Insektenbekämpfung im Frühling
Insektenbekämpfung beginnt bereits Ende des Winters bzw. im Frühling. Fliegen, Bremsen, Mücken und Zecken können Rinder im Stall und auf der Weide enorm belästigen und so Leistungseinbussen verursachen.
Dr. Ines Smole (TORO 04/12)
Der Frühling weckt viele Lästlinge, die aus ihrer Winterruhe erwachen. Jetzt ist es Zeit, prophylaktisch gegen sie vorzugehen.
Fliegen und Bremsen sind nicht nur lästig
Ununterbrochenes Schwanzschlagen, Hautzucken und Kopfschütteln. Fliegende Quälgeister sind ausgesprochen lästig und gönnen ihren Opfern keine Pause. Die Folgen sind fatal: Allein durch die allgemeine Unruhe und die Abwehrbewegungen können Milchleistung und Gewichtszunahme der Tiere um 10 bis 50 % sinken! Wenn 100 Stechfliegen oder Bremsen bis zu 20-mal pro Tag Blut saugen, kann dies einen Blutverlust von bis zu 3dl pro Tag bedeuten. Auf offene Wunden oder Körperöffnungen wie die Augen haben es Schmeissfliegen abgesehen, die hier ihre Eier ablegen. Die geschlüpften Maden fressen sich durch das umliegende gesunde Gewebe. Wird ein «Madenfrass» nicht frühzeitig erkannt und mit geeigneten Insektiziden (z.B. Phosphorsäureester oder Pyrethroide) behandelt, kann dies zum Verlust des Tieres führen. Es erleidet durch die Stoffwechselprodukte der Parasiten einen allergischen Schock oder wird schlicht bei lebendigem Leib aufgefressen.
Insektenbekämpfung schützt daher nicht nur vor Leistungseinbussen, sondern auch vor der Verbreitung verschiedener Krankheiten innerhalb ihrer Herde. Auf dem Markt befinden sich verschiedene Produkte, um einer massiven Fliegenplage Herr zu werden, z.B. Pour-on-Präparate für die Weidefliegenbekämpfung, Frass- und Kontaktgifte gegen erwachsene Stallfliegen sowie Streu- und Aufgusspräparate, die Fliegenmaden z.B. im Kälbermist abtöten.
Durch Fliegen übertragene oder verursachte Krankheiten
| Krankheit | Hauptsymptome |
| Sommermastitis | eitrige Mastitis mit Abszessbildung |
| Hornhautentzündung | Entzündung der Augenbinde- und -Hornhaut |
| E.coli-Infektion | Starker Durchfall, Vergiftungssymptome |
| IBR | Atemwegserkrankung |
| Wurmbefall | Abmagerung, geringere Leistung, Durchfall |
| Rinderflechte | Hauterkrankung, Mykose (Pilzinfektion) |
| Madenfrass | Fliegenmadenbefall einer Wunde, der Augen oder einer Körperöffnung |
| Dassellarvenbefall | Dasselbeulen |
Dassellarven wandern durch den Wirbelkanal
Besonders gefährlich ist der Befall mit den Larven der Dasselfliege. Sie legt ihre Eier im Sommer an den Vorderbeinen weidender Rinder ab. Die sich daraus entwickelnden Larven werden abgeleckt und wandern anschliessend in die Speiseröhrenwand ein. Von hier aus wandern die Larven mehrere Monate via Zwerchfell, Rückenmuskulatur und den Wirbelkanal in die Rückenhaut. Dort häuten sie sich zweimal und schlüpfen anschliessend. Von aussen sieht man zwischen Mitte Januar bis Ende Juni die sogenannten Dasselbeulen. Tiere mit Dasselbeulen dürfen nicht gesömmert werden, da die Dasselkrankheit als zu bekämpfende Tierseuche gilt. Verdachtsfälle müssen vom Landwirt an den Bestandestierarzt gemeldet werden. Während der Wanderphase von Dezember bis März sollten Dassellarven nicht behandelt werden, da man sonst riskiert, sie im Wirbelkanal abzutöten. Lähmungserscheinungen beim befallenen Rind wären die Folge.
