Frischgekalbte Kühe überwachen
Die Kühe geben uns verschiedene Signale, ob es ihnen gut geht und ob sie die Geburt gut überstanden haben – oder eben nicht. Deshalb ist gleich nach dem Abkalben genaues Hinsehen gefragt.
Ein Auge für kranke Kühe?
Manche Tierhalter sehen sofort und ohne besonderes Zutun, dass eine Kuh kränkelt. Auch unauffällige Krankheitsanzeichen fallen ihnen gleich auf – denn sie haben besondere „Antennen“ dafür.
Zeit nehmen
Andere Landwirte müssen sich dagegen aktiv zu einer Tierbeobachtung entschliessen, sich Zeit nehmen und auf Krankheitsanzeichen ihrer Kühe bewusst achten.
Kranke Kühe erkennen und handeln
Die genaue Tierbeobachtung rechnet sich schnell: Bereits bei der ersten schleichend erkrankten Kuh, die Du erkennst und die Du behandelst bzw. behandeln lässt, bevor sie offensichtlich krank ist.
Frischmelker sind anfällig
Kühe gleich nach der Geburt sind die heikelsten in der ganzen Herde: Sie sind besonders krankheitsanfällig. Denn verschiedene Stressfaktoren schwächen die Kühe und ihr Immunsystem nach dem Abkalben:
- Geburtsstress
- körperliche Anstrengung
- Schmerzen
- gebremster Futterverzehr ums Abkalben
- Leberbelastung durch die Stoffwechselumstellung
- Veränderter Kalziumstoffwechsel bei einsetzender Milchproduktion
Das Normalverhalten kennen
Damit auffällt, wenn etwas nicht stimmt, musst Du Dir immer das Normalverhalten gesunder Tiere vor Augen führen. Wie verhält sich eine fitte Kuh, direkt nachdem sie ein Kalb geboren hat – welche Signale gibt sie Dir?
Die fitte Kuh steht auf
Die fitte Kuh steht direkt nach dem Abkalben auf und kümmert sich um ihr Kalb. Erstkalbskühe dürfen etwas länger liegen bleiben, um sich zu erholen.
Die fitte Kuh leckt ihr Kalb
Sie schleckt das Kalb intensiv ab, um die Eihäute zu entfernen, das Fell zu trocknen und sein Herz-Kreislauf-System sowie die Atmung zu stimulieren.
Die fitte Kuh hat ein volles Euter
Das Trockenlecken des Kalbs löst über die „Mutterschaftshormone“ Prolaktin und Oxytocin bei der Kuh den Milcheinschuss und den Abgang der Nachgeburt aus.
Die fitte Kuh ohne Nachgeburt
Spätestens 6 – 12 Stunden nach der Geburt ist die Nachgeburt abgegangen. Der vollständige Abgang ist wichtig für die Versäuberung und Rückbildung der Gebärmutter.
Die fitte Kuh trinkt viel Wasser
Da die Kuh bei der Geburt viel Flüssigkeit, Mineralstoffe und Blut verliert, hat sie im Normalfall hinterher starken Durst – und trinkt mindestens 40 Liter lauwarmes Wasser.
Die fitte Kuh beginnt zu fressen
Eine gesunde Kuh beginnt bald wieder zu fressen. Du erleichterst ihr die Entscheidung „Fressen oder Kalb“, wenn Du das Kalb in einer Starterbox in ihrem Fressbereich unterbringst.
Die fitte Kuh käut wieder
Eine ausreichende Futteraufnahme zeigt sich in einer guten Pansenfüllung. Hat eine Kuh gut gefressen und käut wieder, sind das beste Voraussetzungen für eine gesunde Laktation.
Die fitte Kuh frisst Nachgeburt
Viele Kühe, die sich (z.B. in einer Abkalbebox oder auf der Weide) frei bewegen können, fressen instinktiv die Nachgeburt.
Nur wenn Deine frischgekalbte Kuh alle diese Punkte erfüllt, ist sie fit und kann in eine ungestörte Laktation durchstarten. Ansonsten musst Du unbedingt nachgehen, was mit ihr nicht stimmt!
