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Mortellaro
Klauengesundheit|09.01.2026

Mortellaro

Mortellaro ist eine sehr dynamische Erkrankung

Tierhalter können aktiv dazu beitragen, die Einschleppung der schmerzhaften Erdbeerkrankheit zu verhindern und die Verbreitung von Tier zu Tier zu reduzieren.

Sibylle Mellema (TORO 01/21)

Heute kommt der Klauenpfleger. Die Kühe sind wie immer mässig begeistert. Auch bei Landwirt Peter steigt der Adrenalinspiegel. Vor einem Jahr hatte er die ersten Fälle von Mortellaro im Stall. Der Klauenpfleger fand bei ihnen kleine offene Stellen an der Ballenhaut; typische Symptome einer akuten Erkrankung. Die beiden Tiere wurden behandelt und die Läsionen schienen abzuheilen. Aber bereits bei seinem nächsten Besuch fand der Klauenpfleger drei weitere Kühe mit typischen Wunden. Und heute? Wie viele Tiere mit Mortellaro sind es diesmal? Peter hat viele Fragen. Er weiss, eine betroffene Herde wird nie wieder Mortellaro-frei. Aber nur zuschauen will er auch nicht.

Was ist Mortellaro?

  • Synonyme: Dermatitis digitalis (DD) oder Erdbeerkrankheit
  • Multifaktorielle Krankheit mit infektiösem Charakter
  • Auslöser: Treponema-Bakterien
  • Stadien: M0–M4.1
  • Reservoir-Bildung in tieferen Gewebeschichten

Stadien und Verlauf

Um Mortellaro langfristig in den Griff zu bekommen, muss Peter gut Bescheid wissen über die Ursachen, den Verlauf und die Bekämpfungsmöglichkeiten. Sein Ziel ist es, die Zahl der auftretenden akuten Läsionen zu senken, sowohl bei Erstinfektionen als auch bei den chronisch erkrankten Kühen. Darum erklärt ihm der Klauenpfleger anhand von Bildern die verschiedenen Stadien und den Verlauf der Krankheit.

Bild: Swissgenetics
Bild: Swissgenetics

MO: äusserlich gesund

Bild: Swissgenetics

M1: frühe Defekte, < 2 cm Durchmesser, ansteckend

Bild: Swissgenetics

M2: aktive Läsion, Lahmheit, Schmerz, ansteckend

Bild: Swissgenetics

M3: Abheilungsstadium aus M2, Schorfbildung

Bild: Swissgenetics

M4: Chronisches Stadium, blumenkohlartiges Aussehen, nur oberflächlich abgeheilt, Bakterien in der Tiefe.

Bild: Swissgenetics

M4.1: aktive kleine M1-Läsion auf chronischer M4-Läsion, ansteckend

Genetische Komponente

Die Krankheit entwickelt sich je nach Tier unterschiedlich. Je nach genetischer Disposition lassen sich drei Verlaufsgruppen unterscheiden. Einige Tiere entwickeln nie eine akute Mortellaro-Läsion (M1 oder M2), auch nicht während eines Ausbruchs in der Herde. Andere erkranken hingegen nur einmal bis zur akuten M2-Läsion. Die letzte Gruppe entwickelt häufiger M2-Läsionen. Zwischen den akuten Ausbrüchen leben die Bakterien tief in der verdickten, scheinbar abheilenden Haut weiter (Stadium M4). Ist das Immunsystem einer Kuh geschwächt (Stress, Krankheit, Stoffwechselprobleme), erwachen die Bakterien wieder. Diese chronisch kranken Tiere bestimmen also die Häufigkeit der Mortellaro-Ausbrüche im Bestand. Tiere mit wiederholten M2-Läsionen sollten längerfristig ausgemerzt werden.

Behandeln, aber wie?

Verdächtige oder gar lahme Tiere müssen sofort – innerhalb von 24 Stunden – im Klauenstand genau angeschaut und behandelt werden. Falls nötig wird eine funktionelle Klauenpflege durchgeführt. Dabei soll auf einen hohen Ballensatz und eine deutliche Hohlkehlung geachtet werden. So wird die Distanz der gefährdeten Region zum feuchten Boden erhöht und der Selbstreinigungseffekt so gut wie möglich genutzt. Damit alle Stadien sicher erkannt werden, muss die Ballenregion mit Wasser gereinigt und anschliessend getrocknet werden.

