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Slick-Gen
Zucht|20.11.2025

Slick-Gen

Hitzetolerante Kühe züchten

Kühe reagieren auf die warme Umgebungstemperaturen unterschiedlich. Sehr oft reduzieren sie ihr Brunstverhalten.

Bild: www.zweiaufreisen.com

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass die meisten Kühe bereits ab 20°C erste Anzeichen für Hitzestress zeigen:

Wiederkauen nimmt ab

Bild: S. Gerber

Futteraufnahme sinkt

Bild: Swissgenetics / lvt

Atemfrequenz steigt

Bild: www.zweiaufreisen.com

Tiere stehen lieber

Bild: Swissgenetics / vpi

Milchleistung bricht ein

Bild: Swissgenetics / jbg

Schatten wird gesucht

Bild: Swissgenetics / jbg

Wasserbedarf steigt

Bild: www.zweiaufreisen.com

Alarm!

Bild: Swissgenetics

Hitzeresistenz wird wichtiger!

Gut mit Hitze zurecht zu kommen und ihre Körpertemperatur regulieren zu können, wird für Kühe weltweit immer wichtiger werden.

Bild: www.zweiaufreisen.com

Tropenrinder

Rinderrassen, die ursprünglich aus tropischen Regionen stammen, können mit hoher Luftfeuchtigkeit und warmen Temperaturen besser umgehen.

Dies sind zum Beispiel

  • Senepol-Rinder aus der Karibik
  • Zebus aus Afrika
  • Brahman-Rinder in den Südstaaten der USA
Bild: B. Heath

Kürzere Haare, mehr Schweissdrüsen

Die tropischen Rassen, die vorwiegend zur Fleischproduktion gehalten werden, haben ein

  • kurzhaariges Fell
  • mehr Hautfalten
  • mehr Schweissdrüsen

Sie können deshalb grössere Schweissmengen produzieren und ihre Körperoberfläche so besser kühlen als Kühe der gängigen Milchrassen. Wegen dieser Eigenschaften geraten sie weniger schnell in den Hitzestress.

Bild: B. Heath

SLICK Gen: eine natürliche Mutation

2014 veröffentlichten Genetiker, dass bei Senepol-Rindern mit diesem glatten Fell- und Hauttyp auf dem Chromosom 20 eine Mutation zu finden ist. Sie nannten diese natürliche Mutation im Pro-Lactin-Rezeptor 2 (PRLR) das «SLICK-Gen» («slick» = glatt)

Bild: www.pixabay.com

Unsere Empfehlung

Der Originalartikel zur Entdeckung des SLICK-Gens ist online bei NATURE zu finden (in English).

Functionally reciprocal mutations of the prolactin signalling pathway define hairy and slick cattle, MD Littlejohn et.al., Nat Commun 5, 5861 (2014).

Erfolgreiche Einkreuzung

Da sich das SLICK-Gen dominant vererbt, ist eine Weitergabe des Merkmals von Generation zu Generation auf 50 % der Nachkommen sicher (bei heterozygoten Trägern). Das Gen wurde so erfolgreich auf verschiedene Fleischrassen aber auch in die Rassen Holstein und Jersey übertragen, indem Senepol-Rinder eingekreuzt wurden. 

Bild: Swissgenetics / lvt

Bessere Temperaturregulation

SLICK-Träger egal welcher Rasse regulieren ihre Körpertemperatur besser als langhaarige Kühe und können so auch bei Hitze ihren Stoffwechsel stabiler halten.

Bild: Swissgenetics / jbg

Unsere Empfehlung

Federführend in der SLICK-Gen Forschung ist aufgrund der klimatischen Begebenheiten (heiss und feucht) die University of Florida (Prof. P. Hansen).

  • Bereits 2014 veröffentlichten die Forscher eine Untersuchung, in der sie die bessere Hitzetoleranz von SLICK-tragenden Kühen anhand der besseren Milchleistung und der niedereren Köpertemperatur aufzeigten.
  • In einer Veröffentlichung 2022 konnten die Wissenschaftler zeigen, dass sich SLICK-tragende Kälber in verschiedenen Parametern bei Hitze von Nicht-SLICK-Trägern unterscheiden – insbesondere bei feucht-heissen Bedingungen (auf englisch)
  • Eine Zusammenfassung der Forschungsergebnisse aus Florida präsentiert Colleen Larson in diesem Video (in englisch)

Keine negativen Effekte

Die SLICK-Mutation hat keine negativen Effekte auf die Milchleistung oder auf die täglichen Zunahmen in der Fleischproduktion.

Bild: www.zweiaufreisen.com

Zuchtwerte für Hitzetoleranz

In verschiedenen Ländern (z.B. IHT in Italien seit 2022, Heat Tolerance Australian Breeding Value in Australien seit 2017) wird ein Zuchtwert für Hitzetoleranz errechnet. Dies zeigt, dass dieses Merkmal zukünftig eine höhere züchterische Bedeutung bekommen wird.

Bild: B. Heath

SLICK-Gen Träger: THERMO-ET SL P

Mit THERMO-ET SL P gibt es einen ersten europäische Red Holstein-Stier, der heterozygoter Träger des SLICK-Gens ist. Sperma von THERMO-ET SL P ist erhältlich bei Swissgenetics.

Bild: KeLeKi

Massnahmen gegen Hitzestress

Die züchterischen Verbesserungen durch das SLICK-Gen ersetzen allerdings nicht die «Sommermassnahmen» zur Reduktion des Hitzestress, die jeder Betrieb durchführen sollte:

Optimierte Wasserversorgung

Bild: Swissgenetics / lvt

Eine zusätzliche Tränkestelle

Bild: Swissgenetics

Weiden in der Nacht

Bild: E. Bischof

Kühlende Massnahmen im Stall

Bild: E. Manser