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6-Felder-Grafik in der Milchleistungsprüfung
Herdenkontrolle|12.11.2025

6-Felder-Grafik in der Milchleistungsprüfung

Die 6-Felder-Grafik vom Quotienten Fett:Eiweiss (FEQ) und Harnstoff

Seit März 2023 ist in der Schweiz ein neues Bewertungsschema für die Fütterungskontrolle über die MLP-Daten in Gebrauch. Wir erklären Dir, wie es angewendet wird.

Bild: www.zweiaufreisen.com

Neue Grafik mit sechs Feldern

Zentrale Neuerung ist eine Grafik mit sechs Feldern, auf der der FEQ und der Harnstoffwert jeder geprüften Kuh dargestellt ist. Sie zeigt dir, wie gut deine Tiere energetisch versorgt sind und ob die Eiweissversorgung ihres Pansens ausgewogen ist. Der FEQ ist dabei ein Parameter, der unabhängig von der Milchleistung der Kuh beurteilt werden kann. 

Bild: Swissgenetics

FEQ und schlechte Energieversorgung

Kühe, die viel Fett aber wenig Eiweiss in der Milch haben, haben ein weites Fett-Eiweiss-Verhältnis oder einen hohen Fett:Eiweiss-Quotienten.

Höher als 1.4 zeigt er in der Startphase, dass die Energieversorgung im Pansen und somit auch diejenige der Kuh ungenügend sein könnte. Sie baut deshalb Körperfett ab. Werte kleiner oder gleich 1.4 (1.53 bei Jersey, 1.3 bei Montbelliard) deuten dagegen auf eine gute Energieversorgung hin.

Bild: Swissgenetics

FEQ und Pansengesundheit

Bezüglich der Strukturversorgung wurde in neuen Untersuchungen gezeigt, dass die tatsächliche Aussagekraft eines niedrigen FEQs diesbezüglich gering ist. Im neuen MLP-Bewertungsschema wird die Strukturversorgung daher nur noch über einen leistungsabhängigen Grenzwert beim Fettgehalt beurteilt. 

Bild: Swissgenetics

Harnstoffgehalt und schlechte Proteinversorgung

Ein Harnstoffgehalt von weniger als 15 mg/dl weist auf einen Mangel an Rohprotein, resp. an pansenabbaubarem Protein (APDN) hin. Weil das Protein für die Pansenmikroben limitiert ist, können sie ihr Wachstumspotential nicht voll ausschöpfen. Der maximal mögliche Futterverzehr und die optimale Futterverwertung werden nicht voll erreicht.

Bild: Swissgenetics

Harnstoffgehalt und zu gute Proteinversorgung

Ein hoher Harnstoffgehalte in der Milch (> 27 mg/dl) zeigt an, dass im Pansen deutlich mehr Ammoniak anfällt als die Pansenmikroben aufnehmen und der eigenen Proteinsynthese zuführen können. Das kann zwei Gründe haben: Entweder gibt es im Pansen zu viel pansenlösliches Protein (APDN) – der häufigste Grund – oder zu wenig pansenverfügbare Energie (APDE). 

Bild: Swissgenetics

Ergebnisse der Milchleistungsprüfung

Die Ergebnisse der Milchleistungsprüfung in der Schweiz sind jetzt in einer 6-Felder-Grafik abgebildet.

Achtung bei der Interpretation
Die Werte des FEQ sind hier umgekehrt dargestellt wie bisher – die hohen FEQs sind neu unten in der Grafik und nicht wie früher oben abgebildet.

Bild: www.zweiaufreisen.com

FEQ hoch

Kühe, die in der unteren Hälfte der 6 Felder-Tafel abgebildet sind, haben eine Verdacht auf eine Stoffwechselstörung. Der Grenzwert liegt bei 1,4 (Aussnahme bei Jersey-Kühen: 1.5, Montbelliard: 1.3).
Es müssen für eine Bewertung aber zusätzlich die Buchstaben oder bzw. die farblichen Markierungen beachtet werden.

Bild: Swissgenetics

FEQ tief

Kühe, die in der oberen Hälfte der 6 Felder-Tafel abgebildet sind, haben eine genügende Energieversorgung und keinen Verdacht auf eine Stoffwechselstörung. Der Grenzwert liegt bei 1,4 (Aussnahme bei Jersey-Kühen: 1.5, Montbelliard: 1.3). Es müssen für eine Bewertung aber zusätzlich die Buchstaben S oder bzw. die farblichen Markierungen beachtet werden.

Bild: Swissgenetics

Harnstoff tief

Kühe, die im linken Drittel (unter 15) der 6 Felder-Tafel abgebildet sind, sind mit Rohprotein untervesorgt.

Bild: Swissgenetics

Harnstoff im optimalen Bereich

Kühe, die im mittleren Drittel (zwischen 15 und 27) auf der 6-Felder-Tafel abgebildet sind, sind optimal mit Rohprotein versorgt.

