Kuh mit dem Milieu in ihrer Gebärmutter und der Zusammensetzung des Nähschleims.

Gesunde Schleimhaut

Bild: Swissgenetics

Eine kranke Gebärmutterschleimhaut kann keinen Nährschleim produzieren. Schon bei einer subklinischen Endometritis, die ohne sichtbaren Ausfluss nur im Ultraschallbild erkennbar ist, hat der Embryo keine Überlebenschance.

Der 16. Trächtigkeits-Tag

Lebt der Embryo am 16. Trächtigkeits-Tag bildet er Interferon tau - das Zeichen für die Kuh, dass sie trächtig geworden ist. Die Gebärmutter-Schleimhaut muss dieses Signal aber richtig verarbeiten – sonst rindert die Kuh um.

Kontaktaufnahme

Bild: Swissgenetics

Der noch mikroskopisch-kleine Embryo kuschelt sich in die Falten der Schleimhaut. Sie umschliessen ihn und stellen einen engen Kontakt zu ihm und seiner zukünftigen Eihaut (Trophoblast) her. Geschützt wächst er weiter.

Kommunikation

Bild: Swissgenetics

Nur eine gesunde Gebärmutter-Schleimhaut kann das Signal des Embryos „verstehen“. Entzündungszellen dagegen würden die Kommunikation zwischen Embryo und Gebärmutter verhindern.

Prostaglandin

Bild: Swissgenetics

Das Interferon verhindert, dass die Gebärmutter-Schleimhaut Prostaglandin produziert und hält den Gelbkörper aktiv. Andernfalls schaltet das Prostaglandin den Gelbkörper ab und der nächste Zyklus startet.

Zyklus-Neustart

Bild: Swissgenetics

Ist ein Embryo lebensschwach, kann er am 16. Tag kein oder nur wenig Interferon absondern. Sofort reagiert die Gebärmutter mit Prostaglandin. Die Kuh ist ca. fünf Tage später wieder in Brunst.

Die Plazenta-Bildung

Nach rund 28 Tagen der Trächtigkeit beginnt die Ausbildung der Plazenta (Mutterkuchen), durch die der Foetus an den mütterlichen Blutkreislauf angebunden wird. Dieser Prozess ist kompliziert und braucht eine eng aufeinander abgestimmte Kommunikation zwischen Mutter und Kalb.

Kontakt in den Rosen

Bild: Swissgenetics

Der Stoffaustausch läuft ab jetzt über die Kontaktflächen zwischen Eihäuten (Rosen) und Gebärmutter-Schleimhaut (Karunkeln).

Stoffe im Austausch

Bild: Swissgenetics

Das Kalb erhält Sauerstoff und Nährstoffe von der Mutter und gibt vor allem CO2 und andere Abfallprodukte wieder zurück.

Feste Verzahnung

Bild: Swissgenetics

Die Struktur der Kontaktstellen greift wie ein Klettverschluss ineinander: Dies ergibt eine feste Verbindung und eine vergrösserte Oberfläche.

Grosse Oberfläche

Bild: Swissgenetics / jbg

Würde man die Eihaut-Rosen einer reifen Nachgeburt ausfalten, hätten sie eine Fläche von 130 m².

Vor der Geburt

In den letzten Tagen der Trächtigkeit beginnen die Eihäute des Kalbs ihre Verbindung zur Gebärmutter-Schleimhaut wieder zu lockern und sich dort abzulösen. Das ist wichtig, damit die Nachgeburt später abgehen kann und die Kuh nicht krank wird.

Bild: Swissgenetics / jbg

Nach der Geburt

Auch wenn sich die Nachgeburt ohne Probleme abgelöst hat, bleiben die Narben der Rosen an der Gebärmutterschleimhaut lange bestehen. Erst wenn sie sich wieder vollständig zurückgebildet haben und die Schleimhaut regeneriert ist, kann die Kuh wieder tragend werden. Meist sind die gesamten Organe bis dahin noch fühlbar vergrössert – und noch nicht wieder „unter der Hand versammelbar“.

Bild: Swissgenetics

Ein starkes Organ - Die Muskulatur der Gebärmutter (Myometrium)

Die Wand der Gebärmutter besteht aus einer mehrschichtigen extrem starken Muskulatur (Myometrium).

Bild: Screenshot

In der Brunst

In der Brunst zieht sich die Muskulatur zusammen. Das Organ wird fest. Man sagt: „Der Muskel-Tonus ist hoch“ oder „die Gebärmutter ist gespannt“. Die Spannung der Muskulatur ist ein wichtiges Indiz für die Stärke der Brunst.

Spermientransport

Bild: Screenshot

Die Muskelkontraktion während der Brunst drückt die Spermien, die im Brunstschleim hängen, in Richtung Eileiter. Das ist so effektiv, dass die ersten Samenzellen dort innerhalb weniger Minuten ankommen.

