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Konventionelle Embryogewinnung
Reproduktionstechniken|30.10.2025

Konventionelle Embryogewinnung

Die konventionelle Embryogewinnung (Spülung)

Durch eine Embryogewinnung lässt sich die Zahl der Kälber einer überdurchschnittlichen Kuh deutlich steigern.

Bild: KeLeKi

Optiline macht Lieblingskühe

  • Durchschnittlich rund 4 Embryonen
  • Trächtigkeitsraten von 60 %
  • Kälber mit hohem Marktpotenzial
  • Verkürzung des Generationenintervalls
  • Funktioniert mit gesextem Samen (seleXYon)
Bild: Swissgenetics / tmo

Prinzip «Leihmutterschaft»

Das Prinzip hinter der Embryogewinnung und dem Embryotransfer ist die Leihmutterschaft: Das wertvolle Tier wird mit Hormonen stimuliert. Es reifen deshalb in der Brunst mehr als nur eine einzige Eizelle heran. Sie werden mit einer normalen Besamung befruchtet. Nach einer Woche spült man die Embryonen, die daraus resultieren, unblutig aus der Gebärmutter und überträgt sie auf züchterisch weniger interessante Empfänger.

Bild: Swissgenetics / jbg

Auswahl der Spenderin

Neben den züchterischen Kriterien, die eine Spenderin auszeichnen, muss sie gynäkologisch 100 %ig gesund sein und andere allgemeinmedizinische Voraussetzungen erfüllen.

So geht’s bei Swissgenetics

Dr. Rainer Saner, Embryotransfer-Tierarzt, sagt:

«Die Tiere müssen selbstverständlich einen guten Allgemeinzustand haben. Von kranken Tieren kann man keine gesunden Embryonen gewinnen».

Bild: Swissgenetics / jbg

Kriterien bei Kühen

  • Gesundes Tier
  • Deutliche Brunstsymptome
  • Regelmässige Brunstzyklen nach dem Abkalben
  • Gesunde, rückgebildete Gebärmutter
  • Stabiler Stoffwechsel
  • Gute Klauengesundheit

So geht’s bei Swissgenetics

Rainer nennt eine Faustregel:

«Nach der Geburt bis zur Spülung einer Kuh sollte man etwas warten. Man sollte die Milchmenge der Kuh pro Tag dafür berücksichtigen. Diese rechnet man mal zwei und zählt mindestens 10 dazu. Daraus erhält man die notwendige Wartezeit. Das heisst in der Praxis also, dass man eine 40-Liter-Kuh ungefähr drei Monate nach dem Kalben spülen kann».

Bild: www.zweiaufreisen.com

Kriterien bei Rindern

  • Gesundes Tier
  • Gute körperliche Entwicklung
  • Deutliche Brunstsymptome
  • Regelmässige Brunstzyklen, mindestens zwei mit 21 Tagen
  • Abgeschlossene Pubertät
  • Funktionsfähige Eierstöcke

So geht’s bei Swissgenetics

Experte Rainer empfiehlt:

«Kann ein Betrieb zwischen mehreren gleichwertigen Tieren für eine Spülung auswählen, empfehle ich, das mit dem höchsten genomischen Fruchtbarkeits-Index zu nehmen. Nach meinem Gefühl hat man bei solchen Tieren bessere Chancen auf Embryonen».

Bild: wissgenetics / bfr

Voruntersuchung

Die Embryotransfer-Tierärzte untersuchen eine Spenderin sorgfältig, bevor gestartet wird. Sie machen eine allgemeine und eine spezielle gynäkologische Untersuchung. Insbesondere die Funktion der Eierstöcke und die Gesundheit der Gebärmutter wird geprüft. Nur gesunde Tiere kommen als Spenderin in Frage.

So geht’s bei Swissgenetics

Rainer erklärt den Ablauf:

«Wenn ein Tier zur Spülung angemeldet ist, fahren wir auf den Betrieb und schauen es uns persönlich an. Dann können wir eine gewisse Prognose über einen möglichen Spülerfolg machen. Wir untersuchen die Spenderin dazu mit Ultraschall».

Deutlicher Gelbkörper

Bild: Swissgenetics

Ein funktionsfähiger Gelbkörper, der Progesteron bildet, ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Superovulation. Er kann manuell ertastet oder im Ultraschallbild dargestellt werden. 

