Ketose - Diagnostik
Auf Ketose testen
Viele Kühe fallen während der Frühlaktation in eine negative Energiebilanz. Dies kostet bald viel Geld, denn die Spätfolgen können teuer werden. Je früher Du daher erkennst, dass der Stoffwechsel einer Kuh entgleist, umso besser. Was ist eine Ketose und wie stellst Du sie fest?
Kein Hunger
Die Futteraufnahme der Kühe sinkt oft schon in der Woche vor der Abkalbung um mindestens 30 %.
Ungleichgewicht
Je nach Leistungsniveau bleibt der Verzehr bis weit in die Laktation hinter dem Energiebedarf zurück.
Fettmobilisierung
Der Stoffwechsel versucht das Defizit durch die Mobilisierung alter Energiereserven auszugleichen.
Abmagerung
Die Tiere bauen Körperfett ab, nehmen dadurch ab und büssen an Körperkondition ein.
Normaler Vorgang
Diese Mobilisation von Körperfett nach dem Abkalben zum Abfedern des Energiedefizits ist ein normaler Prozess. So lange dieser in einem kontrollierten Rahmen erfolgt, nimmt die Kuh keinen Schaden.
Giftstoffe durch Fettabbau
Problematisch wird es, wenn wegen eines massiven Fettabbaus Abfallprodukte während der Energiegewinnung entstehen – die sogenannten Ketonkörper. Denn diese Stoffe sind toxisch.
Ketonkörper oder «Azeton»
Chemisch haben diese Ketonkörper unterschiedliche Strukturen. Man unterscheidet:
- Azeton
- Azetoazetat
- b-Hydroxy-Butyrat (BHB)
Landläufig fasst man alle Ketonkörper etwas légère zusammen und bezeichnet sie vereinfacht alle gemeinsam als «Azeton». Ausserdem sind nicht-veresterte Freie Fettsäuren (NEFA) im Blut ein Zeichen der Fettmobilisation.
Subklinische Ketose oder Azetonämie
Eine Anhäufung von Ketonkörpern wird als «Ketose» oder «Azetonämie» bezeichnet. In den meisten Fällen verläuft diese Stoffwechselstörung schleichend (subklinisch). Verhältnismässig wenige Kühe erkranken dagegen offensichtlich, fressen nicht mehr, liegen viel und abseits und gehen mit der Milch zurück.
Spätfolgen kommen
Die Folgen für die Tiergesundheit wirken aber trotzdem und häufig lange anhaltend:
- Abfall der Milchleistung
- Leberschäden (Fettlebersyndrom)
- Erhöhte Krankheitsanfälligkeit (z.B. Labmagenverlagerung, Nachgeburtsverhalten, Gebärmutterentzündung etc.) und Infektionen
- Fruchtbarkeitsstörungen (z.B. Brunstlosigkeit, Stille Brunst, Zysten, symptomloses Umrindern)
Kann man’s sehen?
Fälschlicherweise glauben viele Landwirte aber, dass «man schon sieht», wenn eine Kuh mit einer Ketose kämpft. Dies ist aber gar nicht möglich, wenn die Krankheit nur schleichend verläuft.
Risikotiere
Insbesondere Deine Risikotiere musst Du bewusst im Auge behalten und mit einem Ketose-Test regelmässig überwachen. Es sind:
- verfettete Kühe, die besonders viel Körperfett einschmelzen können.
- Mütter von Zwillingen, deren Futteraufnahme oft schon vor dem Kalben deutlich reduziert ist.
- Tiere mit einer gestörten Nachgeburtsphase (Nachgeburtsverhalten, Milchfieber, Lahmheiten, Gebärmutter- oder Euterentzündungen), die (krankheitsbedingt) zu wenig fressen.
- Kühe mit weitem Fett-Eiweiss Verhältnis (>1.4) in der Milch zu Laktationsbeginn. Sie haben bereits mit dem Abbau von Körperfett begonnen. Ein hoher Fettgehalt > 4,8 % bei einem niedrigen Eiweissgehalt < 3,0 % ist ein deutliches Alarmsignal.
In unserer Checkliste Risikotiere für Ketose (pdf) haben wir zusammengefasst, welche Kühe Du unbedingt auf Ketose untersuchen solltest.
Tests auf Ketonkörper
Azeton wird ausgeamtet, aber auch über den Urin oder die Milch ausgeschieden. Daher lässt es sich in diesen Körpersekreten nachweisen. Es sind verschiedene Ketose-Tests im Angebot. Jeder Betrieb sollte die für sich passende Testvariante nach Durchführbarkeit, Preis und Eindeutigkeit aussuchen. Denn nur ein Test, der gut und schnell von der Hand geht, wird auch regelmässig gemacht.