Für die Behandlung der M1-, M2- und M4.1-Läsionen gibt es viele verschiedene Produkte auf dem Markt. Dabei hat die sofortige und konsequente Umsetzung der Therapie einen grösseren Einfluss auf den Erfolg als das Produkt an sich. Ob antibiotikahaltige Sprays eingesetzt werden sollen, wird kontrovers diskutiert. Nebst der Resistenzproblematik stehen sie im Verdacht, die Entwicklung chronischer Läsionen (M4) zu fördern. Diese können jederzeit wieder aufflammen und bilden dann einen Herd für Neuansteckungen. Es gibt aber gute Alternativen, z. B. Produkte, die Aloe Vera oder Salicylsäure enthalten und nebst dem pflegenden Effekt eine antibakterielle Wirkung aufweisen. Eine Diskussion mit dem Bestandestierarzt lohnt sich.

Weiter sind das Anlegen und der regelmässige Wechsel von Verbänden ein zentraler Punkt. Ein gut sitzender Verband reduziert den Schmerz, fördert die Heilung zu M0 und verhindert die Verteilung der Keime im Stall. Er reduziert also das Übertragungsrisiko. Nach sieben Tagen wird der Verband entfernt und die Stelle neu beurteilt. Je nach Heilungsverlauf wird ein neuer Verband angebracht.

Faktorenkrankheit

Ein wichtiger Bestandteil jeder Therapie ist die Erkennung und Beseitigung vorhandener Mängel betreffend Aufstallung, Stallhygiene und Fütterung. Damit die vorhandenen Bakterien keinen Schaden anrichten können, müssen die Klauen immer wieder gut abtrocknen können. Pflegende Sprays halten die Haut im Ballenbereich geschmeidiger und dadurch weniger anfällig für eine Infektion. Auch eine gute generelle Immunabwehr der Tiere und möglichst wenige Erreger in der Umgebung sind wichtige Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg.

Vorbeugen lohnt sich

Bei Peter ist es bereits zu spät, die Einschleppung von Mortellaro zu verhindern. Er kann aber darauf achten, dass er keine Tiere mit akuten Läsionen einstallt. Neuzugänge oder gealpte Rinder nimmt er ab sofort vor dem Einstallen in den Klauenstand. So kann er unter guten Lichtverhältnissen die Klauen untersuchen und wenn nötig behandeln, bevor wieder neue «Keimschleudern» in seinem Stall stehen. Weil Peter weiss, dass Mortellaro auch über Gegenstände und Hände übertragen wird, trägt Peter während der Klauenpflege in Zukunft Einweghandschuhe. Danach reinigt er das Klauenmesser, das Behandlungsmaterial sowie den Klauenstand nach jedem Gebrauch gründlich mit Seifenwasser und desinfiziert sie anschliessend.

Ziele definieren und überwachen

Ob die Massnahmen greifen, lässt sich am besten durch ein regelmässiges Scoring überprüfen. Peter soll dazu die Herde regelmässig (ideal einmal pro Woche) an den Klauen der Hinterbeine auf aktive Mortellaro-Läsionen kontrollieren. Zum Beispiel am Futtertisch oder im Melkstand. Die Hinterklauen werden zuerst mit dem Wasserstrahl gereinigt und dann mithilfe einer starken Taschenlampe beurteilt. Dabei ist ein abgewinkelter Spiegel am Stiel sehr nützlich. Die Ergebnisse hält er schriftlich fest. So kann er den Verlauf der Erkrankung bei jedem Tier genau bewerten. Sein Ziel: Reduktion der Befallsquote auf 10 – 15 %. Heute waren es drei neue Fälle! Trotzdem ist Peter optimistisch. Er weiss jetzt, was er tun kann – er hat viel Arbeit vor sich.

Peter soll deshalb auf folgende Punkte achten

  • konstant saubere und trockene Laufflächen (vernässte Weidestellen auszäunen)
  • professionelle Klauenpflege mit desinfizierten Gerätschaften 2–3 x /Jahr
  • gefährdete Tiere besonders gut beobachten (1./2. Laktation, während negativer Energiebilanz)
  • wiederkäuergerechte Fütterung (keine Durchfälle und Stoffwechselprobleme)
  • CowComfort maximieren / Qualität der Liegeflächen optimieren
  • Stress vermeiden