Joghurt-Tränke für Kälber
Milchgabe zur freien Verfügung an Kälber ist in Mode. Aber: Wie geht man am besten vor, damit die Kälber den ganzen Tag Zugang haben zu frischer Milch, in der richtigen Temperatur und einwandfreier Qualität?
Valérie Piccand (TORO 01/15)
Es gibt schon seit mehreren Jahren eine Marktlösung zur Ad libitum Tränke von Kälbern: Ein Tränkeautomat. Dieses System ist aber mit hohen Anschaffungskosten verbunden und taugt nicht für alle Halteformen (Iglus, Kleingruppenhaltung, mehrere Ställe). Die Verfütterung von «Joghurt» in einem mit Nuggi versehenen Eimer hingegen ist eine einfache, kostengünstige Alternative, die allen Situationen angepasst ist.
Vorteile von Joghurt
Sauermilch wird von den Kälbern sehr gut vertragen. Dank dem tieferen pH und der Wirkung von Bakterien (oder von Hefe im Falle von Kefir) hat die Vorverdauung der Milch schon begonnen. Anderseits haben die Bakterien, die in Milliardenhöhe im Joghurt vorkommen, eine probiotische Wirkung. Sie bevölkern den Verdauungstrakt und bremsen die Vermehrung von unerwünschten Keimen. Joghurt trägt so zur guten Gesundheit der Kälber bei.
Die Fabrikation von Joghurt erlaubt es auch, Milch, die nicht in den Umlauf gebracht werden kann (Kolostrum, Milch mit hoher Zellzahl), zu verwerten und zu konservieren.
Achtung: antibiotikahaltige Milch darf nicht für die Joghurt-Herstellung verwendet werden, da sich die für die Milchtransformation nötigen Bakterien nicht entwickeln können!
Selbsthergestellter Joghurt kann einige Tage (im Sommer) bis einige Wochen (im Winter) aufbewahrt werden. Somit muss überflüssige Milch nicht mehr entsorgt werden.
Joghurt bringt eine Arbeitserleichterung und Zeiteinsparung mit sich. Die Milch muss nicht mehr auf die richtige Temperatur erhitzt und möglichst rasch an die Kälbern verfüttert werden, um eine optimale Verdauung zu bewirken. Die Temperatur von 38–42°C gilt nur für frische Milch (pH 6.6–6.8). Angesäuerte Milch (pH 4.0–4.5) kann dagegen kalt (15–20°C) verabreicht werden, ohne dass Verdauungsprobleme verursacht werden oder dass der Verzehr sinkt. Diese Temperatur macht es möglich, dass angesäuerte Milch den Kälbern ohne Erwärmungseinrichtung permanent zur Verfügung steht und dies während des grössten Teils des Jahres. Zudem müssen die Utensilien (Eimer, Nuggi …) nicht mehr jeden Tag ausgewaschen werden (im Winter erübrigt sich die Reinigung, im Sommer ist das Ausspülen ratsam, um die Vermehrung der Fliegen einzuschränken).
Bakteriologische Qualität
Frische Milch wird auf Körpertemperatur erwärmt und manchmal über längere Zeit warm gehalten. Ihre Unerwünschte Keime können sich so optimal vermehren. Die Qualität der Milch sinkt dadurch sehr rasch. Wird die Milch zuerst angesäuert (pH <4.4), werden viele dieser Keime zerstört (E. coli, Staphylokokkus aureus, Clostridium perfringens, Listeria monocytogenes, Salmonellen) und können sich nicht mehr vermehren. Sauermilch kann deshalb bei Raumtemperatur während mehrerer Tage (und sogar Wochen im Winter) gelagert werden, ohne dass ihre Qualität abnimmt.
Gebrauchsanweisung
Es gibt verschiedene Methoden, um angesäuerte Milch zu produzieren, jeder muss die für seinen Betrieb passende Methode finden (Personal, Einrichtungen, Anzahl Kälber, Saison …).
Die Fabrikation bleibt bei allen Methoden dieselbe:
- Starterkultur vorbereiten, 24 bis 48 Stunden. Temperatur je nach gewählter Kultur anpassen (z.B. 42 bis 45°C für Joghurt).
- Die Starterkultur in den Joghurtbehälter schütten. Die im Minimum für eine Mahlzeit nötige Milch hinzufügen. Während mindestens 12 Stunden fermentieren lassen (im Winter muss die Temperatur mit einem Milchwärmer >15°C gehalten werden).
- Die für eine Mahlzeit nötige Menge Joghurt entnehmen. Immer einen Rest Joghurt im Behälter lassen (10–20 % des Behältervolumens).
- Nach jedem Melken wird die für die nächste Mahlzeit nötige Menge an warmer Milch beigefügt. Die Kultur muss erneuert werden, sobald unerwünschte Gärungen stattfinden (Regel: ungefähr 1x/Monat im Winter und 2x/Monat im Sommer).
Verabreichung
Der Fütterungsplan bleibt derselbe wie mit frischer Milch. Die Joghurt-Tränke kann schon ab dem 2. oder 3. Lebenstag verabreicht werden. Ältere Kälber müssen an den sauren Geschmack des Joghurts gewöhnt werden, indem die Menge Joghurt in der Tränke sukzessive erhöht wird. Wenn der Joghurt (nach Lagerung) sehr sauer geworden ist, kann man ihn mit frischer Milch vermischen (indem man aber bei kalter Verfütterung einen minimalen Anteil von einem Drittel Joghurt behält). Joghurt kann in einem mit Nuggi versehenen Eimer sehr einfach den Kälbern zur freien Verfügung (ad libitum) angeboten werden. Im Winter kann sich ein isolierter Behälter mit Milchwärmer als nötig erweisen, damit die Temperatur der Joghurt-Tränke >15°C gehalten werden kann. Beim Halten von Kälbern im Freien ist die Ad-libitum-Verfütterung von Joghurt-Tränke schwierig, da der bleibende Joghurt im Nuggi gefriert und die Kälber nicht mehr trinken können. Darum muss bei kälterer Umgebungstemperatur die Joghurt-Tränke zwei Mal pro Tag verabreicht werden, indem darauf geschaut wird, dass die Nuggi leer sind.
Angesäuerte Milch ist kein Allerweltsmittel! Aber sie kann zur Aufzucht von gesunden Kälbern beitragen, indem sie gleichzeitig die Arbeit erleichtert und kostengünstig ist.
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