Azetongeruch im Atem
Manche Menschen bemerken den stechenden Geruch von Azeton. Sie schmecken, dass die Ausatemluft, der Harn oder die Milch einer Kuh mit Ketose riecht wie Nagellackentferner oder faulendes Obst. Leider kann das aber nicht jede(r) wahrnehmen. Wenn jemand einen solchen stechenden Geruch riecht, muss dieser Verdacht objektiv abgeklärt werden.
Harnstreifen vom Menschen
Die meisten Ketose-Tests stammen aus der Humanmedizin. Denn auch Diabetiker scheiden Ketonkörper aus, wenn sie schlecht eingestellt sind. Ihr Stoffwechsel wurde lange Zeit über Urin-Teststreifen oder den Rothera-Test kontrolliert. Beides kann auch im Kuhstall verwendet werden. Knackpunkt ist allerdings die Harngewinnung, die (ohne Katheter) bei Kühen Geduld braucht.
Ein Pikser für Klarheit
Ebenfalls aus der humanmedizinischen Diabetes-Diagnose stammt ein kleines Testgerät, mit dem entweder der BHB- oder der Glucose-Spiegel im Blut gemessen werden kann. Mittlerweile gibt es eine Version für den Kuhstall. Die Messung erfolgt mit einem Teststreifen, auf den ein Tropfen Blut aufgebracht wird. Du musst allerdings wissen, wie Du zu diesem kommst.
BHB-Nachweis in der Milch
Alle als Milchtests verfügbaren Schnell-Test-Verfahren weisen b-Hydroxy-Buttersäure (BHB) nach. Das musst Du für deren Interpretation wissen.
Einfluss der Futterqualität
Diese BHB-Tests können ein verfälschtes Ergebnis haben, wenn die Kuh buttersäurehaltige Silage fressen musste, z.B. weil Du ihr nasse und/oder verdreckte Silage vorgelegt hattest. Die Buttersäure wird dann im Pansen resorbiert und zu BHB umgewandelt. Bei einem positiven Milch-Ketose-Test musst Du ausschliessen können, dass die BHB aus falscher Fütterung stammt.
Teststreifen für die Milch
Ein Schnelltest zur Ketose-Diagnose in der Milch eignete sich gut, um einmal wöchentlich die Situation im Betrieb (z.B. immer montags-abends) zu überprüfen. Allerdings waren diese Teststreifen relativ teuer. Derzeit sind sie nach unseren Informationen nicht lieferbar.
Tool im Melksystem
Verschiedene Hersteller haben mittlerweile ein Analysetool für Ketose (BHB) in ihre automatisierten Melksystemen integriert. Die Sensoren funktionieren automatisch, seien akkurat und würden sich schnell amortisieren – sagt die Werbung.
Analyse bei Milchkontrolle
Suisselab bietet im Rahmen der monatlichen Milchkontrolle an, Einzeltiere auch auf den Azetongehalt in ihrer Milchprobe zu untersuchen. In Österreich und Süddeutschland teilt ein Tool anhand der Milchkontrolle alle frischlaktierenden Tiere in eine von drei Ketose-Risikoklassen ein.
Falsch-negativ?
Ketonkörper sind flüchtige Stoffe. Deshalb riecht Nagellackentferner nämlich so stark und beisst in der Nase.
Azeton verfliegt – umso länger je mehr
Das bedeutet für die Praxis: Je länger es dauert, bis eine Probe ausgewertet wird, umso häufiger kann darin kein Azeton mehr nachgewiesen werden. Der Test ist dann falsch-negativ. Tests, die direkt im Stall durchgeführt werden können, sind weniger oft falsch-negativ als solche, die erst in ein Labor transportiert werden.
Ist das Azeton im Labor angekommen?
Wiege Dich also nicht in falscher Sicherheit, wenn Du ein negatives Testergebnis aus einem Labor zurückgemeldet bekommst. Es bedeutet nicht sicher, dass Deine Kuh keine Ketose hat. Vielleicht ist auch ihre Probe zu lange herumgestanden. Nur der Umkehrschluss ist zulässig: Wird Azeton nachgewiesen, dann ist Azeton drin!
Mehr zur Ketose
Ketose ist eine der wichtigen «Berufskrankheiten» von Milchkühen. Wir werden in der nächsten Zeit auf dieser Webseite noch näher auf sie eingehen: Wodurch entsteht sie? Wie verhinderst Du sie am besten?
In einem Video von Braunvieh.ch erklärt Prof. Gerspach (Universität Zürich) die Ursachen von Ketosen und weist auf die Bedeutung von Ketose-Tests hin.
Ketose-Risiko senken
Ketotop-Boli unterstützen Energie- und Leberstoffwechsel von Milchkühen zum Laktationsstart, senken das Ketoserisiko und sichern eine verlustfreie Versorgung.
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Fett-Eiweiss-Verhältnis der Milch
Der Fett-Eiweiss-Quotient der Milch liefert zentrale Hinweise zur Fütterung, Pansengesundheit und Energieversorgung von Kühen.
