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In Vitro Produktion (IVP) von Embryonen
Reproduktionstechniken|30.10.2025

In Vitro Produktion (IVP) von Embryonen

Die in vitro Produktion von Embryonen (IVP)

Die Befruchtung von Eizellen unter dem Mikroskop und die nachfolgende Kultivierung der Embryonen im Brutschrank erfordern genaues und sauberes Arbeiten.

Bild: Swissgenetics / swy

Optiline macht Lieblingskühe

  • Durchschnittlich rund 4 Embryonen
  • Trächtigkeitsraten von 60 %
  • Kälber mit hohem Marktpotenzial
  • Verkürzung des Generationenintervalls
  • Funktioniert mit gesextem Samen (seleXYon)

Begriffserklärungen

Die einzelnen Arbeitsschritte in diesem Prozess werden international mit ähnlichen, aber doch unterschiedlichen englischen Abkürzungen bezeichnet. Das stiftet manchmal Verwirrung in der Kommunikation.

Übersicht Bezeichnungen und Abkürzungen der einzelnen Arbeitsschritte bei der IVP

TätigkeitEnglische BezeichnungAbkürzung
Eizellentnahme vom Eierstock der SpenderinOvum Pick UpOPU
Reifung der Eizellen im ReifemediumIn vitro maturationIVM
Befruchtung der Eizellen unter dem MikroskopIn vitro fertilisationIVF
Pflege der frühen Embryonen im BrutschrankIn vitro cultureIVC
Gesamtprozess der Embryoproduktion im LaborIn vitro productionIVP
Bild: Swissgenetics / fwl

OPU

Die Eizellen werden mit einer feinen Nadel unter Ultraschallkontrolle von den Eierstöcken der Spenderin aspiriert.

So geht’s bei Swissgenetics

Dr. Iulian Ibanescu, Tierarzt und Embryo-Spezialist, sagt:

«Wir gewinnen die Eizellen von den Spenderinnen auf der Embryotransfer-Station in Ins BE. Dabei arbeiten wir wie im gesamten Prozess nach den Vorgaben und Empfehlungen unseres Partners Boviteq».

Bild: Swissgenetics / swy

Eizellqualität

Bei der Aspiration müssen die Eizellen und insbesondere ihre wolkenförmig angeordneten Versorgungszellen (Cumuluszellen) unversehrt intakt bleiben.

So geht’s bei Swissgenetics

Iulian erklärt den Ablauf im Anschluss an die Eizellgewinnung:

«Wir sortieren die Eizellen noch in Ins sofort nach ihrer Qualität. Degenerierte Zellen nehmen wir schnellstmöglich heraus, da sie einen negativen Einfluss auf die guten Eizellen haben und deren Chancen auf Weiterentwicklung schmälern».

Suche unter dem Mikroskop

Bild: Swissgenetics / lvt

Die Eizellen werden direkt im Anschluss nach der Entnahme unter dem Mikroskop gesucht. 

Visuelle Qualitätskontrolle

Bild: Swissgenetics / swy

Ein Qualitätsmerkmal ist der erhaltene intakte Cumulus aus Versorgungszellen um die Eizelle. 

Wiederfindungsrate

Bild: Swissgenetics / lvt

Der Vergleich der Anzahl der punktierten Follikel am Tier mit den unter dem Mikroskop gefundenen Eizellen dient als Kontrollpunkt.

Schutz der Brauchbaren

Bild: Swissgenetics / fwl

Degenerierte Eizellen oder solche mit beschädigtem Cumulus müssen möglichst schnell aussortiert werden. 

Ins Reifemedium

Bild: Swissgenetics / swy

Die Eizellen guter Qualität werden in ein Transport- und Reifemedium umgesetzt (In vitro Maturation). 

Transport ins IVP-Labor

Bild: Swissgenetics / swy

Bei 38°C halten sich die Eizellen im Transportmedium problemlos 24 Stunden. Sie sie reifen dort, um danach befruchtet werden zu können.

Bild: Swissgenetics / swy

Voraussetzungen für Erfolg in der IVF

Für die Befruchtung im Labor braucht es sorgsames Arbeiten, einen strukturierten, geregelten Ablauf, standardisierte Bedingungen und viel Knowhow.