Anzahl Follikel

Bild: Swissgenetics

Ein Ultraschallgerät kann bereits kleine Follikel auf den Eierstöcken sichtbar machen. Diese Bläschen können bei der Superovulations-Behandlung stimuliert werden. Etwas pauschal gilt: Je mehr Bläschen, umso besser könnte der Spülerfolg sein.

Gesunde Gebärmutter

Bild: Swissgenetics

Eine zurückgebildete, gesunde Gebärmutter ist wichtig fürs Überleben der Spermien und somit die Befruchtung der Eizellen. Sonst hat man manchmal zwar viele, aber nur unbefruchtete Eizellen. Man muss eine Gebärmutterentzündung ausschliessen.

Bild: Swissgenetics / jbg

Vorbereitung Spenderkuh

Die hormonelle Stimulierung erfolgt heute in der Regel mit einem Präparat, das FSH enthält. Es wird der Spenderin über mehrere Tage verabreicht. Schliesslich wird die Brunst mit Prostaglandin (Dreitagesspritze) induziert.

So geht’s bei Swissgenetics

Rainer erklärt die praktische Handhabung:

«Wenn sich der Züchter nach dem Untersuch für die Spülung seines Tiers entscheidet, geben wir ihm die speziellen Hormone mit der genauen Dosierung ab».

Bild: www.zweiaufreisen.com

Brunst und Besamung

Die Brunst superovulierter Kühe ist meist deutlich sichtbar. Sie werden normal besamt.
Der Samen wird am üblichen Ort in der Gebärmutter abgesetzt. Oft nimmt man allerdings mehrere Dosen, um die Befruchtungschancen zu erhöhen.

So geht’s bei Swissgenetics

Rainer empfiehlt dieses Vorgehen:

«Für eine gute Befruchtungsquote sollte in der Brunst nach der Superovulation mehrmals besamt werden:
Mit konventionellen Dosen zwei bis drei Besamungen im Abstand von 12 Stunden und bei gesextem Samen mindestens drei Besamungen mit insgesamt fünf Dosen».

Bild: Swissgenetics / bfr

Embryonengewinnung an Tag 7

Sieben Tage nach der Brunst werden die Embryonen aus der Gebärmutter der Spenderin ausgespült

So geht’s bei Swissgenetics

Rainer berichtet:

«Wir spülen immer am 7. Tag nach der Brunst. Dann ist nämlich die Wahrscheinlichkeit für brauchbare Embryonen am höchsten. Man muss warten, bis die Embryonen in der Gebärmutter angekommen sind».

Entwicklungsstadien der Embryonen

Eizellen

Bild: Prof Dr. S. Kölle, University College Dublin

Die Eizellen werden im Anfangsbereich des Eileiters befruchtet. Er transportiert sie aktiv über fünf bis sechs Tage zur Gebärmutter.

Morula

Bild: Swissgenetics

Nach sechs bis sieben Tagen haben sich die Zellen der Embryonen schon mehrfach geteilt. Sie sind jetzt bis zur Gebärmutter transportiert worden.

Blastozyste

Bild: Swissgenetics

Im Blastozysten-Stadium beginnen sich die Zellen des Embryos zu organisieren. Noch umhüllt sie die Zona pellucida, die sie seit der Befruchtung umgibt. Sie ist ein Schutz für den Embryo.

Geschlüpfte Blastozyste

Bild: Swissgenetics

An Tag 8 oder 9 schlüpfen die Embryonen aus dieser Schutzhülle. In diesem Stadium entwickeln sie sich sehr schnell weiter und werden empfindlich. Sie sollten daher schon vorher gespült werden. 

Bild: Swissgenetics / jbg

Embryospülung

Für die Spülung führt der Tierarzt oder die Tierärztin einen speziellen Katheter in beide Hörner der Gebärmutter ein. Dieser wird dort mit einer Art Luftballon fixiert.
Der Bereich vor diesem Ballon wird mit Flüssigkeit gespült.