Bild: Swissgenetics

Harnstoff hoch

Kühe, die im rechten Drittel (über 27) auf der 6-Felder-Tafel abgebildet sind, sind mit Rohprotein überversorgt.

Bild: Swissgenetics

Gefährdete Tiere

Stoffwechselgefährdete Tiere werden ausserdem mit Buchstaben (K, E, S, F) im Prüfbericht und in der 6-Felder-Tafel gekennzeichnet (in den Internetanwendungen der Zuchtverbände sind sie zum Teil auch farblich markiert).

Bild: Swissgenetics

Kontrolle durch den Züchter

Du musst Deine als auffällig markierten Tiere (K, E, S, F) unbedingt im Stall kontrollieren:

Bild: Swissgenetics

Tiere mit K, was tun?

K = Ketoseverdacht bei Kühen bis 100 Tage in Milch. Sie erhalten ein K, wenn der FEQ über 1.4 liegt und gleichzeitig das Milcheiweiss über bzw. der Fettgehalt unter leistungsabhängigen Grenzwerten liegen).

Praxis-Tipp

  • Überwache Deine Startphasekühe regelmässig (wöchentlich) mit einem Ketosetest.
  • Beurteile die Körperkondition der verdächtigen Tiere.
  • Überprüfe die Ration mit dem Futterplan – passe sie gegebenenfalls der Milchleistung an.
  • Prüfe den Ablauf Deiner Fütterung und setze verzehrsfördernde Massnahmen um.    
Bild: www.zweiaufreisen.com

Tiere mit E, was tun?

E = Energiemangel bei Kühen 100 bis 200 Tage in Milch. Sie erhalten ein E, wenn der FEQ über 1.4 liegt.

Praxis-Tipp

  • Überwache Deine Startphasekühe regelmässig (wöchentlich) mit einem Ketosetest.
  • Beurteile die Körperkondition der verdächtigen Tiere.
  • Überprüfe die Ration mit dem Futterplan – passe sie gegebenenfalls der Milchleistung an.
  • Prüfe den Ablauf Deiner Fütterung und setze verzehrsfördernde Massnahmen um.  
Bild: Swissgenetics

Tiere mit S, was tun?

S = Strukturmangel. Die Kühe erhalten ein S aufgrund unterhalb eines leistungsabhängigen Fettgehalt-Grenzwerte, nicht wegen des FEQs.

Praxis-Tipp

  • Überprüfe die Fett- und Eiweissgehalte. Wahrscheinlich sind sie beide tief.
  • Überprüfe die Pansenfunktion und insbesondere das Wiederkauverhalten Deiner Kühe, sie sollten mit mindestens 56 Kauschlägen pro Bissen wiederkäuen.
  • Wasche ausserdem den Kot der Kühe aus und überprüfe den Verdauungsgrad.
  • Überwache Deine Startphasekühe regelmässig (wöchentlich) mit einem Ketosetest.
  • Prüfe den Ablauf Deiner Fütterung und setze verzehrsfördernde Massnahmen um.   
Bild: Swissgenetics

Tiere mit F, was tun?

F = Verfettungsgefahr. Kühe ab 200 Tage in Milch erhalten ein F, wenn ihr Eiweissgehalt oberhalb eines leistungsabhängigen Grenzwerts liegt.

Praxis-Tipp

  • Überwache die Körperkondition aller Kühe regelmässig mit BCS (Body Condition Score), denn die Fettreserven werden schleichend angelegt und fallen Dir sonst zu spät auf.
  • Reduziere die Ergänzungsfütterung (Kraftfutter) rechtzeitig.
  • Senke die Nährstoffdichte der Ration, reduziere energie- und proteinreiche Grundfuttermittel ( z.B. Futterrüben; Maissilagen, Grassilagen, Emd ...). Verdünne die Ration mit mittlerem Heu.
  • Vergleiche die Ration bezüglich Ausgeglichenheit und Leistungsniveau mit Deinem Futterplan.

Gründe für die Umstellung des Systems

Die Daten des bisherigen Bewertungssystems stammen alle aus den 1980er Jahren. In wissenschaftlichen Untersuchungen ergaben sich jedoch Hinweise, dass viele Kühe mit den alten Wertebereichen falsch beurteilt wurden. Die Leistungsabhängigkeit mancher Parameter war nicht berücksichtigt. Die neuen Empfehlungen wurden mit grossen Datensätzen in Deutschland und in der Schweiz validiert.

Bild: Swissgenetics / lvt

Unsere Empfehlung

Für die Schweiz gibt es bei der AGRIDEA ein Merkblatt, das die Grundlagen und Anwendung der neuen MLP erklärt: "Die neue Milchleistungsprüfung – Hintergrund, Interpretation und Managementanpassungen".