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Geschichte und Vorteile
Gründe fürs Besamen|03.10.2025

Geschichte und Vorteile

Warum besamen wir?

Für viele Landwirte ist es tägliches Geschäft, dass der Besamungsdienst auf den Betrieb kommt und ihre brünstigen Kühe besamt.  

Doch wird dieser alltägliche Service zunehmend auch kritisch kommentiert. So äussern sich z.B. vegane Tierrechtler immer mal wieder schimpfend auf der Facebook-Seite von Swissgenetics.  

Es ist also Zeit, sich einmal damit zu beschäftigen, weshalb Kühe eigentlich besamt werden. 

Bild: D. Savary

Seit den 1950ern

Die künstliche Besamung ist keine Erfindung der «industriellen Massentierhaltung». Bereits in der Nachkriegszeit gab es viele Gründe, die die Entwicklung der Besamung vorantrieben. Und auch heute gibt es noch genügend Argumente, die fürs Besamen sprechen.

Die Geschichte der Besamung

Schon vor 250 Jahren fanden Versuche zur künstlichen Besamung von Haustieren statt. Der Priester Lazarro Spellanzani besamte eine Hündin.

In den Nachkriegsjahren wurden die ersten Besamungsstationen an unterschiedlichen Standorten in der Schweiz gegründet

1960 entstand der SVKB (Schweizerischer Verband für künstliche Besamung). 2004 wurde er zu Swissgenetics.

In den letzten Jahren ermöglichten neue technische Entwicklungen wichtige Fortschritte in der Samenproduktion, z.B. die Trennung der Spermien nach Geschlecht.

Historische Gründe für die Besamung

Verbreitung von Deckseuchen

Bild: Wiederkäuerklinik, Vetsuisse-Fakultät Bern

Die KB war zunächst eine wichtige seuchenhygienische Massnahme. Nach dem 2. Weltkrieg waren Deckseuchen weit verbreitet und richteten immensen Schaden durch Unfruchtbarkeit und Aborte an. 

Der Stier war die «halbe Herde»

Bild: Forschungsanstalt Agroscope

Erfolg oder Misserfolg in der Viehzucht hing zu einem wesentlichen Teil vom Zuchtstier ab, der zur Belegung der Kühe und Rinder zur Verfügung stand. Im Durchschnitt kam auf 25 bis 40 Kühe ein Stier.

Organisation der Stierenhaltung

Bild: Swissgenetics

Ca. 80 % der Stiere waren Privateigentum, der Rest gehörte Genossenschaften, Kooperationen oder der Gemeinde. Das gab Diskussionen: Wer wählte einen Stier am Markt aus? Wer versorgte ihn?

Riskant im Umgang

Bild: J. Gaspary

Die meisten Stiere standen in den Kuhställen. Sie wurden bis in die 50er Jahre auch als Zugtiere eingesetzt. Alle Rinderrassen hatten das Dreinutzungszuchtziel Milch, Fleisch und Arbeitsleistung. Im täglichen Umgang v.a. mit älteren Stieren kam es dabei immer wieder zu schweren Unfällen. 

Unfruchtbarkeit im Natursprung

Bild: VZG Kirchlindach und Umgebung

Ein wirtschaftliches Risiko war die Unfruchtbarkeit des Stiers. Immer mal wieder deckte ein Stier nicht oder die Kühe wurden nicht trächtig. Viele Stiere wurden bereits als Kalb angekauft und es dauerte lange bis eine Unfruchtbarkeit offensichtlich wurde. Der ökonomische Schaden war dann gross.

Keine Nachzuchtprüfung

Bild: VZG Kirchlindach und Umgebung

Der Stier wurde oft geschlachtet, bevor man Informationen über seine Nachkommen hatte. Man setzte ihn max. zwei Deckperioden ein (Vermeidung von Inzucht, Arbeitssicherheit). Der züchterische Wert ergab sich am Stier (Exterieur, Gesundheit, Fruchtbarkeit, Arbeitsleistung) und seinen Eltern. 

