Home>News>
Grundfutterqualität
Herdenfütterung|22.01.2026

Grundfutterqualität

Für Pansengesundheit und Fruchtbarkeit

Bei der Ernte wird die Grundfutterqualität, die Pansengesundheit der Kühe und somit die Fruchtbarkeit der Herde fürs kommende Jahr festgelegt.

Stefan Buri (TORO 03/22)

Zentraler Punkt in der Wiederkäuerfütterung ist und bleibt der Pansen. Die Zusammensetzung der Milliarden von Pilzen, Bakterien und Protozoen, die dort die schwerverdaulichen Gerüstsubstanzen im Raufutter aufschliessen, entscheidet, ob genügend Energie für die Milchproduktion der Kuh zur Verfügung steht – oder nicht.

Mit Erde verschmutztes Futter hat einen hohen Rohaschegehalt und immer einen negativen Einfluss auf den Verzehr und die Panseneffizienz.
Bild: Swissgenetics

Spätfolgen in Fruchtbarkeit

Das Verständnis, wie der Pansen und seine Flora funktionieren, ist deshalb Grundlage für alle Entscheide in der täglichen Fütterungsarbeit. Probleme und in der Fütterung werden erst augenscheinlich, wenn es gegen Ende der Startphase beim Besamen nicht klappt oder die Tiere gar nicht stierig werden. Viele Untersuchungen zeigen, dass einerseits die Fütterung während Galt- und Startphase, andererseits aber auch die Futterqualität einen wichtigen Einfluss haben.

Stabiler pH-Wert

Je besser der Pansen funktioniert und je höher sein Mikrobenbesatz ist, umso mehr Futter kann umgesetzt werden. Diese Mikroorganismen benötigen im Pansen einen stabilen pH­-Bereich um 6.2 fürs effiziente Arbeiten. Bei der praktischen Umsetzung dieser Vorgaben vor allem in der Fütterung von Transit­ und Startphasekühen hapert es aber häufig. Kommt es durch Fehler, einen tiefen Verzehr oder einen Überhang an leicht fermentierbaren Kohlenhydraten zum länger dauernden Absinken des pHs, fällt der Faseraufschluss rasch zusammen. Pansen­ und Futtereffizienz sowie die Energiebereitstellung sinken. Das Ziel in der täglichen Fütterung muss also sein, den pH-Wert im Pansen konstant im optimalen Bereich zu halten. Dies wird durch die Futterqualität und die Rationsgestaltung beeinflusst.

Speichel als Puffer

Zentraler Punkt in der Fütterung: Die Speichelproduktion der Kühe muss durch das Fressen und Wiederkäuen maximal angeregt werden. Denn Speichel ist der natürliche Pansenpuffer. Bei über 100 Litern, die pro Tag produziert werden, ist das eine riesige Menge mit viel Beeinflussungspotenzial. Die Basis für die ausreichende Speichelbildung liegt in der richtigen Heu­ und Grassilageaufbereitung. Denn Kühe fressen und käuen am liebsten gutes Futter. Also wird zur jetzigen Jahreszeit die Grundlage für Pansengesundheit und Fruchtbarkeit im nächsten Winter gelegt.

Futterqualität und Verzehr

Auch wenn die Witterung und der Erntezeitpunkt für die Futterqualität und die Futtergewinnung entscheidend sind und Wetterkapriolen in den letzten Jahren für Frust sorgten, lohnt es sich, die Stellschrauben für eine gute Konservierung frühzeitig zu überlegen. Mit der gelungenen Umsetzung der Grundregeln des Silagemanagements (z.B. Schnittzeitpunkt, Schnitthöhe, Anwelkgrad, Häcksellänge, Siliermittel, Verdichtung…) kann der Verzehr und die Futtereffizienz im nächsten Winter deutlich beeinflusst werden. Gerade die letzten Jahre mit den teilweise schwierigen Silier­ -und Heubedingungen haben in den Futterproben zu massiven Unterschieden im Rohaschegehalt geführt. Weil insbesondere die Startphasekühe mit der Nase fressen, reduziert sich der Verzehr bei Silagen und Dürrfutter mit hohen Schmutzanteilen deutlich. Verschmutztes Futter bleibt liegen. Weil es trivial ist und nicht jedes Mal neu eingestellt werden muss, gehen die Kontrolle der Mähwerk-Schnitthöhe und die Einstellung von Kreiselheuer und ­Schwader gerne vergessen. Das Nachmessen der minimalen Schnitthöhe von 8cm und die Kontrolle der Arbeitstiefe von Kreiselheuer und Schwader gehören deshalb zu jedem Arbeitsgang während der Futterernte.

