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Schimmel im Futter
Herdenfütterung|02.12.2025

Schimmel im Futter

Schimmelpilze und die von ihnen gebildeten Giftstoffe sind gefährlich. Verdorbene Futtermittel stellen für Kühe ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Für einen Schimmelpilzbefall sind v.a. schlechte Silagen prädestiniert, aber auch die Qualität von Raufuttermitteln und Kraftfutter kann durch Schimmelpilze erheblich beeinträchtigt werden.

Jutta Berger, (TORO 03/07)

Schimmelpilze bilden giftige Stoffwechselprodukte, die «Mykotoxine». Diese Gifte machen einen Schimmelpilzbefall von Futtermitteln auch für Kühe gefährlich. Wichtig ist zu wissen, dass die Stärke der sichtbaren Verschimmelung des Futters nicht direkt mit der Menge der Mykotoxine, die produziert wird, zusammenhängt. Wie vergiftet das Futter wirklich ist, kann ohne Untersuchung nicht abgeschätzt werden. Im Zweifelsfall ist es besser, verdorbenes Futter frühzeitig zu entsorgen, denn auch nur geringe Mengen Schimmelpilzgifte können eine grosse Wirkung haben.

Schimmelpilze können Futtermittel bereits auf dem Feld («Feldpilze», z.B. Fusarien-Arten oder Schwärzepilze) oder erst bei deren Lagerung («Lagerpilze», z.B. Aspergillius- und Penicillium-Arten) befallen.

Egal ob Galtkühe oder Laktierende: Eine gute Futteraufnahme von einwandfreien Futtermitteln ist Voraussetzung für gesunde Tiere und gute Fruchtbarkeit
Bild: Swissgenetics

Feldpilze

Feldpilze schädigen bereits die lebenden Pflanzen und dabei v.a. Getreide, das wegen ungünstiger Witterung nicht geerntet werden kann, indem diese welken oder faulen. Aber auch überständige Gräser können stehend von solchen Feldpilzen befallen sein. Grusätzlich gilt: Je älter das Gras geschnitten wird, desto höher ist seine Pilzbelastung. Sogenanntes «Öko-Heu» ist daher sehr häufig mit Schimmelpilzgiften verunreinigt. Deutliches Zeichen hierfür ist die Gelbverfärbung des Stängels mit den typischen grün-schwarzen Flecken.

Lagerpilze

Hat Getreide einen Feuchtigkeitsgehalt von mehr als 15 %, sind die Körner ein idealer Nährboden für Lagerpilze. Aber auch Grundfutter kann durch Lagerpilze kontaminiert sein. So werden Fehler beim Silieren sehr häufig durch Schimmelpilzbildung «bestraft». Da Schimmelpilze Sauerstoff für ihr Wachstum benötigen, sind eine gute Verdichtung und ein ordentlicher Luftabschluss durch geeignete Folien, Abdeckungen und Silowände die wichtigsten Punkte zur Verhinderung von Schimmelpilzbildung im Silo. Auch bei der Entnahme muss darauf geachtet werden, dass der Futterstock nicht aufgelockert wird, sondern glatte, dichte Flächen erhalten bleiben. Da Lagerpilze immer auch eine gewisse Feuchtigkeit zur Entwicklung benötigen, sind Raufuttermittel (Heu oder Stroh) naturgemäss weniger gefährdet. Trotzdem ist v.a. Ballenware vor der Fütterung immer gründlich auf einen Schimmelpilzbefall zu überprüfen, besonders wenn es sich um feldgepresstes Heu handelt, dem immer eine gewisse Restfeuchtigkeit anhaftet. Heu- und Strohballen sollten jedenfalls unter Dach und möglichst auf Paletten o.Ä. gelagert werden, damit sie keine Feuchtigkeit «ziehen».

Schimmelpilze bilden gefährliche Giftstoffe. Solch verdorbene Futtermittel wie diese Grassilage dürfen deshalb nicht verfüttert werden, sondern müssen entsorgt werden.
Bild: www.zweiaufreisen.com

Mykotoxine bremsen Futteraufnahme und -verdauung

Verschimmeltes Futter wird meist nicht gern gefressen, der Futterverzehr sinkt, ausserdem nimmt der Energiegehalt der Ration ab, so dass Kühe, die verdorbenes Futter vorgelegt bekommen, schon aus diesen Gründen ihren Energiebedarf nicht mehr vollständig decken können. Sehr häufig stören die Schimmelpilzgifte zudem die bakteriellen Verdauungsvorgänge im Pansen. Pansenbakterien sind sehr empfindlich gegenüber der antibiotischen Wirkung dieser Gifte. Sterben die Pansenbakterien ab, ist die komplette Verdauung im Wiederkäuermagen gestört, das Futter wird nicht richtig aufgeschlossen, die enthaltenen Nährstoffe können von der Kuh nicht verwertet werden. Aber auch starke Durchfälle und Koliken sind wegen einer direkten Schädigung der Darmschleimhaut durch die Mykotoxine häufig.