Die künstliche Besamung früher

Zum 50. Jubiläum von Swissgenetics im Jahr 2010 erinnern sich verschiedene ehemalige Funktionäre und Verantwortliche in einer Toro-Serie an die Zeiten zu Beginn der künstlichen Besamung:


Als es noch keine KB gab

E. Germann, ehem. Direktor SFZ, äusserte sich zur Stierenhaltung von Viehzuchtgenossenschaften und Privateigentümern und den Schwierigkeiten bei der Stierenauswahl: 


Der lange Weg zur künstlichen Besamung

Dr. Ph. Bachmann, ehem. Leiter der Besamungsstation Pierreabot, schrieb über die Widerstände, die es in den 1940er Jahren gab, und warum sich die sanitarischen Vorteile doch durchsetzten: 


Steiniger Start des KB-Verbandes

Dr. Ph. Bachmann und Dr. E. Mutter, ehem. Tierärzte beim SVKB, berichtete über die Streitigkeiten und die Umstellung auf tiefgefrorenes Sperma Anfang der 1960er Jahre: 


Vom Frischsamen zum Tiefgefriersamen

Dr. J. Kneubühler, Teamleiter Tierhaltung bei Swissgenetics, blickte auf die technischen Schwierigkeiten zu Beginn Besamung und der Umstellung auf Tiefgerier-Sperma zurück: 


Wandel im Zuchtziel

Die wachsende Verbreitung der Besamung erleichterte und änderte die Ziele in der Rinderzucht.

Die Dreinutzungskuh (Milch, Fleisch, Arbeisleistung) wurde von der Zweinutzungskuh und schliesslich den spezialisierten Milch- und Fleischrassen abgelöst.

Früher: Rinder als Zugtiere

Bild: SwissHerdbook

Die Arbeitsleistung von Rindern war bis in die 1950er Jahren wichtig. Das Zuchtziel vom Braunvieh gewichtete damals zum Beispiel 60 % Milch, 30 % Fleisch, 10 % Arbeit. In Reinzucht blieb die Anpassung an die typischen, lokalen Gegebenheiten erhalten.

Einkreuzung fremder Rassen

Bild: SwissHerdbook

Mit dem Einsatz von Traktoren und Motormähern wurde die tierische Zugkraft überflüssig. Die Milchleistung gewann an Bedeutung. Die Besamung ermöglichte den Zuchtfortschritt durch Einkreuzungen und Import milchbetonter Genetik. 

Die Milchproduktion steigt

Bild: S. Gerber

Durch Kreuzungszucht, den verbesserten Futtergrundlagen und freiwerdenden Futterressourcen durch die Abnahme von Arbeitspferden und Natursprungstieren nahm die Milchproduktion zu. Die Milchleistungsprüfung wurde eingeführt. 

Revolution: Gefrorener Samen

Bild: Swissgenetics

Tiefgefrorenes Sperma konnte ab Mitte der 1960er Jahre unbegrenzt eingelagert werden. So konnten erstmals die Nachzuchtprüfung und somit die direkten Vererbungseigenschaften eines Stiers bei den Anpaarungen genutzt werden. Dies verbesserte die Selektion. 

Aktuelle Vorteile der künstlichen Besamung

Vieles hat sich seit der Einführung der künstlichen Besamung verändert. Neue Technologien und verbesserte Methoden sichern nicht nur die Qualität der produzierten Samendosen. Sie bringen weitere Vorteile.

Beschleunigter Zuchtfortschritt

Bild: Swissgenetics / kba

Die genomischen Zuchtwerte der Stiere erlauben heute bereits vor dem Besamungseinsatz eine annähernd ähnlich strenge Selektion wie die Nachzuchtprüfung. Das beschleunigt den Zuchtfortschritt.

Genaue Erbfehleranalyse

Bild: Swissgenetics / fpe

Die genomische Sequenzierung des Erbguts ermöglicht auch die Entdeckung unbekannter vererbter Krankheiten. Der Zuchtausschluss von Erbfehler-Träger verhindert die Geburt kranker Kälber.

