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Kuhsignal – Mortellaro / Erdbeerkrankheit (Dermatitis digitalis)
Klauengesundheit|26.09.2025

Kuhsignal – Mortellaro / Erdbeerkrankheit (Dermatitis digitalis)

Bildbeschreibung und Interpretation

Die Kuh steht im Klauenstand und die rechte Hintergliedmasse ist nach hinten sicher fixiert. Die funktionelle Klauenpflege wurde durchgeführt und die Ballenregion grob gereinigt.

Am Übergang von der Haut zum Ballenhorn der äusseren Klaue sind zwei rundliche Wunden mit weisslich erhobenem Rand sichtbar. Die Hautdefekte haben eine leuchtendrote Farbe und höckerige Oberfläche. Die Haare um die Läsion sind länger als üblich. Die gesamte Haut des Fusses ist gerötet.

Diese akute Entzündung ist deutlich schmerzhaft auf Berührung und stinkt faulig. Die Kuh ist deutlich lahm.

Ursachen

Dies ist das typische Bild einer akuten Dermatitis digitalis (DD, Erdbeerkrankheit, Mortellaro). Die Dermatitis digitalis ist eine multifaktorielle Erkrankung der Haut am unteren Fuss mit Beteiligung von Bakterien (v.a. Treponema spp.). Verschiedene Risikofaktoren begünstigen das Auftreten von Mortellaro.

Auf Betriebsebene

  • das Stehen im Kot-Harn Gemisch (je seltener gemistet wird umso schlechter)
  • schlechte Bodenbeschaffenheit (zu starker Klauenabrieb durch rauen Boden, matschige Stellen auf der Weide)
  • häufiger Tierverkehr (Zugänge in die Herde, Alpung, Ausstellungen)  
  • ein Mangel bei Klauenpflege (weniger als 2x/Jahr, unsachgemäss durchgeführt, nicht desinfiziertes Werkzeug)
  • eine ungenügende externe Biosicherheit (z.B. Zutritt betriebsfremder Personen mit schmutzigen Schuhen)

Auf Kuhebene

  • die genetische bedingte Immunkompetenz
  • Faktoren, die die Immunabwehr reduzieren (Stress, Abkalben, hohe Milchleistung, Hitze)

Ziel

Am Einzeltier ist das Ziel die konsequente Therapie, welche zur klinischen Heilung der Läsion führt. Auf Herdenebene das Auftreten von akuten Ausbrüchen langfristig reduzieren.  

Massnahmen

Betroffene Tiere bedürfen einer sofortigen Behandlung im Klauenstand. Nach der funktionellen Klauenpflege und gründlichen Reinigung mit Wasser die Läsion trocknen (Papiertücher und/oder Fön). Danach erfolgt eine lokale Behandlung mittels desinfizierender Paste und ein Verband. Der Verbandswechsel sollte alle 7 Tage bis zur Abheilung erfolgen. Ein standardisiertes Behandlungsschema inkl. Dokumentation des Erfolgs wird dringend empfohlen und hilft den Überblick zu behalten.

Wie bei allen Faktorenkrankheiten müssen als Prävention möglichst viele Risikofaktoren beseitigt werden (Stallhygiene, Klauenpflege). Auf Herdenebene können zudem korrekt angewendete Klauenbäder mit umweltfreundlichen Lösungen das Geschehen positiv beeinflussen.