So geht’s bei Swissgenetics

Iulian erklärt die Planung:

«Da wir immer mittwochs in Ins punktieren, geht es jeweils an einem Donnerstag in Mülligen weiter. Dann müssen wir die frischen Eizellen befruchten und am selben Tag auch noch die Embryonen aus der Vorwoche in Pailletten aufziehen und einfrieren».

Bild: Swissgenetics / swy

Bedingungen im IVF-Labor

Wichtig für eine erfolgreiche Embryoproduktion sind auch die Umweltbedingungen im Labor. Denn Eizellen sind sehr licht- und temperaturempfindlich.

Dunkelheit

So geht’s bei Swissgenetics

«Unsere Labore sind dunkel. Die einzige Lichtquelle sind die Beleuchtung des Mikroskops und ein zusätzliches, kleines Lämpchen, damit man nicht im Labor herumstolpert».

Wärme

So geht’s bei Swissgenetics

«Das IVF-Labor in Mülligen und auch das kleine Labor in Ins sind konstant auf sommerliche 29°C gewärmt». 

Saubere, trockene Luft

So geht’s bei Swissgenetics

«In Mülligen haben wir eine hochkomplexe Lüftungsanlage. Sie wechselt die Luft 15-mal pro Stunde, filtriert und reinigt diese. Die Luftfeuchtigkeit im Labor muss extrem nieder sein».

Keimfreiheit

So geht’s bei Swissgenetics

«Wir tragen Mundschutz und langärmlige Labormäntel – und waschen gefühlt 100mal am Tag die Hände. Ausserdem ist im Labor ein Fussboden verlegt, der sich nicht statisch auflädt.». 

Ablauf der IVF

Vorbereitung der Medien

Bild: Swissgenetics / swy

Eizellen aus dem Reifemedium

Bild: Swissgenetics / iib

Waschen der gereiften Eizellen

Bild: Swissgenetics / swy

Eizellen ins Fertilisationsmedium

Bild: Swissgenetics / swy

Auftauen der Samendose

Bild: Swissgenetics / swy

Aufbereitung der Spermien

Bild: Swissgenetics / swy

Spermienzentrifuge

Bild: Swissgenetics / swy

Samenanalyse

Bild: Swissgenetics / swy

Detetektion der vitalen Spermien

Bild: Swissgenetics / swy

Entnahme der vitalen Spermien

Bild: Swissgenetics / swy

Spermien zu den Eizellen

Bild: Swissgenetics / swy

Spermien und Eizellen

Bild: Swissgenetics / swy
Bild: D. Savary

Flexible Anpaarungen

In jeder Punktionsrunde können grundsätzlich verschiedene Stiere flexibel eingesetzt werden.

Auch die Befruchtung mit gesextem Sperma ist möglich.

So geht’s bei Swissgenetics

Iulian bremst ein wenig:

«Der Züchter kann momentan zwei Stiere zur Befruchtung der Eizellen aus einer OPU-Sitzung auswählen - wenn wir mindestens 18 Eizellen zur Verfügung haben. Sind es weniger, dann arbeiten wir nur mit einem Stier. Ist der gewünschte Samen nicht bei Swissgenetics verfügbar, muss der Züchter ihn zum IVF-Labor bringen». 

Bild: Swissgenetics / jbg

Spermienreifung

Nur ausgereifte Spermien können die Eizelle befruchten. Diese «Kapazitation» geschieht normalerweise im Eileiter der Kuh. Im Labor werden die Verhältnisse dort simuliert. Interessant: Jeder Stier braucht andere Bedingungen, damit seine Samenzellen jeweils am besten befruchten. 

So geht’s bei Swissgenetics

Iulian erklärt, wie das Team in Mülligen profitiert:

«Unser Partner Boviteq hat eine grosse Datenbank angelegt, welcher Stier unter welchen Verhältissen am besten funktioniert. Dort können wir jeweils nachschauen und die passenden Voraussetzungen schaffen. So wird nichts dem Zufall überlassen – zumindest nicht bei Stieren, die international eingesetzt werden».

Bild: Swissgenetics / swy

Ab in den Brutschrank…

Eizellen und Spermien werden dann in einen Brutschrank gestellt. Die empfindlichen Zellen brauchen kontrollierte Bedingungen, damit es zur Befruchtung kommt.

