Geburtsbeginn
Den voraussichtlichen Geburtstermin eines Kalbs zu kennen, ist eine Voraussetzung, seinen Start ins Leben und den Beginn der Laktation der Kuh gut vorzubereiten. Doch wie kommt es dazu, dass eine Geburt beginnt und wann fängt sie an?
Hormonkaskade
Der Geburtsbeginn wird durch eine Hormonkaskade in Gang gesetzt. Sie startet, wenn das Kalb das Stresshormon Cortisol ausschüttet. Seine Nebennierenrinde produziert dieses Hormon auf "Befehl" des Gehirns.
Körperliche Reife
Für diese Hormonausschüttung muss das Kalb zum einen reif genug sein, damit sein Hirn und seine Nebennierenrinde Cortisol produzieren kann.
Stressreize
Zum anderen braucht das Kalb Stressreize, damit es Cortisol ausschüttet. Diese sind:
- der enger werdende Platz in der Gebärmutter
- die knapper werdende Versorgung für den wachsenden Organismus
Kuhsignale zum Geburtsbeginn
Am Ende der Hormonkaskade steigt der Östrogenspiegel (Brunsthormon) der Kuh. Weshalb sich der Körper des hochtragenden Tiers verändert. Typische Anzeichen für eine kurz bevorstehende Geburt sind:
Aufeutern
Eingefallene Beckenbänder
Weiche Schwanzspitze
Wassereinlagerung in der Scham
Häufiger Gebrauch der Kuhbürste
Unruhe
Rückgang Futteraufnahme und Wiederkauen
Breitbeiniger Gang und abgehaltener Schwanz
Ablösung der Eihäute
Gleichzeitig lockert sich in der Gebärmutter die Verbindung der Eihäute mit der Schleimhaut. Eine wichtige Voraussetzung, damit die Nachgeburt später ausgestossen werden kann.
Der Einfluss der Rasse
Allerdings gibt es verschiedene Einflussfaktoren, die den Geburtstermin verschieben können. Der Offensichtlichste ist der Rasseunterschied, der in der Trächtigkeitsdauer ca. 9 Tage ausmachen kann.
Rasse des Kalbs
Beobachtungen aus dem Embryotransfer zeigen, dass es insbesondere auf die Rasse des Kalbs ankommt, weniger auf die des Muttertiers. Etwas pauschal lässt sich sagen, dass leichtere, milchbetonte Kälber weniger lange ausgetragen werden als Kälber von grobknochigeren Mastrassen.
Jersey
281 Tage
Holstein
282 Tage
Red Holstein
284 Tage
Eringer
284 Tage
Swiss Fleckvieh
286 Tage
Braunvieh
290 Tage
Simmentaler
290 Tage
Limousin
290 Tage
Einfluss des Geschlechts
Stierkälber
Sind wohl unempfindlicher gegen Stress und werden deshalb später geboren.
Kuhkälber
Sind wohl empfindlicher gegen Stress und kommen daher früher zur Welt.
Einflussfaktor: Stress
Alle äusseren Einflüsse, die der Mutter Stress verursachen, lassen sowohl ihren eigenen Cortisolwert als auch den des Kalbs steigen. Bekannt ist, dass zum Beispiel diese Faktoren die Trächtigkeit verkürzen oder abbrechen können.
Hitzestress
Krankheit der Mutter
Transport hochtragendes Tier
Neue Herde
Zwillingsträchtigkeit
Wenn bei Zwillingen die Versorgung und der Platz in der Gebärmutter knapp werden, kommen sie früher zur Welt. Liegen beide Kälber auf derselben Seite, wird es schneller eng.
Weniger Platz bei Rindern
Da der Bauchraum und die Gebärmutter bei Rindern in der Regel enger sind als bei Kühen, haben ihre Kälber schneller Platznot. Die Trächtigkeitsdauer ist daher oft kürzer.
Trächtigkeitsdauer und Überlebenschancen
Sowohl Frühgeburten als auch Kälber, die deutlich «über die Zeit gehen», haben schlechtere Überlebenschancen.
Vor dem 270. Trächtigkeitstag
Kälber vor dem 270. Trächtigkeitstag gelten als Frühgeburt. Sie sind oft noch unreif. Ihre Sterblichkeit ist daher höher.
Nach dem 290. Trächtigkeitstag
Vor allem bei Erstkalbenden von Milchrassen steigt das Risiko für eine Schwergeburt, wenn die Trächtigkeit deutlich länger als 290 Tage dauert und das Geburtsgewicht steigt.
Sonderfall: IVP-Kälber
Die Erfahrung zeigt, dass Kälber aus IVP nach dem errechneten Termin noch einmal deutlich an Gewicht zulegen. Die Empfehlung lautet daher, die Geburt bei ihnen rechtzeitig einzuleiten.
Checkliste – Trächtigkeitsdauer
Die Trächtigkeitsdauer beim Rind liegt je nach Rasse, Stress und Umwelt bei 280–290 Tagen; eine Checkliste unterstützt die Planung des Geburtstermins.
Ablösung der Eihäute
In den letzten Tagen der Trächtigkeit beginnen die Eihäute des Kalbs ihre Verbindung zur Gebärmutter-Schleimhaut zu lockern und sich dort abzulösen.
Geburtsvorbereitung
Eine gute Geburtsvorbereitung umfasst angepasste Fütterung, Management in der Spätlaktation und Transitphase sowie die Schaffung hygienischer und sozialer Bedingungen für Muttertiere.
Empfängertiermanagement
Optimales Empfängermanagement für erfolgreiche Embryonenübertragung und gesunde Kalbsgenerationen.
In Vitro Produktion (IVP) von Embryonen
Die In-vitro-Produktion von Rinderembryonen braucht präzise Abläufe und Laborbedingungen. Mit ihr lässt sich wertvolle Genetik effizienter nutzen.
Zwillinge
Zwillingsträchtigkeiten bei Kühen entstehen meist durch Doppelovulationen und werden von Leistung, Alter und Genetik beeinflusst; sie erhöhen Risiken für Kuh und Kalb.
