Kuhsignal – klarer Brunstschleim
Bildbeschreibung und Interpretation
Bei einer Red-Holstein-Kuh tritt am unteren Winkel der Scham klarer Brunstschleim aus. Es sind keine Veränderungen in seiner Zusammensetzung zu erkennen. Die Kuh ist stierig – und wird vermutlich uneingeschränkt als „besamungstauglich“ eingeschätzt. Dennoch werden auch solche Kühe, manchmal hartnäckig nicht trächtig. Wenn nämlich Entzündungszellen in die Gebärmutterschleimhaut eingelagert sind, die verhindern, dass sich ein Embryo einnisten kann. Man spricht dann von einer subklinischen (unsichtbaren) Gebärmutterentzündung (Endometritis Grad 1).
Ursachen
In der Brunst bilden die Schleimhautzellen der Gebärmutter und der Zervix klaren, fadenziehenden Schleim. Ob dort nach einer Reizung der Gebärmutter vermehrt Entzündungszellen eingelagert sind, lässt sich am Brunstschleim nicht immer erkennen – anders als bei einer eitrigen Gebärmutterentzündung (Grad 2 oder Grad 3), bei der zerfallendes Gewebe oder abgestorbene Immunzellen und Keime den Brunstschleim trüben. Oft sind solche subklinischen Gebärmutterentzündungen Spätfolgen einer akuten Gebärmutterentzündung nach dem Abkalben oder anderen Störungen in der Nachgeburtsphase. Sie können aber auch durch Fütterungsfehler wie hohe Harnstoffwerte durch Proteinüberschuss oder einen Energiemangel ausgelöst werden. Beides resultiert in einem veränderten Milieu innerhalb der Gebärmutter, wodurch die Entzündungszellen aktiviert werden.
Ziel
Eine Kuh, die in dieser «schönen» Brunst auch tragend wird.
Massnahmen
Diese Form der Gebärmutterentzündung ist ein «Sausiech» und verursacht mitunter grosse wirtschaftliche Schäden, denn man erkennt sie nicht mit blossem Auge. Manchmal gelingt es, in einem Ultraschallbild eine leicht verdickte Schleimhaut und eine geringe Flüssigkeitsansammlung zu erkennen. Doch oft bleibt nur der Verdacht, wenn Kühe immer wieder zurück in Brunst kommen. Ein leicht verlängerter Zyklus gibt einen zusätzlichen Hinweis, dass die Ursache für das Nicht-Tragend werden in der Gebärmutter zu suchen ist. Zurzeit laufen verschiedene Forschungs-Arbeiten, wie sich eine solche subklinische Gebärmutterentzündung durch die Untersuchung der Zellzusammensetzung der Schleimhaut sicherer diagnostizieren lässt. Auch für die Behandlung weiss die Wissenschaft momentan keinen eindeutigen Rat. Allerdings ist die Selbstheilungsrate bei dieser Erkrankung recht hoch – wenn die Kühe sonst einen guten Gesundheitszustand haben. Es dauert nur manchmal… Das alles heisst also, dass das Hauptaugenmerk besser auf die Prophylaxe als auf eine Therapie gelegt werden muss: Eine gute Tiergesundheit vor und nach dem Abkalben durch eine durchdachte Fütterung mit hoher Futteraufnahme, einer optimierten Haltung der Galtkühe und Frischlaktierenden sowie möglichst einen hygienischen Abkalbebereich.
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