So geht’s bei Swissgenetics

Iulian berichtet:

«Auch bei den Verhältnissen, die im Brustschrank herrschen müssen - der Temperatur, der Gasmischung, dem Verhältnis von Sauerstoff und CO2 usw. – richten wir uns strikt nach den Vorgaben aus Kanada».

Bild: Swissgenetics / swy

Am nächsten Tag – Tag + 1

Nach rund einem Tag werden die Eizellen in eine neue Kulturlösung umgesetzt. Dabei werden die Cumuluszellen, die die Eizelle bereits auf dem Eierstock umhüllt haben, sowie die überschüssigen Spermien entfernt. Man simuliert auch damit die natürlichen Bedingungen.

So geht’s bei Swissgenetics

Iulian eklärt:

«Dieser Arbeitsschritt ist sehr wichtig: Absterbende Cumuluszellen oder tote Spermien haben einen negativen Einfluss auf den jungen Embryo und schädigen diesen stark».

Bild: Swissgenetics / swy

Tag + 4

Nach vier Tagen erkennt man, ob sich die befruchteten Zellen während der letzten Tage geteilt haben oder nicht. Diejenigen, in denen keine Zellteilung stattgefunden hat, kann man aussortieren.

So geht’s bei Swissgenetics

Iulian sagt:
«In unserem Arbeitsablauf kontrollieren wir montags die Zellteilung. Falls es nicht funktioniert hat und sie übers Wochenende nicht stattgefunden hat, sieht man das zu diesem Zeitpunkt. Ob man aus einer Punktion wirklich Embryonen bekommt, kann man allerdings erst am Mittwoch beurteilen».

Bild: Swissgenetics / swy

Nach einer Woche – Tag + 7

Eine Woche nach der Befruchtung und vielen Zellteilungen erreichen die Embryonen das Blastozysten-Stadium. Rinderembryonen aus IVF werden in diesem Entwicklungsstadium eingefroren. 

So geht’s bei Swissgenetics

Iulian erklärt:

«Auch Embryonen, die sich in den ersten Tagen teilen, können später immer noch absterben oder in der Entwicklung zurückbleiben. Das definitive Ergebnis des Versuchs, das wir dann auch dem Züchter mitteilen können, haben wir erst am Donnerstag – eine Woche nach der Befruchtung».

Unsere Empfehlung

«Zellteilung in der frühen Embryonalentwicklung» bedeutet eigentlich was?  Ein Zeitraffer-Video der ETH-Zürich zeigt es Dir. Am Ende dieses Videos schlüpft die Blastozyste schliesslich aus ihrer Hülle. Im IVP-Labor werden die Embryonen allerdings bereits vorher eingefroren oder übertragen.  

Bild: Swissgenetics

Einfrieren oder übertragen

Wie Embryonen aus konventioneller Embryogewinnung können IVP-Embryonen können in flüssigem Stickstoff gelagert und später auf ein passendes Empfängertier übertragen werden.  Wenn Empfängerinnen bereit stehen, können IVP-Embryonen -wie die konventionellen auch- frisch übertragen werden.

So geht’s bei Swissgenetics

Iulian bedauert:

«Momentan haben wir noch nicht die Möglichkeit, Embryonen frisch zu übertragen. Das ist ein Manko, aber zurzeit organisatorisch nicht zu lösen. Wir hätten gerne mehr Spielraum mit Embryonen von weniger guter Qualität, die das Einfrieren schlechter wegstecken. Wir suchen momentan eine Lösung!

Bild: www.zweiaufreisen.com

Vorteile der IVP zur Embryoproduktion

Pro Zeiteinheit können mehr interessante Anpaarungen mit einer Spenderin durchgeführt werden. Man kann die IVP daher als «effizienter» als die konventionelle Embryogewinnung durch Spülen bezeichnen.

So geht’s bei Swissgenetics

Dr. Ulrich Witschi, Bereichsleiter Produktion erklärt:

«Das Interesse von Swissgenetics begründet sich klar durch die Genetikentwicklung. Hier ist die in vitro-Fertilisation deutlich flexibler. Es können schneller mehr Embryonen erzeugt und der Hormoneinsatz gesenkt werden. Wertvolle weibliche Tiere können breiter genutzt werden».

Unsere Empfehlung

Boviteq, die kanadische Partnerorganisation von Swissgenetics, ist weltweit führend in der Produktion von IVP-Embryonen.

Hier gibt es Antworten auf häufig gestellte Fragen zur In vitro Produktion: