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Lieblingskühe - GALIZIA, beteiligt am Start der ambulanten Eizellgewinnung
Reproduktionstechniken|08.11.2024

Lieblingskühe - GALIZIA, beteiligt am Start der ambulanten Eizellgewinnung

Im September startete die ambulante Eizellgewinnung in Schwyz.

Jutta Berger, wissenschaftliche Mitarbeiterin

«Samuel Künzli war mit seiner Kuh GALIZIA an einer der ersten ambulanten Eizellgewinnungen in Schwyz beteiligt», erinnert sich Prozessmanagerin Cindy Dougoud. Sie berät als erste Kontaktperson telefonisch jeden Züchter, der sich für Embryotransfer interessiert, und findet jeweils die individuell beste Lösung mit ihm.

Kühe weiterhin melken

Neue Möglichkeiten bietet ab sofort die ambulante Eizellgewinnung (OPU). Dazu werden die Tiere nur zur Eierstockspunktion gebracht und kehren hinterher wieder zurück in den heimischen Stall. «Unsere Testläufe mit unterschiedlichen Kühen zeigten, dass die Qualität der Eizellen stimmt, auch wenn die Spenderinnen nicht auf der Embryostation, sondern auf einem normalen landwirtschaftlichen Betrieb vorbereitet werden», erklärt Cindy. Der wichtigste Vorteil des ambulanten Verfahrens sei, dass Kühe weiterhin gemolken werden können – anders als auf der Embryostation in Ins, die keine laktierenden Kühe unterbringen kann. Ausserdem verkürze sich der Transportweg vor allem für Tiere aus der Ostschweiz.

Die Gene vermehren

Samuel Künzli liess sich von dieser neuen Swissgenetics-Dienstleistung verlocken und fuhr mit seiner Lieblingskuh 60 Kilometer vom luzernischen Oberkirch nach Steinerberg SZ. «GALIZIA hatte am 15. Juni zum zweiten Mal gekalbt», erzählt er, «und sie war voll in Milch, als wir uns überlegten, Embryonen von ihr produzieren zu lassen. Wir haben diese Kuh selbst gezüchtet und mit ihr unser ideales Zuchtziel erreicht: Sie ist gut beurteilt und absolut umgänglich – also genau das, was wir auf unserem Betrieb brauchen!» Leider hatte GALIZIA bisher nur zwei Stierkälber und Samuel möchte sehr gerne die Gene dieser Kuh in der eigenen Herde vermehren.

Gute Infrastruktur nutzen

Auf dem neuen externen OPU-Standort wurde GALIZIA vom Praxisteam und den Embryospezialisten von Swissgenetics in Empfang genommen und mit viel Ruhe in den vorbereiteten Punktionsraum geführt. Dort gibt es einen Behandlungsstand vor einem Fenster, ein durchsichtiger Sack mit Kochsalzlösung und eine Handbrause hängen von der Decke herab, ein Ultraschallgerät und Laborausrüstung stehen bereit. «Swissgenetics kann hier die bereits bestehende Infrastruktur und das Know-how der Tierarztpraxis nutzen», erklärt Cindy Dougoud, «sie stellt uns ihre Räumlichkeiten für das ambulante OPU zur Verfügung».

Nach Steinerberg und retour

Tierarzt Iulian Ibanescu vom ET-Team Mülligen punktiert die Kühe in Steinerberg. Eine der Praxisassistentinnen vor Ort unterstützt ihn dabei, eine andere übernimmt die Laborarbeiten. Iulian bringt die speziellen Medien, die er später für den Transport der Eizellen benötigt, direkt aus dem IVP-Labor Mülligen mit nach Schwyz. Am Nachmittag nimmt er die gewonnenen Eizellen zurück ins Labor, wo sie am nächsten Tag befruchtet werden.

Ein Aufwand, der lohnte

45 Minuten musste Samuel Künzli warten, dann konnte er GALIZIA wieder mit nach Hause nehmen. Am Abend ging sie ganz normal durch seinen Melkstand. «Es war natürlich trotzdem ein Aufwand für mich», sagt der Züchter im Gespräch, «aber ich bin überzeugt, er wird sich lohnen!» 12 Embryonen waren das schöne Ergebnis seines Ausflugs.

An jedem zweiten Montag

Die Praxis in Steinerberg ist der erste externe OPU-Standort für die In-Vitro-Produktion bei Swissgenetics. Seit dem erfolgreichen Probelauf mit GALIZIA werden dort an jedem zweiten Montag ambulante Eizellpunktionen angeboten. Auch die Embryostation in Ins führt neuerdings ambulantes OPU vor allem bei laktierenden Kühen aus der Westschweiz durch. Aus Kapazitätsgründen wird es dort im Jahr 2024 allerdings nur noch einen ambulanten Punktionstermin geben. Die Anmeldungen laufen zentral über Cindy Dougoud und Thomas Mori in Zollikofen (031 910 62 88).

Wichtige Regeln

«In Zeiten der Blauzungenkrankheit ist besonders wichtig zu beachten, dass die Betriebe, die Kühe bringen möchten, keine seuchenpolizeilichen Sperren haben», erklärt Cindy Dougoud den Ablauf. «Der Besitzer muss dies vorab durch seine Unterschrift bestätigen. Dann wird die vorgesehene Spenderin durch den Swissgenetics- oder den Hoftierarzt gemäss unserer Checkliste untersucht. Auf Basis dieser Untersuchung werden die passenden Hormone für die Vorbereitung der Kuh an den Tierbesitzer abgegeben. Er erhält ein Protokoll, nach dem er die Medikamente anwenden muss. Der Transport des Tieres zum ambulanten OPU ist dann Sache des Besitzers.»

Erfolgreiche Embryoproduktion

KUENZLI Simbaboy BS GALIZIA
Bild: KeLeKi

Tierarzt Iulian Ibanescu konnte 26 Eizellen von KUENZLI BS Simbaboy GALIZIA punktieren. Am nächsten Tag wurden diese im In-Vitro-Labor Mülligen befruchtet. Eine Woche später erhielt ihr Besitzer das erfreuliche Ergebnis: Es konnten 12 Embryonen aus der Anpaarung mit BS-Stier CISCO eingefroren werden. «Wir werden demnächst mit dem Einsetzen auf die Empfängertiere beginnen», sagt Samuel Künzli, «daher haben wir momentan noch keine Trächtigkeiten. GALIZIA selbst war einen Monat nach unserem Ausflug in den Kanton Schwyz stierig und wurde in dieser Brunst besamt.»