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Arbeitsunfälle beim Besamen vermeiden
Arbeitssicherheit|11.12.2025

Arbeitsunfälle beim Besamen vermeiden

Damit beim Besamen nichts passiert

Besamerinnen und Besamer müssen sich in etwa alle 15 Minuten auf wechselnde Gegebenheiten an einem neuen Arbeitsplatz einstellen.

Sibylle Mellema (TORO 06/21)

Ein neuer Hof, ein anderes Tier, unterschiedliche Stolperfallen und verschiedene Lichtverhältnisse: Die wechselnden Arbeitsbedingungen fordern den Besamungsdienst. Wie sicher seine vielfältigen Arbeitsorte sind, hängt stark von Ihnen als Betriebsleiter/-in der besuchten Ställe ab.

Mit fremden Augen sehen

Im Gegensatz zu betriebsfremden Besuchern kennen Sie die potenziellen Gefahrenstellen auf Ihrem Hof aus dem Effeff. Sie finden auch im Dunkeln unfallfrei den Weg zu Ihren Kühen. Sie wissen, wo die kritischen Stellen im Stall sind, an denen man sich stossen könnte, und welches Rind besonders nervös ist. Ihre Besamungstechniker/-innen haben das nicht intus, auch wenn sie regelmässig auf Ihren Betrieb kommen. Sie verunglücken an solchen neuralgischen Orten schnell – vor allem wenn diese schlecht markiert, nicht beleuchtet, rutschig oder im Winter vereist sind. Als Betriebsleiter/-in sind Sie dann mitverantwortlich. Unfälle verhindern Sie, wenn Sie überlegen, ob und wo der Hof für Besucher wie Besamungsdienst und Tierarzt gefährlich ist: Wie verläuft der Weg vom Auto zum Tier? Ist es rutschig? Hat es im Winter Eisplatten vor dem Stall? Muss man über Zäune oder das Fressgitter klettern? Sind alle Hindernisse gut markiert oder muss man einfach wissen, wo man sich ducken sollte und wo man leicht stolpern kann? Braucht es vielleicht nur mehr Licht oder eine zusätzliche Lampe mit Bewegungsmelder?

Der Weg vom Auto zum Tier sollte immer rutschfrei und gut begehbar sein.
Bild: Swissgenetics

Ein sturmer Kopf ist schnell passiert

Besamungstechniker Alex berichtet: «Ich komme seit Jahren auf einen Betrieb, wo die Milchleitung recht tief hängt. Ich weiss das und es ist normalerweise kein Problem. Aber einmal war ich in Gedanken und bin voll dagegen geknallt. Zum Glück ist die Leitung gepolstert. Einen sturmen Kopf hatte ich trotzdem. Danach hat der Landwirt die Stelle zusätzlich markiert.»

Die niedrige Milchleitung ist in diesem Stall deutlich markiert und gut gepolstert.
Bild: Swissgenetics / sme

Mitunter reagieren Tiere unerwartet

Ein anderer Arbeitstag ist für Alex nicht so glimpflich ausgegangen. «Die Kuh stand angebunden auf dem erhöhten Läger. Sie schien ruhig und war kooperativ. Leider sprang sie während der Besamung ohne ersichtlichen Grund zur Seite. Sie hatte zu viel Platz», erzählt er. Weil sein Arm immer noch im Mastdarm der Kuh war, riss es Alex wortwörtlich von den Schuhen. Er stürzte. Die Folge: eine Bänderzerrung. Wie seine Kolleginnen und Kollegen ist auch Alex bezüglich Arbeitssicherheit und dem Umgang mit Rindern geschult. Dank seiner Erfahrung hat er auch einen sechsten Sinn, gefährliche Situationen rechtzeitig zu erkennen. Leider reicht das nicht immer. Wäre dieser Unfall vermeidbar gewesen? Vielleicht …

Gute Vorbereitung schützt

«Eine 100 % sichere Besamung gibt es nicht», weiss Alex, «bei Tieren muss man immer mit allem rechnen. Auch die friedlichste Kuh hat mal einen schlechten Tag.» Aufmerksame Betriebsleiter können allerdings mit einfachen Mitteln viel dazu beitragen, dass sein Job sicherer ausgeführt werden kann. Das gilt insbesondere für die Vorbereitung der Kuh, nachdem sie zur Besamung angemeldet wurde. Wie und wo sie fixiert wird, hat einen grossen Einfluss auf die Arbeitssicherheit des Besamers. Als Herdentiere bleiben Kühe nicht gerne alleine im Stall. Sind sie einzeln angebunden, reagieren sie oft nervös. Vor allem wenn eine fremde Person den Stall betritt. Aber auch die uneingeschränkte Anwesenheit der Herde ist für den Besamungsdienst schwierig. Kühe in Freilaufställen sind oft neugierig und können unangenehm aufdringlich werden, was die Besamung stört. «Wenn es der Stall zulässt, ist es am sichersten, die Kuh für die Besamung aus der Herde zu nehmen, aber in Sichtweite zu dieser zu lassen», sagt der Besamer. «Die Besamung selbst geht am leichtesten, wenn das Tier seitlich wenig Platz hat und nicht ausweichen kann.» Am besten stellt man es zwischen zwei andere Tiere ins Fressgitter oder bindet es zwischen den Trennbügeln in der Liegeboxe an. Dann kann es unter der Besamung seitlich nicht wegspringen.