Fehlgärungen vermeiden

Gerade bei Silagen wird so die Gärqualität entscheidend beeinflusst: Steigen die Rohaschegehalte, sinkt der Futterverzehr. Vor allem Clostridien, die natürlicherweise zuhauf in der Erde vorkommenden Bakterien, führen anstelle der gewünschten Milchsäuregärung zu Buttersäuregärungen. Kühe fressen Silage mit hohem Buttersäuregehalt aber nur ungern. Je nach Beständen und Siliervoraussetzungen ist es deshalb bereits jetzt an der Zeit, sich mit den Silierzusätzen auf dem Markt auseinander zu setzen und einen klaren Plan zu haben, bei welchen Bedingungen Silierzusätze Sicherheit und Qualitätsvorteile bringen und welchen Silierzusatz man zudosieren will. Ist der Tag X da und alles muss schnell gehen, bleibt keine Zeit zum Überlegen.

Futterproben für Sicherheit

Weil die Aufwuchs­ und Erntebedingungen jedes Jahr verschieden sind, machen regelmässige Futteranalysen der Grassilage und des Heustocks Sinn. Ausgeklügelte Futterpläne bringen nur dann Vorteile, wenn die berechneten Futterqualitäten auch mit den eingesetzten Futtermitteln übereinstimmen. Wer sich auf Normwerte oder uralte Futterproben verlässt, kann dagegen gründlich daneben liegen – auch wenn die Fütterung sonst den Vorjahren entspricht. Auch hier kann man sich bereits jetzt überlegen und mit dem Futtermittellieferanten planen, welche Futtermittel beprobt und wie die Futterproben entnommen werden sollen, damit ein repräsentatives und genaues Resultat gesichert ist.

Fruchtbare Galtkühe

Besonders an die trockenstehenden Kühe wurden früher oft Futtermittel schlechterer Qualität entsorgt. Dabei ist folgender Grundsatz ein sehr wichtiger: Stimmt die Fütterung in der Galtphase, stimmt auch der Verzehr in den ersten Laktationswochen. Sie legt also fest, ob die Kuh in der nächsten Laktation gesund und fruchtbar durchstarten kann. Es werden zwar viele verschiedene Galtphasenregimes diskutiert. Jedoch zeigt sich immer wieder, dass die zweiphasige Galtfütterung mit tieferer Energiekonzentration in der ersten Galtphase und energiedichten Anfütterung in der zweiten Galtphase für die allermeisten Betriebe am zielführendsten ist. Den meisten Landwirten ist dabei klar, dass Galtkühe nie abnehmen dürfen. Aus verschiedenen Untersuchungen ist bekannt, dass aber auch eine länger anhaltende Energieüberversorgung in der Galtphase zu Stoffwechselveränderungen wie bei fetten Kühen führen, auch wenn die Galtkühe gar nicht fett sind. Wer zudem den Grundsatz befolgt, dass Galtkühe eigentlich am komfortabelsten bezüglich Platz und Stallklima gehalten werden sollen, legt gute Voraussetzungen für den erfolgreichen Laktationsstart.

Die tägliche Kontrolle des Pansens

Um Schwachpunkte in der Fütterung und ihrer Effizienz früh zu erkennen, ist das regelmässige Pansenmonitoring ein wichtiges Element. Dabei geht es vor allem darum, bewusst hinzuschauen und sich in  der täglichen Routine kurz Zeit zu nehmen, um die Fütterungssignale wie den Pansen füllungsgrad, das Wiederkäuen und die Kotbeschaffenheit anzuschauen und zu taxieren. Schwanken die Wiederkauschläge beispielsweise und einige Tiere haben tiefe (<56) Wiederkauschläge pro Bissen, weist das auf Probleme im Pansenmanagement hin. Wer diese Zeit zur Tierkontrolle nicht aufbringen kann, sollte sich über technische Hilfsmittel zur Überprüfung der Pansenfunktion Gedanken machen.

Pansenmonitoring

Zahl der Wiederkauschläge
Bild: Swissgenetics
Beschaffenheit des Kots
Bild: Swissgenetics