Schäden in Leber, Euter und Klauen

So unterschiedlich die Schimmelpilze selbst sind, so unterschiedlich sind auch die von ihnen gebildeten Mykotoxine und deren schädigende Auswirkungen auf den Kuh-Organismus. Alle Giftstoffe richten allerdings grosse Schäden in der Leber an. Die Leber muss sämtliche Gifte, die vom Körper aufgenommen werden, abbauen. Sie wird dadurch stark belastet und häufig irreversibel geschädigt. Folgen einer belasteten Leber sind immer Stoffwechselprobleme und die Schwächung der körpereigenen Abwehr, so dass Infektionen leichter angehen. Viele Kühe, die belastetes Futter gefressen haben, leiden daher plötzlich an akuten Euter- oder Lungenentzündungen. Schimmelpilzgifte können das Eutergewebe aber auch direkt reizen, so dass der Zellgehalt in der Milch plötzlich drastisch steigt. Da einige Mykotoxine auch in die Milch übergehen können, hat die Verfütterung von verschimmeltem Futter nicht nur eine negative Auswirkung auf die Tiergesundheit, sondern ist zusätzlich auch lebensmittelrechtlich relevant.

Schimmelpilzgifte können die Klauenlederhaut schädigen und Klauenrehe verursachen.
Bild: Swissgenetics

Direkte Auswirkung auf die Fruchtbarkeit

Die Fruchtbarkeit bei Kühen, die mit verdorbenem Futter gefüttert werden, ist sehr häufig herabgesetzt. Gründe hierfür sind zum einen der belastete Stoffwechsel (s.o.), zum anderen haben manche Mykotoxine eine brunsthormonähnliche (östrogene) Wirkung. Vor allem Schweine sind für diese sehr empfindlich, aber auch Kühe können Fruchtbarkeitsstörungen, z.B. in Form von Dauerbrunst durch die östrogenen Gifte, bekommen. Beim Jungvieh zeigt sich eine Vergiftung mit östrogenen Mykotoxinen, indem die Tiere plötzlich anfangen aufzueutern. Eine weitere Form der Fruchtbarkeitsstörungen, die durch Schimmelpilzgifte ausgelöst werden, sind Aborte, Totgeburten und Missbildungen.

Die von Schimmelpilzen gebildeten Giftstoffe gefährden Gesundheit und Fruchtbarkeit der Kühe. Verschimmeltes Futter sollte daher entsorgt und nicht verfüttert werden.

Vorsicht auch bei Galtkühen und Jungvieh

Galtkühe und Jungvieh werden sehr häufig mit dem Krippenausputz und/oder Öko-Heu gefüttert. Beides ist sehr oft mit Schimmelpilzen belastet. Gerade Galtkühe sollten aber nur qualitativ einwandfreie Futtermittel vorgelegt bekommen, damit ein guter Start in die neue Laktation gelingt. Extensives Heu ist zwar ein geeignetes Futtermittel für sie, allerdings muss die Qualität stimmen, damit zum einen die Futteraufnahme und Pansenfüllung stimmen (das beugt Schwergeburten und Labmagenverlagerungen vor), zum anderen darf die Leber im Abkalbezeitraum nicht unnötig belastet werden, damit sie zu Beginn der neuen Laktation ihre volle Leistung bringen kann. Auch das Jungvieh sollte nicht als «Futter-Mülleimer» betrachtet werden, da sich eine geschädigte Leber nie wieder vollkommen erholt. Häufig sind schlechte Einsatzleistungen von Kalbinnen in Fütterungsfehlern während der Aufzucht und dabei nicht zuletzt im Verfüttern von schimmligen Futtermitteln begründet.

Auch dem Jungvieh muss qualitativ einwandfreies Futter vorgelegt werden, damit die Tiere später ihre volle Leistung bringen können.
Bild: Swissgenetics

Um Schäden zu vermeiden sollte beachtet werden, dass

  • Silage wegen dem hohen Feuchtigkeitsgehalt «prädestiniert» ist für einen Schimmelpilzbefall, wenn beim Einsilieren Fehler gemacht werden.
  • aber auch Raufutter (Heu und Stroh), insbesondere Ballenware häufig mit Schimmel kontaminiert ist.
  • je später Gras gemäht wird, desto höher sein Befall mit Feldpilzen ist. Es sollte möglichst geschnitten werden, bevor sich die Stängel unten gelb verfärben.
  • Getreidemischungen und Kraftfutter ebenso vor dem Verfüttern auf Schimmelbefall überprüft werden müssen.
  • die Pansenbakterien von den Pilzgiften abgetötet werden und dadurch die Verdauung im Pansen gestört wird.
  • die Schimmelpilzgifte starke Durchfälle, Leberschäden, Euterentzündungen, Klauenrehe, Aborte, Fruchtbarkeitsstörungen u.a. auslösen können
  • auch Galtkühe und Jungvieh nicht als «Futter-Mülleimer» benutzt werden sollten, da die Folgen lange nachwirken können.