Gnitzen und Kriebelmücken stechen zu
Mücken sind für ihre Entwicklung auf Gewässer angewiesen (Tümpel, nasse Stellen bei der Tränke, Bach durch die Weide). Die bevorzugten Anflugzeiten sind die Vormittags- und späten Nachmittagsstunden von Mitte April bis Oktober. In dieser Zeit wird empfohlen, die Rinder nur nachts weiden zu lassen oder ihnen einen schützenden Unterstand zu bieten. Mückenweibchen saugen Blut, um genügend Energie für die Eiproduktion zu haben. In unseren Breitengraden sind besonders Kriebelmücken (Simuliiden) lästig. Sie konzentrieren ihre Stechattacken auf den Unterbauch, das Euter, den Hodensack oder die Ohrmuscheln der angegriffenen Tiere. Ihr hochgiftiger Speichel kann beim Stich schwere allergische Reaktionen auslösen, die bei einem Massenbefall sogar zum Tod des betroffenen Tieres führen können.
Kriebelmückenschäden lassen sich in 5 Stufen einteilen:
- Belästigung: Rückgang der Milchleistung
- Hautsyndrom: Entzündliche Haut- und Unterhautödeme
- Haut-Schleimhautsyndrom: Entzündliche Prozesse an Scham und Präputium, eitrige Sekundärinfektionen
- Respiratorisches Syndrom: Kehlkopf- und Rachenentzündung, Ödeme im Bereich des Atemtraktes mit erheblichen Atembeschwerden (Erstickungstod)
- Simuliotoxikose: schwere Kreislaufstörungen, Lähmungen und Schocksymptome
Gnitzen sind ebenfalls Krankheitsüberträger. So werden die in letzter Zeit viel diskutierten Virusinfektionen wie die Blauzungenkrankheit oder das Schmallenbergvirus durch Stechmücken übertragen. Es wird vermutet, dass die milder werdenden Winter der letzten Jahre die Überwinterung ursprünglich südeuropäischer Mücken ermöglichen. Dadurch wird die Übertragung solcher «exotischer» Rinderkrankheiten zukünftig wohl zunehmen.
Zecken
Hohes Fieber, Hautverdickungen, lokale Hautentzündungen, Blutarmut, Gewichtsverluste und Entwicklungsstörungen sind nur wenige Symptome eines Zeckenbefalls. Bekannt und gefürchtet ist besonders der Holzbock (Ixodes ricinus), da er beim Saugakt auch Krankheitserreger wie Bakterien (z.B. Borrelien), Viren (z.B. FSME beim Menschen) oder Parasiten (z.B. Babesien «Zeckenfieber») übertragen kann. Diese Zecke ist vor allem am Waldrand von Mischgehölzen oder in dichten Graszonen zu finden. Ihre Aktivität beginnt meist Mitte April, hat einen Höhepunkt im Mai/Juni und kann sich in einem milden Herbst bis Anfang November ausdehnen. Am Rind sind Zecken vor allem am Euter, zwischen den Hinter- und Vorderbeinen und am Kopf zu finden. Die wirksamste Zeckenprophylaxe besteht in der regelmässigen Behandlung aller Weidetiere mit einem Pour-on-Präparat. Wird eine Zecke entdeckt, die sich bereits eingebissen hat, so sollte man sie mit einer feinen Pinzette unter leichter Zugbewegung entfernen. Dabei sollte der Körper nicht gequetscht werden, sondern die Zecke am Kopf (möglichst nahe der Haut) gefasst werden. Von Öl, Feuer oder anderen abenteuerlichen Methoden ist strikt abzuraten! Die Wunde kann anschliessend desinfiziert werden.