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Homöopathie bei Kühen
Herdenhaltung|01.06.2026

Homöopathie bei Kühen

Möglichkeiten und Grenzen der Komplementärmedizin. Im Kuhstall gewinnt die Homöopathie an Bedeutung – doch ohne Bestandstierarzt geht es nicht.

Unter dem Begriff Komplementärmedizin wird ein breites Spektrum von Behandlungsmethoden zusammengefasst, die auf anderen Modellen der Entstehung von Krankheiten und von deren Behandlung basieren als jenen der Schulmedizin. Heutzutage sind die am häufigsten eingesetzten komplementärmedizinischen Methoden bei Grosstieren die Homöopathie, die Akupunktur und die Phytotherapie. Entgegen der Definition werden sie nicht nur ergänzend zur Schulmedizin eingesetzt, sondern häufig auch als alleinige Behandlung. Beide Therapierichtungen haben ihre Vor- und Nachteile. In diesem Artikel soll insbesondere auf die Möglichkeiten der Homöopathie bei der Behandlung von Krankheiten bei Nutztieren eingegangen werden.

Seit vielen Jahren

Bereits im Jahr 1829 erwähnte Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, die Homöopathie als wertvolle Methode zur Behandlung von Tieren. Mit den Fortschritten der Schulmedizin im letzten Jahrhundert, insbesondere der Entdeckung der Antibiotika, verlor die Homöopathie an Bedeutung, um in den letzten drei Jahrzehnten wegen der zunehmenden Resistenzproblematik wieder wichtiger zu werden. Heute wenden viele Landwirt/innen homöopathische Arzneimittel im Stall an.

Der Patient als Ganzes

Die Homöopathie ist eine Heilmethode, die auf gut abgestützte Prinzipien beruht und daher ein gewisses Verständnis über Krankheit, Symptome (=Krankheitszeichen) und Krankheitsursachen voraussetzt. Im Gegensatz zur Schulmedizin spielen bei der Arzneimittelwahl nicht so sehr die Krankheitserreger (Bakterien, Viren usw.) eine Rolle, sondern vor allem die Symptome, die ein Patient seit Krankheitsbeginn zeigt. Dabei sind nicht nur die körperlichen Symptome wichtig, sondern auch Veränderungen in der Psyche oder im Verhalten, wie zum Beispiel eine ängstliche Unruhe, die als Folge von Fieber eintritt. Diese Symptome sind Zeichen eines geschwächten Organismus und entscheidend für die richtige Arzneimittelwahl. Homöopathische Arzneimittel sind dank der speziellen Herstellung in der Lage, den Selbstheilungsprozess einzuleiten. Die Schwierigkeit der Homöopathie besteht darin, die Krankheitssymptome des Patienten möglichst genau zu erfassen und die dem Krankheitsbild entsprechende Arznei zu finden. Der Beobachtung des erkrankten Tieres kommt deshalb eine sehr grosse Bedeutung zu!

Breites Anwendungsspektrum

Die Homöopathie kann sowohl bei vielen akuten, als auch bei chronischen Krankheiten erfolgreich eingesetzt werden. Erfahrungen zeigen, dass manchmal sogar schwerste Erkrankungen, welche auf eine schulmedizinische Therapie nicht ansprechen, mit Homöopathie erfolgreich behandelt werden können. Die Behandlung solcher Fälle braucht allerdings viel Wissen und Erfahrung. Sie gehört deshalb unbedingt in die Hände eines erfahrenen Homöopathen. Das Gleiche gilt für die Behandlung von chronischen Krankheiten.

Homöopathische Selbstbehandlung – sinnvoll?

Um Tiere erfolgreich homöopathisch zu behandeln, müssen die Prinzipien der Homöopathie bekannt sein und man sollte über eine gute Beobachtungsgabe verfügen. Für Tierbesitzer, welche ihre Tiere selbst homöopathisch behandeln möchten, empfiehlt sich dringend der Besuch eines Einführungskurses. In diesen Kursen werden nicht nur die Grundlagen vermittelt, sondern es wird auch gezeigt, wie die Symptome am Tier beobachtet werden müssen, damit das richtige Mittel für die Behandlung gefunden wird. Zudem weisen sie auf die Grenzen der homöopathischen Selbstbehandlung hin und geben Beurteilungskriterien, ab wann der Bestandestierarzt zu rufen ist. Schwere akute Krankheiten (z. B. Neugeborenendurchfälle, fiebrige Euterentzündungen) können nämlich sehr schnell lebensbedrohlich werden, wenn dem Tier nicht rechtzeitig die richtige Behandlung zugeführt wird. Die Homöopathie eignet sich manchmal zur Verbesserung der Situation beim Auftreten von Bestandsproblemen. In diesen Fällen braucht es jedoch ebenfalls einen erfahrenen Homöopathen und auch eine gute Zusammenarbeit mit dem Bestandestierarzt, denn Bestandsprobleme haben meist eine tiefer liegende Ursache (z. B. ein Energiemangel in der Startphase, Haltungsfehler, Selenmangel etc.). Dagegen können leichtere, akute Erkrankungen, wie Fieber bei erhaltener Fresslust, einfache Verletzungen, leichte Durchfälle ohne Schwäche, Behandlungen rund um die Geburtshilfe oder leichtgradige Euterentzündungen vom Tierhalter oft eigenverantwortlich behandelt werden. Eine Umfrage hat ergeben, dass viele Landwirte, die an Einführungskursen teilgenommen haben, die Homöopathie regelmässig anwenden. Erfreulich ist, dass Antibiotika in diesen Betrieben dank dessen seltener eingesetzt werden, was wegen der Resistenzproblematik positiv zu werten ist. Die Homöopathie ist hier zu einem wertvollen Hilfsmittel zur Tierbetreuung geworden.