Stress vermeiden

Bild: Swissgenetics / bka

Da das Stresshormon Adrenalin die Muskelkontraktionen hemmt, sollte Stress bei einer Besamung unbedingt vermieden werden.

Starke Durchblutung

Bild: Swissgenetics

Die erhöhte Muskeltätigkeit während der Brunst braucht eine gute Blutversorgung. Alle Geschlechtsorgane werden daher stärker durchblutet, so ist z.B. auch die Scheidenschleimhaut deutlich gerötet.

Abbluten

Bild: Swissgenetics / lvt

Der starke Blutfluss in der Gebärmutter führt dazu, dass dort dünne Haargefässe (Kapillaren) reissen können. Viele Kühe bluten deshalb ca. 1-2 Tage nach der Brunst ab.

Unter der Geburt

Unter der Geburt spielt die kräftige Muskulatur der Gebärmutter wieder eine grosse Rolle: Sie muss voll funktionsfähig sein, damit sie mit deutlichen Wehen das Kalb, das Fruchtwasser und die Nachgeburt auspressen kann.

Wehen

Bild: D. Denzler

Mit den Wehen schiebt die Gebärmutter-Muskulatur unter der Geburt das Kalb Stück für Stück hinaus. In den Presswehen unterstützen dann die Bauchmuskeln zusätzlich.

Kalzium und Energie

Bild: Swissgenetics / jbg

Für diesen Kraftakt braucht die Gebärmutter-Muskulatur enorm viel Energie und grosse Mengen Kalzium und Magnesium. Schwache Wehen sind die ersten Anzeichen für einen Mangel und beginnendes Milchfieber.

Nachwehen

Bild: F. Futscher

Für den Abgang der Nachgeburt kontrahiert sich die Muskulatur zu den Nachwehen erneut. Eine gesunde Gebärmutter zieht sich dabei stark zusammen und verkleinert das Volumen. Ihre Oberfläche fühlt sich dadurch wellig an.

Versäuberung

Bild: Swissgenetics

Auch in den Tagen nach der Geburt zieht sich die Muskulatur weiter zusammen. Die Kuh zeigt einen rötlich-braunen Ausfluss: Die Reste von Nabelschnur-Blut, Fruchtwasser und Nachgeburtsfetzen.

Die Grösse der Gebärmutter

Die Grösse und Lage der Gebärmutter sagt viel über die gynäkologische Gesundheit der Kuh, den Status ihrer Trächtigkeit oder die erfolgte Rückbildung nach der Geburt aus.  In der Tiermedizin haben sich diese Beschreibungen der Grössenverhältnisse bewährt:

„Unter der Hand versammelbar“

Bild: Swissgenetics

Das Organ liegt freibeweglich in der Beckenhöhle und passt in eine Hand. Es ist ungefähr so gross wie ein Handball, denn es ist gut zurückgebildet. Wahrscheinlich hatte die Kuh noch nicht sehr viele Kälber.

„Im Becken versammelbar“

Bild: Swissgenetics

Das Organ passt nicht mehr unter die Hand, man kann es aber mit dem Arm umgreifen. Es liegt noch in der Beckenhöhle. Bei älteren Kühen bleibt es trotz guter Rückbildung so gross. Eine trächtige Gebärmutter lässt sich bis ca. zur 10. Woche im Becken versammeln.

„Nicht mehr versammelbar“

Bild: Swissgenetics

Das Organ ist in die Bauchhöhle gerutscht und hängt über das knöcherne Becken hinaus. Es passt nicht mehr unter den Arm. Entweder ist die Kuh schon länger trächtig oder sie hat eine kranke (z.B. stark vereiterte) Gebärmutter.

Aufhängeapparat

Egal wie gross das Organ ist: Die Gebärmutter ist „freischwebend“ mit zwei bindegewebigen Bändern (Ligamentum latum uteri - Mesometrium) an den Schaufeln des Beckenknochens fixiert. In diesen Bändern verlaufen auch die (dicken) Blutgefässe, über denen das Organ und im Fall einer Trächtigkeit auch der Fötus versorgt wird.

In der Hochträchtigkeit

Im Laufe einer Trächtigkeit wird dieser Aufhängeapparat der Gebärmutter stark gedehnt, muss er doch kurz vor der Geburt des Kalbs rund 80 kg tragen. Ein gutgefüllter Pansen, der an der linken Seite der Gebärmutter anliegt, dient dem riesigen Organ immer mehr als „Seitenstabilisator“. Fehlt diese Stabilisierung, z.B. durch eine schlechte Futteraufnahme, in der Hochträchtigkeit steigt die Gefahr eines Überwurfs.