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Schnelligkeit beim Besamen
Samenübertragung|31.12.2025

Schnelligkeit beim Besamen

Fix, fix sonst wird das nix

Stimmt das Gerücht: Je schneller besamt wird, umso besser?

Jutta Berger (TORO 02/23)

Die Faktoren «Zeit» und «Schnelligkeit» sind immer wieder Grundlagen für verschiedene Theorien rund um die Besamung: Nur eine zügige Besamung sei eine gute Besamung. Manche Nebenstehende werden schon nervös, wenn es manchmal etwas länger dauert, bis der oder die Besamende den Samen platzieren kann.

Ist die Geschwindigkeit tatsächlich ein Erfolgsfaktor beim Besamen?
Bild: D. Savary

Gerüchteküche

Der frischgebackene, vollmotivierte Eigenbestandsbesamer Remo steht hinter seiner Kuh. Während er versucht, das Besamungsgerät einzufädeln, merkt er, dass Besamen im Ernstfall doch nicht so einfach ist, wie es bei geübten Besamern manchmal aussieht. Sein Vater steht nebenan, hält den Schwanz der Kuh und wird allmählich ungeduldig. Schon leicht angespannt meint er zu Remo: «Sonst geht das ja schon irgendwie  schneller…», «Das wird ja sicher nichts, wenn man sooo lange braucht wie du…» und «Je länger eine  Besamung dauert, umso schlechter ist das Ergebnis». Ist die Geschwindigkeit tatsächlich ein Erfolgsfaktor beim Besamen?

Hmmmm…

Ist Geschwindigkeit wirklich ein Erfolgsfaktor für eine Besamung? An welchen Stellen im Besamungsablauf ist es tatsächlich angezeigt, schnell und zügig zu arbeiten – bei welchen Arbeitsschritten zählt jedoch eher die Genauigkeit und das Tempo spielt eine untergeordnete Rolle? Wir lesen nach …

Beim Auftauen

Tiefgefrorener Samen ist ein fragiles Produkt. Das betont auch ein Review-Artikel aus dem Jahr 20181, der die Ergebnisse von unterschiedlichen wissenschaftlichen Arbeiten zusammenfasst. Deshalb sei es besonders wichtig, dass Samen sehr schnell aufgetaut werde. Nur so könne man Schäden an den Samenzellen verhindern. Es sei darum wichtig, dass Samendosen, die aus dem flüssigen Stickstoff entnommen werden, blitzartig in ein warmes Wasserbad getaucht werden. Je schneller, umso besser – vor allem bei kalter Umgebungstemperatur müsse man hier unbedingt zügig arbeiten und das Samenröhrchen nicht unnötig lang der kühlen Luft aussetzen.


Im Wasserbad

Ab dem Zeitpunkt, wenn das Samenröhrchen ins Wasserbad eingetaucht wird, spielt der Faktor «Geschwindigkeit» allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Die interne «Checkliste Samenhandling» von Swissgenetics sieht vor, dass die Samendose mindestens 25 Sekunden im 38°C warmen Wasser bleiben muss. Nach oben ist die Zeit im Wasserbad mit maximal vier Stunden begrenzt. Das macht sich der Besamungsdienst zunutze, wenn eine Besamung auf einem Betrieb ansteht, der nicht mit dem Auto, dem Motorrad oder dem Geländewagen angefahren werden kann. Für diese wird die gewünschte Samendose am Besamerauto in eine Thermoskanne mit warmem Wasser gegeben und im Rucksack bis zur Kuh getragen – per Ski, per Seilbahn oder per Wanderschuh (je nach Witterung und Umständen …).

Der aufgetaute Samen

Ist der Samen aufgetaut und wird aus dem warmen Wasser herausgenommen, muss er zügig ins Besamungsgerät gesteckt werden. Denn die Samenzellen dürfen keinesfalls wieder abkühlen. Das würde sie stark schädigen. Da das Verhältnis von ihrer Oberfläche zu ihrem Volumen bei einer Samendose recht ungünstig ist, kann das vor allem im Winter schnell passieren. Trotzdem darf der gesamte Prozess nicht hektisch werden – sonst leidet die korrekte Arbeitsweise. Wichtiger ist, dass das geladene Besamungsgerät körpernah warmgehalten und so bis zur Kuh gebracht wird.

Die Besamung

Ist das Besamungsgerät in den Geschlechtsapparat der Kuh eingeführt, spielt die Geschwindigkeit wieder eine untergeordnete Rolle. Denn der Samen wird jetzt ja sicher auf Körpertemperatur gehalten – also hätte man jetzt rein in der Theorie vier Stunden Zeit für die Übertragung … Viel, viel wichtiger als der Faktor Geschwindigkeit ist hierbei die Sorgfalt, mit der gearbeitet wird, und die exakte Platzierung des Samens hinter dem inneren Muttermund in der Gebärmutter der Kuh. Das stellt auch die genannte Studie1 fest.


1 M.G. Diskin (2018): Review: Semen handling, time of insemination and insemination technique in cattle, Animal, Volume 12, Supplement 1, S. 75–84


Der Besamungsdienst sagt "Danke"

Der Swissgenetics Besamungsdienst dankt allen Kunden für ihre Unterstützung und Geduld, damit eine Besamung zügig, gefahrlos und erfolgreich durchgeführt werden kann.