Sanitarische Sicherheit

Bild: Swissgenetics

Strenge internationale Vorschriften, Quarantänemassnahmen und Zutrittsbeschränkungen verhindern, dass übertragbare Erreger im Sperma von Besamungsstieren vorkommen.

Tiergerechte Stierenhaltung

Bild: Swissgenetics

In modernen Ställen von Besamungsstationen können sich die Stiere frei bewegen, das verbessert ihre Gesundheit und Samenqualität. Wichtiger Aspekt: Die Arbeitssicherheit der Pfleger.

Moderne Samenproduktion

Bild: Swissgenetics

Die Methoden und technischen Möglichkeiten in der Produktion von tiefgefrorenem Sperma verändern sich stetig und steigern den Besamungserfolg.

Trennung nach Geschlecht

Bild: Swissgenetics

Mit gesextem Sperma kann das gewünschte Geschlecht des Kalbs bereits mit der Besamung ausgewählt werden.

Strenge Qualitätskontrolle

Bild: Swissgenetics

Etablierte Prüfmethoden sichern die Befruchtungsfähigkeit des produzierten Spermas. Sie gewährleisten hohe Qualität gegenüber den Kunden.

Internationaler Austausch

Bild: Swissgenetics / iku

Die gute Transportfähigkeit von tiefgefrorenem Sperma erlaubt einen weltweiten Austausch von Rindergenetik und internationale Partnerschaften.

Die häufigsten Argumente pro Besamung

Zuchtfortschritt

Aus Sicht der Kunden ist die geprüfte, praktisch grenzenlose und international verfügbare Genetikauswahl der wichtigste Grund.

Seuchenhygiene

Aus staatlicher Sicht profitiert die Tierseuchenbekämpfung immer noch von den klar geregelten Anforderungen.

Arbeitssicherheit

Sicherheitsexperten empfehlen die KB zur Unfallverhütung auf dem landwirtschaftlichen Betrieb. Kein Stier = Weniger Risiko.

Eine "moderne" Alternative - Der Stier in privater Hand?

Mit der Zunahme von Mutterkuhhaltung aber auch des grösser werdenden Zeitmangel auf Milchviehbetrieben werden heute wieder mehr Stiere in Privathänden gehalten.

Leider passieren immer wieder tragische Unfälle mit ihnen – oft weil sie falsch eingeschätzt werden oder weil die Sicherheitsvorkehrungen auf den landwirtschaftlichen Betrieben nicht stimmen.

Der Stier frei bei der Herde?

Bild: K. Odermatt

Häufig läuft der Stier frei im Laufstall oder auf der Weide bei der Kuh- oder Rinderherde mit. Sein natürliches Verhalten dient dem Schutz seiner Herde und seines Territoriums. Schlecht, wenn er Dich dabei als "Eindringling" sieht.

Der Stier im richtigen Stall?

Bild: Swissgenetics / lvt

Oft ist der Stier in einem Stall untergebracht, der eigentlich für Rinder oder Kühe ausgelegt ist – ohne ausreichende Sicherheits- und Fixierungseinrichtungen für einen Stier. Meist fehlen auch Fluchtmöglichkeiten für Menschen. 

Genügend Respekt vor dem Stier?

Bild: C. Hug

Vor allem ältere Stiere sind ein unberechenbares Risiko. Auch bislang zahme Tiere können schlagartig anders reagieren, austicken und angreifen. Respekt und Achtsamkeit vor dem Stier rettet Leben.

Unsere Empfehlung

In einer Dokumentation des Südwest-Rundfunks (D) erzählt ein Landwirt aus dem Schwarzwald eindrücklich, wie er einen Angriff durch seinen Deckstier ganz knapp und schwerstverletzt überlebte.

Weiterbildungsangebot

Die aktuellen Eigenbestandsbesamungs-Kurse unter unserer Leitung findest Du auf der Swissgenetics Webseite.