Das Rind steht zwischen der Abschrankung und einer Kuh. Es kann seitlich nicht weichen.
Bild: D. Savary

Auf sich allein gestellt?

Eine geübte Hilfsperson kann während der Besamung die Bewegungsfreiheit der Kuh oder des Rindes ebenfalls einschränken. Dies gilt besonders in Anbindeställen mit grosszügigen Platzverhältnissen. Legt die Person dabei den Schwanz der Kuh über deren Rücken und hält ihn fest, verhindert sie zudem schmerzhafte Schwanzschläge ins Gesicht der Besamerin oder des Besamers. Oft passieren Unfälle beim Besamen, wenn niemand vom Betrieb da und der Besamungsdienst auf sich selbst gestellt ist. «Wenn der Kunde weiss, dass die Kuh, die ich besamen soll, heikel ist, kann er mir und ihr das Leben sehr erleichtern, wenn er bei der Besamung dabei ist», sagt Alex, «bei Tieren, die bekanntermassen ‹flinke Hinterbeine› haben, kann er zusätzlich ein Seil zwischen die Liegeboxenbügel spannen, um die Situation zu sichern. So kann man ein Ausschlagen nach hinten verhindern.» Praxiserfahrungen zeigen übrigens, dass Besamungen, bei denen eine zweite Person die Kuh fixiert, einen höheren Trächtigkeitserfolg haben. Der Stress für Kuh und Besamungsdienst ist deutlich geringer, was sich positiv auswirkt.

Der Helfer verhindert Seitwärtsbewegungen und Schwanzschläge der Kuh.
Bild: D. Savary
Das Seil zwischen den Trennbügeln fixiert das Tier nach hinten und hindert am Ausschlagen.
Bild: R. Müller

Sicherheit geht vor

«Sehr scheue, extensiv gehaltene Rinder oder Mutterkühe nimmt man am leichtesten in einen Behandlungsstand», empfiehlt Alex, «das geht oft schneller, als sie mit viel Aufwand mehr schlecht als recht irgendwo anzubinden – um dann doch noch von ihnen geschlagen zu werden.» Zwei Mal in seiner Karriere musste er eine Besamung aus Sicherheitsgründen abbrechen. Er war alleine im Stall, die Kuh gebärdete sich wie wild und es war einfach zu gefährlich. Er informierte die Betriebsleiter daraufhin telefonisch und vereinbarte einen zweiten Versuch. In beiden Fällen besamte er das Tier erfolgreich im Behandlungsstand.

Fazit und Danke für Ihre Mithilfe

Die Statistik zeigt, dass der Besamungsdienst am häufigsten im Umgang mit den Tieren verunfallt. Eine Kuh für eine Besamung sicher vorzubereiten, ist für den Betrieb allerdings erst einmal ein Mehraufwand. Diesen zu betreiben, lohnt sich aber: Die Unfallgefahr für alle ist deutlich reduziert und der Besamungserfolg höher. An zweiter Stelle der Unfallstatistik rangieren Verletzungen durch Stürze − meist auf dem Weg vom Auto zur Kuh. Auf vielen Betrieben gäbe es hier Verbesserungspotenzial: zusätzliches Licht, offensichtliche Markierungen oder bessere Polster.

Ihre Besamerin und Ihr Besamer danken Ihnen für Ihre Mithilfe und Umsicht.

So kann der BT sicher arbeitenSo wird es schnell gefährlich
Hindernisse sind gut markiert Düsterer Weg zum Tier
Tier ist sicher angebunden Tier muss noch gefangen werden
Ganze Herde im Fanggitter fixiert Freilaufende, neugierige Herde
Tier mit Sichtkontakt zur Herde Tier allein im Stall
Vertraute, sichere Hilfsperson Nervöse, unsichere Hilfsperson
Warnhinweis vor «Schlägerinnen» Kein Hinweis auf heikles Tier
Tier steht seitlich begrenzt Tier hat viel Bewegungsfreiheit
Tier ist im Behandlungsstand Scheues Tier in Schlagdistanz

Der Besamungsdienst sagt "Danke"

Der Swissgenetics Besamungsdienst dankt allen Kunden für die Unterstützung, damit eine Besamung zügig, gefahrlos und erfolgreich durchgeführt werden kann.