So geht’s bei Swissgenetics

Rainer zum Ablauf der Spülung:

«Wir bringen sechs Mal pro Seite Spülmedium in die Gebärmutter ein. Dann massiert man das Organ sanft und saugt die Flüssigkeit wieder ab. Diese läuft anschliessend durch einen Filter, so dass am Ende 20 bis 30 Milliliter übrigbleiben. Die Gebärmutter wird zum Schluss mit Jodlösung gespült, um Infektionen oder eine Trächtigkeit zu verhindern, falls man nicht alle Embryonen erwischt hat».

Absaugen des Cervikalschleims

Bild: Swissgenetics / swy

Einführen des Spülkatheters

Bild: Swissgenetics / swy

Blocken des Ballons

Bild: Swissgenetics / mfl

Spülen des Gebärmutterhorns

Bild: Swissgenetics / mfl

Rückgewinnung der Flüssigkeit

Bild: Swissgenetics / swy

Seitenwechsel

Bild: Swissgenetics

Filtern der Spülflüssigkeit

Bild: Swissgenetics / bfr

Spülung mit Jodlösung

Bild: Swissgenetics / mfl
Bild: Swissgenetics / mfl

Suche der Embryonen

Die Embryonen haben einen Durchmesser von rund einem Zehntelmillimeter. Sie müssen unter einem Mikroskop gesucht und gefunden werden. Die ET-Teams haben deshalb ein mobiles Labor dabei.

So geht’s bei Swissgenetics

Rainer erzählt:

«Die Spülflüssigkeit aus dem Filter nehmen wir mit ins Labor, das wir zuvor in der Küche oder einem anderen sauberen Raum auf dem Betrieb aufgebaut haben. Hier suchen wir die Embryonen unter dem Mikroskop».

Leeren des Filters

Bild: Swissgenetics / swy

Spülen des Filters

Bild: Swissgenetics / bfr

Suche unter dem Mikroskop

Bild: Swissgenetics / bfr

Umsetzen der Embryonen

Bild: Swissgenetics

Qualitätsbestimmung

Bild: Swissgenetics

Abfüllen in Pailletten

Bild: Swissgenetics

Verschluss Paillette

Bild: Swissgenetics

Beschriftung Paillette

Bild: Swissgenetics
Bild: Swissgenetics / bfr

Frischtransfers oder Einfrieren der Embryonen


Die Embryonen werden einzeln in Pailletten aufgezogen. Mit diesen können sie entweder sofort auf Empfängertiere übertragen oder eingefroren werden. Zum Übertragen auf die Empfängertiere werden die Pailletten in Embryotransfergeräte, die etwas länger sind als Besamungsgeräte, eingesetzt.

So geht’s bei Swissgenetics

Rainer erklärt:

«Es kommt darauf an, wie viele Empfängertiere am Tag der Spülung auf dem Betrieb zur Verfügung stehen. Sie werden am selben Tag noch für Frischtransfers genutzt. Die restlichen Embryonen frieren wir ein».

Bild: Swissgenetics / tmo

Synchronisierte Empfängertiere

Empfängertiere müssen immer zyklussynchron zu den Embryonen sein. Das heisst: Sie sollten am Tag der Spülung sieben Tage nach ihrer Brunst sein. Meist synchronisiert man dazu ihren Brunstzyklus. 

So geht’s bei Swissgenetics

Rainer sagt:

«Embryonen schlechterer Qualität, die man in fast jeder Spülung hat, überträgt man besser sofort frisch auf Empfänger. So hat man auch mit ihnen noch respektable Trächtigkeitsraten. Ich empfehle jedem Betrieb drei bis fünf Empfängertiere pro Spülung bereit zu stellen."

Bild: Swissgenetics

Einfrieren der Embryonen

Embryonen guter Qualität lassen sich problemlos einfrieren. Man kann danach mit ihnen handeln oder sie zu einem späteren Zeitpunkt auf dem eigenen Betrieb übertragen. Sie können im selben Stickstoffcontainer wie Samendosen gelagert werden.

So geht’s bei Swissgenetics

Rainer fasst zusammen:

«Die Spülung der Spenderin dauert rund eine halbe und die Arbeit im Labor ca. 1,5 Stunden. Dann muss man fürs Einfrieren und die Transfers auf die Empfängertiere noch einmal 30 Minuten rechnen - also alles in allem sind wir 2,5 bis 3 Stunden auf einem Betrieb für eine Embryospülung».