Zitzendippen – Der richtige Schutz fürs Euter
Eine Desinfektion der Zitzen soll Infektionen vorbeugen.
Sibylle Mellema (TORO 02/24)
Direkt nach dem Melken die Zitzen zu desinfizieren, ist eine der wichtigsten Prophylaxemassnahmen gegen Euterentzündungen. Die Dippmittel töten krank machende Bakterien ab und schützen das Euter.
Natürliche Barriere
Eigentlich bewahrt der feste äussere Verschluss der Zitzenspitze das Euter vor einer Besiedlung mit Keimen. Bakterien können diese Barriere nur schwer überwinden. Das Vakuum beim Maschinenmelken dehnt den Strichkanal allerdings stark auf. Er bleibt bis zu einer Stunde nach dem Melken geöffnet. Dann erst verschliesst er sich wieder. In diesem Zeitraum können Keime aus der Umgebung leicht in die Zitze eindringen. Eine Desinfektion der Strichkanalöffnung und der umliegenden Zitzenhaut kann das Euter in der «schutzlosen Zeitspanne» vor einer Keimbesiedlung bewahren.
Dippen oder sprühen?
In welcher Form die Präparate zur Zitzendesinfektion angewendet werden, ist nicht entscheidend. Es ist egal, ob die Zitze gedippt oder das Mittel aufgesprüht wird. Wichtig sind aber der korrekte Gebrauch der Desinfektionslösung und die Hygiene der Utensilien. Die Strichkanalöffnung und die unteren zwei Drittel der Zitze müssen vollständig mit Desinfektionslösung benetzt sein. Unten an der Zitzenkuppe sollte ein Tropfen hängen bleiben.
Saubere Becher
Die einfachste Applikationsart, um diese Vorgabe zu erfüllen, ist die Zitze nach dem Melken mittels eines Dippbechers in das Desinfektionsmittel zu tauchen. Nachteilig kann bei diesem Verfahren sein, dass überschüssiges Dippmittel, das nach der Anwendung wieder in den Becher zurückläuft, die restliche Lösung mit Schmutz oder Milchresten kontaminiert. Dadurch geht die desinfizierende Wirkung verloren und Krankheitserreger können möglicherweise verschleppt werden (s. Fallbericht im Kasten). Empfehlenswert sind daher Dippbecher mit Rücklaufsperre (Non-Return-Becher). Dennoch sollten auch diese Becher mindestens täglich beziehungsweise nach der Anwendung bei 30 Kühen innen und aussen gründlich gereinigt und mit frischer Dipplösung neu befüllt werden.
Sprühschatten vermeiden
Der Vorteil einer Sprühflasche: Die Verschmutzung der Desinfektionslösung ist nahezu ausgeschlossen. Um eine gleich gute Benetzung der Zitze mit Dippmittel zu erzielen, müssen die Striche allerdings unbedingt von unten her angesprüht werden (s. Grafik). Sprüht man von der Seite, wird die Rückseite der Zitze nur unvollständig erreicht. Um das Besprühen von unten zu erleichtern, sind spezielle «Zitzensprühflaschen» im Handel, deren Sprühdüse nach oben aufgebracht ist. Sie eignen sich für grössere Betriebe besser, da sie nicht zwingend nach 30 Kühen wieder frisch befüllt werden müssen. Allerdings haben sie durch ihren breiteren Sprühkegel einen ca. doppelt so grossen Dippmittelverbrauch als ein Becher, und die korrekte Anwendung dauert etwas länger als beim Zitzentauchen, da besser «gezielt» werden muss. Zusätzlich muss darauf geachtet werden, dass der Sprühnebel nicht eingeatmet wird, da alle Desinfektionsmittel die Atemwege stark reizen.
Produktevielfalt
Es sind verschiedene Produkte auf dem Markt. Sie enthalten Jod, Chlorhexidin, Chlordioxid oder Milchsäure als desinfizierende Komponente. Leider entziehen diese desinfizierenden Wirkstoffe der Haut Feuchtigkeit und Fett. Deshalb enthalten die meisten Mittel zusätzlich hautpflegende Wirkstoffe. Aber Achtung: Je höher der Anteil der Pflegestoffe, desto geringer ist die desinfizierende Wirkung und je schlechter lassen sie sich sprühen. Filmbildende oder schäumende Dippmittel haben den Vorteil, dass ihre Konsistenz den Strichkanal zusätzlich verschliesst.
Sauber melken mit und ohne Roboter
Gesunde Euter erfordern sorgfältige Melkarbeit, Hygiene und Systemüberwachung; bei automatischen Melksystemen sind besondere Massahmen zur Eutergesundheit notwendig.
Kuhsignal - Gedippte Zitze
Jodhaltiges Dippmittel nach dem Melken schützt Euter und Zitzen vor Keimen, indem es Infektionen vorbeugt und die Gesundheit der Kühe erhält.
