Homöopathie bei Kühen
Möglichkeiten und Grenzen der Komplementärmedizin. Im Kuhstall gewinnt die Homöopathie an Bedeutung – doch ohne Bestandstierarzt geht es nicht.
Unter dem Begriff Komplementärmedizin wird ein breites Spektrum von Behandlungsmethoden zusammengefasst, die auf anderen Modellen der Entstehung von Krankheiten und von deren Behandlung basieren als jenen der Schulmedizin. Heutzutage sind die am häufigsten eingesetzten komplementärmedizinischen Methoden bei Grosstieren die Homöopathie, die Akupunktur und die Phytotherapie. Entgegen der Definition werden sie nicht nur ergänzend zur Schulmedizin eingesetzt, sondern häufig auch als alleinige Behandlung. Beide Therapierichtungen haben ihre Vor- und Nachteile. In diesem Artikel soll insbesondere auf die Möglichkeiten der Homöopathie bei der Behandlung von Krankheiten bei Nutztieren eingegangen werden.
Seit vielen Jahren
Bereits im Jahr 1829 erwähnte Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, die Homöopathie als wertvolle Methode zur Behandlung von Tieren. Mit den Fortschritten der Schulmedizin im letzten Jahrhundert, insbesondere der Entdeckung der Antibiotika, verlor die Homöopathie an Bedeutung, um in den letzten drei Jahrzehnten wegen der zunehmenden Resistenzproblematik wieder wichtiger zu werden. Heute wenden viele Landwirt/innen homöopathische Arzneimittel im Stall an.
Der Patient als Ganzes
Die Homöopathie ist eine Heilmethode, die auf gut abgestützte Prinzipien beruht und daher ein gewisses Verständnis über Krankheit, Symptome (=Krankheitszeichen) und Krankheitsursachen voraussetzt. Im Gegensatz zur Schulmedizin spielen bei der Arzneimittelwahl nicht so sehr die Krankheitserreger (Bakterien, Viren usw.) eine Rolle, sondern vor allem die Symptome, die ein Patient seit Krankheitsbeginn zeigt. Dabei sind nicht nur die körperlichen Symptome wichtig, sondern auch Veränderungen in der Psyche oder im Verhalten, wie zum Beispiel eine ängstliche Unruhe, die als Folge von Fieber eintritt. Diese Symptome sind Zeichen eines geschwächten Organismus und entscheidend für die richtige Arzneimittelwahl. Homöopathische Arzneimittel sind dank der speziellen Herstellung in der Lage, den Selbstheilungsprozess einzuleiten. Die Schwierigkeit der Homöopathie besteht darin, die Krankheitssymptome des Patienten möglichst genau zu erfassen und die dem Krankheitsbild entsprechende Arznei zu finden. Der Beobachtung des erkrankten Tieres kommt deshalb eine sehr grosse Bedeutung zu!
Breites Anwendungsspektrum
Die Homöopathie kann sowohl bei vielen akuten, als auch bei chronischen Krankheiten erfolgreich eingesetzt werden. Erfahrungen zeigen, dass manchmal sogar schwerste Erkrankungen, welche auf eine schulmedizinische Therapie nicht ansprechen, mit Homöopathie erfolgreich behandelt werden können. Die Behandlung solcher Fälle braucht allerdings viel Wissen und Erfahrung. Sie gehört deshalb unbedingt in die Hände eines erfahrenen Homöopathen. Das Gleiche gilt für die Behandlung von chronischen Krankheiten.
Homöopathische Selbstbehandlung – sinnvoll?
Um Tiere erfolgreich homöopathisch zu behandeln, müssen die Prinzipien der Homöopathie bekannt sein und man sollte über eine gute Beobachtungsgabe verfügen. Für Tierbesitzer, welche ihre Tiere selbst homöopathisch behandeln möchten, empfiehlt sich dringend der Besuch eines Einführungskurses. In diesen Kursen werden nicht nur die Grundlagen vermittelt, sondern es wird auch gezeigt, wie die Symptome am Tier beobachtet werden müssen, damit das richtige Mittel für die Behandlung gefunden wird. Zudem weisen sie auf die Grenzen der homöopathischen Selbstbehandlung hin und geben Beurteilungskriterien, ab wann der Bestandestierarzt zu rufen ist. Schwere akute Krankheiten (z. B. Neugeborenendurchfälle, fiebrige Euterentzündungen) können nämlich sehr schnell lebensbedrohlich werden, wenn dem Tier nicht rechtzeitig die richtige Behandlung zugeführt wird. Die Homöopathie eignet sich manchmal zur Verbesserung der Situation beim Auftreten von Bestandsproblemen. In diesen Fällen braucht es jedoch ebenfalls einen erfahrenen Homöopathen und auch eine gute Zusammenarbeit mit dem Bestandestierarzt, denn Bestandsprobleme haben meist eine tiefer liegende Ursache (z. B. ein Energiemangel in der Startphase, Haltungsfehler, Selenmangel etc.). Dagegen können leichtere, akute Erkrankungen, wie Fieber bei erhaltener Fresslust, einfache Verletzungen, leichte Durchfälle ohne Schwäche, Behandlungen rund um die Geburtshilfe oder leichtgradige Euterentzündungen vom Tierhalter oft eigenverantwortlich behandelt werden. Eine Umfrage hat ergeben, dass viele Landwirte, die an Einführungskursen teilgenommen haben, die Homöopathie regelmässig anwenden. Erfreulich ist, dass Antibiotika in diesen Betrieben dank dessen seltener eingesetzt werden, was wegen der Resistenzproblematik positiv zu werten ist. Die Homöopathie ist hier zu einem wertvollen Hilfsmittel zur Tierbetreuung geworden.
Kernkompetenz: Krankheitsprophylaxe
Die eigentliche Kernkompetenz des Landwirts betrifft die Gesunderhaltung (Prophylaxe) seiner Tiere. Doch selbst bei besten Haltungsbedingungen können Krankheitsfälle im Stall auftreten. Hier kann die Homöopathie wertvolle Unterstützung bieten, sofern sie richtig und fachmännisch eingesetzt wird und die Grenzen dieser Heilmethode beachtet werden. Bei jedem Krankheitsfall gilt es also zu entscheiden, welche Behandlungsmethode Erfolg versprechender ist. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, wenn Schulmedizin und Komplementärmedizin Hand in Hand im Sinne einer integrativen Medizin zusammenarbeiten würden.