Kernkompetenz: Krankheitsprophylaxe

Die eigentliche Kernkompetenz des Landwirts betrifft die Gesunderhaltung (Prophylaxe) seiner Tiere. Doch selbst bei besten Haltungsbedingungen können Krankheitsfälle im Stall auftreten. Hier kann die Homöopathie wertvolle Unterstützung bieten, sofern sie richtig und fachmännisch eingesetzt wird und die Grenzen dieser Heilmethode beachtet werden. Bei jedem Krankheitsfall gilt es also zu entscheiden, welche Behandlungsmethode Erfolg versprechender ist. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, wenn Schulmedizin und Komplementärmedizin Hand in Hand im Sinne einer integrativen Medizin zusammenarbeiten würden.

Fallbeispiel 1: Schaf mit hochgradiger akuter Euterentzündung und Blutvergiftung

Ein Schaf wird dem Hoftierarzt wegen einer akuten Euterentzündung auf der linken Seite vorgestellt. Die  Aue zeigt verminderten Appetit, hat Fieber, die linke Euterhälfte ist geschwollen und schmerzhaft, das  Milchsekret ist milchig-weiss. Die Behandlung erfolgte bereits mit Antibiotika (Spritzen und Eutertuben)  und Entzündungshemmer. Zwei Tage später geht es der Aue trotz der intensiven Behandlung wesentlich schlechter. Sie ist sehr apathisch und kann sich nur noch mit Hilfe erheben, sie frisst nichts mehr. Die  extrem schmerzhafte Euterhälfte hat eine blauviolette Farbe und es haben sich Blasen auf der Haut  gebildet. Es besteht immer noch hohes Fieber, der Puls ist unregelmässig und sehr schwach, was auf eine  Blutvergiftung als Folge der Euterentzündung hinweist. Alle jetzt vorhandenen Symptome weisen auf das homöopathische Mittel Lachesis hin. Es wird aus dem Gift der südamerikanischen Buschmeisterschlange hergestellt und ist ein wichtiges homöopathisches Mittel bei der Behandlung von schwerwiegenden Entzündungen mit Blauverfärbung und Blutvergiftung. Der hinzugerufene Tierarzt verabreicht daher Lachesis C200 zwei Mal im Abstand von einer Stunde. Bereits wenige Stunden nach der Gabe von Lachesis bessert sich der Allgemeinzustand des Schafs. Es ist aufmerksamer, steht spontan auf und frisst wenige  Bissen Futter. Innerhalb der nächsten 24 Stunden normalisiert sich sein Allgemeinzustand. Auch die Euterhaut erholt sich innerhalb dreier Wochen vollständig. Die Milchproduktion an der betroffenen Euterhälfte bleibt allerdings weiterhin aus. Dieses Beispiel zeigt, dass manchmal auch schwere  Krankheitszustände homöopathisch erfolgreich behandelt werden können. Solche Fälle gehören aber ohne Zweifel in die Hände eines erfahrenen tierärztlichen Homöopathen!

Fallbeispiel 2: Rind mit enger Scheidenöffnung bei der Geburt

Ein Rind zeigt bei der Geburt eine extrem enge Scheidenöffnung. Der Landwirt hat schon während zweier Stunden erfolglos versucht, die weichen Geburtswege zu dehnen. Der zugezogene Tierarzt verabreicht dem Rind ca. 5 Kügelchen Gelsemium C30. Fünf Minuten nach der Gabe des homöopathischen Mittels tritt eine deutliche Entspannung des Scheidengewebes ein, das Gewebe lässt sich nun gut dehnen und das Kalb kann lebend entwickelt werden. Dieses Beispiel zeigt eine von vielen bewährten Anwendungen der Homöopathie im Stall, die vom Landwirt auch mit wenig homöopathischen Grundkenntnissen eigenverantwortlich behandelt werden können.