Ist die Nachgeburt weg?
Dass sich die Nachgeburt nach der Geburt rasch ablöst ist in zweierlei Hinsicht wichtig: Zum einen ist dies eine Grundvoraussetzung für eine ungestörten Start in die Laktation. Zum anderen ist ein Nachgeburtsverhalten immer als ein absolutes Alarmsignal zu werten, das nicht nur eine tierärztliche Behandlung, sondern auch weitere Analyse braucht: Was lief/läuft schief? Bist Du Dir nicht sicher, ob die Nachgeburt wirklich weg ist? Dann muss kontrolliert werden, ob sich im Genitaltrakt der Kuh noch Eihäute befinden – Warte nicht damit bis die Kuh wegen der gammligen Überreste stinkt!
Temperaturkontrolle
Du solltest Dich nicht nur auf „Dein Auge“ verlassen, um festzustellen, ob Deine frischgekalbte Kuh fit ist oder nicht. Die Kontrolle der Körpertemperatur ist die einfachste objektive Messung. Jede Abweichung von der Normaltemperatur ca. zwölf Stunden nach der Geburt muss einen Alarm auslösen: Sowohl eine erhöhte Körpertemperatur (> 39.5°C = Fieber) als auch eine zu tiefe (< 38.0°C = Untertemperatur). Am besten kontrollierst du die Temperatur über die ersten zehn Tage nach der Geburt einmal täglich.
Leise Anzeichen für beginnendes Milchfieber
Milchfieber (Hypokalzämie) ist die häufigste „Berufskrankheit“ der Kühe. Bevor die Muskulatur wegen des Kalziummangels versagt und die Kuh nicht mehr stehen kann, gibt es früher leise Anzeichen. Erkennst Du diese, heisst es: „Dringend eingreifen!“ – Es ist höchste Zeit zu handeln z.B. durch die orale Eingabe von Kalzium, und Schlimmeres wie ein Festliegen der Kuh zu verhindern.
Bei schleichendem oder beginnendem Milchfieber wird die Kuh kalt
Die Kuh mit Milchfieber hat kalte Ohren
Die Ohren einer Milchfieber-Kuh sind kalt, denn der Körper zentralisiert den Kreislauf. Ein schneller Griff dorthin sagt schon viel.
Die Kuh mit Milchfieber fühlt sich kühl an
Streicht man der verdächtigen Kuh mit der Hand über den Rücken, fühlt sie sich auch ihre Hautoberfläche kühl an.
Die Kuh mit Milchfieber ist an den Beinen kalt
Vor allem in Richtung Beine ist sie auffallend kälter als normal. Bist du nicht sicher? Vergleiche mit einer Nachbarkuh.
Die Kuh mit Milchfieber hat Untertemperatur
Mit den Händen lässt sich die Untertemperatur nur erahnen –mit dem Fieberthermometer 100 %ig feststellen. Kontrolliere im Verdachtsfall.
Bei schleichendem oder beginnendem Milchfieber gibt es weitere frühe Anzeichen
Die Kuh mit Milchfieber hat schwache Wehen
Erste Hinweise auf ein beginnendes Milchfieber sind oft schon unter der Geburt schwache Wehen. Die Geburt läuft nur schleppend und die Kuh presst nicht mit voller Kraft.
Die Kuh mit Milchfieber hat trockenen Kot
Ein dunkler, an der Oberfläche abgetrockneter Kot zeigt, dass die Darmpassage wegen des fehlenden Kalziums verzögert ist.
Die Kuh mit Milchfieber hat eingefallene Augen
Eine kranke Kuh stellt schon bald das Trinken ein. Als Zeichen beginnender Austrocknung sinken ihre Augäpfel dann in die Augenhöhlen ein – wie bei Durchfallkälbern.
Die Kuh mit Milchfieber frisst schlecht
Die eingefallene Hungergrube in der linken Flanke zeigt einen leeren Pansen an: Diese Kuh hat nur wenig oder nichts gefressen.
Bei schleichendem oder beginnendem Milchfieber können Kühe noch stehen, fühlen sich aber wackelig und unsicher
Die Kuh mit Milchfieber liegt manchmal nicht ab
Manche Kühe mit schleichendem Milchfieber stehen mehr als üblich. Sie trauen sich nicht abzuliegen, aus Angst nicht mehr aufzukommen.
Die Kuh mit Milchfieber liegt mehr
Häufiger jedoch liegen kranke Kühe mehr als gewöhnlich und separieren sich (wenn möglich) von der Herde, um Konflikten und Streitereien aus dem Weg zu gehen.
Die Kuh mit Milchfieber bleibt an derselben Stelle
Eine verdächtige Kuh am Rücken auffällig farbig zu markieren, kann die Tierbeobachtung erleichtern: Es fällt schneller auf, wenn sie immer in derselben Liegeboxen liegen bleibt.
Die Kuh mit Milchfieber steht nur widerwillig auf
Auch wenn sie noch nicht festliegt, stehen Kühe mit schleichendem Milchfieber nur widerwillig auf. Oft müssen sie aufgetrieben werden.
Nachgeburtsverhalten wegen Milchfieber
Ist nach einem halben Tag die Nachgeburt nicht abgegangen, kann auch das ein Zeichen für schleichendes Milchfieber sein: Wenn die Gebärmutter keine Kraft bzw. nicht mehr genügend Kalzium zur Verfügung hat, um sie auszupressen. Ein typischer Verlauf: Abends fällt das Nachgeburtsverhalten auf, am nächsten Morgen liegt die Kuh fest und kann nicht mehr stehen.
Festliegen wegen Milchfieber
Verpasst Du die leisen Anzeichen des beginnenden Milchfiebers oder ist der Verlauf schnell und heftig, kommt die Kuh zum Festliegen. Sie kann nicht mehr aufstehen. Du hast einen Notfall im Stall!
Kühe leiden leise
Viele Kühe haben nach einer Geburt Schmerzen – ganz konkret zum Beispiel nach einer Schwergeburt oder wenn die Nachgeburt nicht abgeht. Als Beutetiere versuchen Kühe ihre Schmerzen aber immer zu verbergen. Sie schreien nie vor Schmerz sondern zeigen nur stumme Symptome.
Ihr Gesicht zeigt, wenn eine Kuh leidet
Es braucht eine aufmerksame Beobachtung der Tiere, damit Du wahrnimmst, dass sie eigentlich stumm leiden. Ihr Gesichtsausdruck und ihre Körperhaltung verraten Dir dabei viel.
Leerer Blick
Der Blick einer kranken Kuh oder einer Kuh mit Schmerzen geht ins Leere. Sie scheint in sich hineinzuhören.
Hautfalten über dem Oberlid
Hautfalten oberhalb der Nasenlöcher und über dem oberen Augenlid sind ein Teil des „Schmerzgesichts“.
Geöffnete Nasenlöcher
Die Nasenlöcher sind bei Schmerzen weit geöffnet. Die Haut hat auch an den Nasenflügeln der Kuh wegen der gespannten Gesichtsmuskulatur leichte Falten.
Hängende Ohren
Die Ohren einer Kuh, die sich nicht wohlfühlt, sind nach hinten gestellt oder hängen nach unten. Sie sind nicht aufmerksam gestellt. Die Kuh hat kein Ohrenspiel.
Die Körperhaltung zeigt Schmerzen im Beckenbereich
Bei Schmerzen im Becken einer frischabgekalbten Kuh z.B. nach einer Schwergeburt oder bei Nachgeburtsverhalten, ändert die sie ihre Körperhaltung.
Aufgekrümmter Rücken
Eine Kuh mit Schmerzen im Becken oder Bauch geht mit klammem oder breitbeinigem Gang, zieht den Bauch auf und krümmt dabei den Rücken nach oben.
Schlagender Schwanz
Die Kuh schlägt ihren Schwanz gegen die schmerzende Stelle. Anders als zur Fliegenabwehr bewegt sie ihn eher schlängelnd in Richtung Schmerz.
Pressdrang
Schmerzen im Becken rufen einen Pressdrang hervor. Deshalb stellt die Kuh ihren Schwanz ab – je nach Stärke nur ganz leicht bis zu waagrecht. Dazu presst sie manchmal mit dem ganzen Bauch.
Zögerliches Aufstehen
Steht eine frischabgekalbte Kuh nur zögerlich auf, muss man sich immer fragen: Kann sie nicht schneller (z.B. wegen Milchfieber) oder will sie nicht, weil sie Schmerzen spürt?
Zähne knirschen
Bei starken Schmerzen knirschen Kühe hörbar mit den Zähnen. Manchmal stöhnen oder brummen die Kühe noch zusätzlich. Mehr Schmerzlaute machen sie aber nicht. Dass sie nicht vor Schmerzen brüllen, bedeutet aber keinesfalls, dass Kühe keine Schmerzen spüren!
Tierarzt zur Linderung der Schmerzen
Eine tierärztliche Behandlung der Ursache und der Schmerzen kann der Kuh schnell Linderung verschaffen. Nur so wird sie wieder ausreichend fressen und ihre Milchleistung bringen.
Vier Minuten für einen guten Start
Auch in den folgenden Tagen und den ersten Wochen nach der Geburt, musst Du Deine Startphasen-Kühe gut im Auge behalten. Mit der genauen täglichen Beobachtung, Analyse und Erfassung von fünf Parametern kannst Du wesentlich zu einem guten Laktationsstart beitragen. Das Prozedere braucht ca. vier Minuten pro frischgekalbte Kuh am Tag.
Körperhaltung, Rückenlinie und Gang
Wie geht und steht die Kuh? Kühe mit aufgekrümmter Rückenlinie und sichtbarer Lahmheiten untersuchen (lassen) und rasch behandeln (lassen)
rektale Körpertemperatur
Wie hoch ist die Körpertemperatur der Kuh? Fieber ist jetzt Zeichen für eine akute Gebärmutter- oder Euterentzündung.
vaginaler Ausfluss
Wie riecht der "Ausputz"? Wie sieht er aus? Eiterflocken im Vaginalsekret, trüber oder stinkender Ausfluss sind Symptome einer akuten Gebärmutterentzündung.
Schalmtest aller Viertel
Weicht ein oder mehrere Viertel im Ergebnis des Schalmtests deutlich von den anderen ab? Dann ist eine Mastitis im Anmarsch! Ein gleichmässig höherer Zellgehalt im Kolostrum ist dagegen normal.
Pansenfüllung
Wie deutlich ist die Hungergrube? Es sollte maximal eine leichte Hautfalte vom Hüfthöcker senkrecht nach unten ziehen. Sonst frisst die Kuh zu wenig.
Dokumentation
Notiere Dir Deine Befunde. Dann weisst Du auch morgen, übermorgen und später wenn die Kuh wieder besamt werden soll immer noch, was heute war.
Eutergesundheit testen
Der Schalmtest ist ein zuverlässiges Werkzeug zur Beurteilung der Eutergesundheit und Erkennung subklinischer Mastitis bei Milchkühen.
Kalziumpräparate zum Eingeben
Kalziumpräparate über das Maul sind eine bewährte Prophylaxe gegen Milchfieber bei Kühen, wobei die richtige Anwendung und Dosierung entscheidend sind.
Dem Milchfieber vorbeugen
Eine ausgewogene Ernährung, rechtzeitige Kalziumpräparate und Berücksichtigung von Risikofaktoren wie Galt- und Jahreszeit sind entscheidend zur Vorbeugung von Milchfieber bei Kühen.
Pansenmonitoring
Optimale Pansenfunktion bei Kühen: Regelmäßiges Monitoring, pH-Wert-Kontrolle und Wiederkauverhalten sind entscheidend für Gesundheit und Milchleistung.
