Kein Brunstzyklus (Azyklie)
Azyklische Kühe haben auf den Eierstöcken keine Funktionskörper: Es wachsen keine Eibläschen heran und die Kuh kommt nicht in Brunst. Sie hat keinen Zyklus. Oft wartet der Landwirt schon lange, dass die Kuh endlich wieder anläuft.
Was ist normal?
Normal ist dieser Zustand bei Kälbern vor der Pubertät, direkt nach der Geburt, bei Mutterkühen mit saugendem Kalb und im sehr hohen Alter.
Erst mit der Pubertät setzt bei weiblichen Kälbern der Zyklus ein.
Kühe kurz nach der Geburt haben zunächst keinen Zyklus. Eine optimale Fütterung in der Startphase verkürzt oft diese brunstlose Zeit.
Wegen des am Euter saugenden Kalbs schüttet eine Mutterkuh das Hormon Prolaktin aus, das über eine Hormonkaskade ihren Zyklus blockiert.
Sehr, sehr alte Kühe können durchaus auch in die Wechseljahre kommen. Danach läuft kein Zyklus mehr.
Was funktioniert bei azyklischen Kühen nicht?
Hat eine neue Trächtigkeit für einen Organismus keine Priorität, kann er quasi als „Selbstschutz“ den Zyklus blockieren. Zum Beispiel, wenn die Kuh ihre Energieressourcen primär in die Milchproduktion steckt und eine neue Trächtigkeit für ihren Stoffwechsel nur eine zusätzliche Belastung bedeutet. Dann unterbindet das Stoffwechselhormon Leptin, das bei Energiemangel in der Leber gebildet wird, die Hormonproduktion im Sexualzentrum (Hypothalamus). Dadurch wird vermieden, dass der Zyklus überhaupt anläuft. Erst wenn sich die Stoffwechselsituation entspannt, kann der Zyklus wieder starten.
Welche Faktoren begünstigen die Azyklie?
Stress durch ungünstige Haltungsbedingungen oder Krankheit verschärft die Situation häufig. Ein dunkler Stall im Winter begünstigt die Azyklie, da die Stimulation des Hypothalamus durch Licht fehlt.
Wie erkennt man azyklische Kühe?
Azyklische Tiere zeigen über einen langen Zeitraum keine Brunstanzeichen.
Bei einer Untersuchung der Geschlechtsorgane gibt es keine Anzeichen für einen Brunstzyklus.
Die Gebärmutter ist schlaff und ohne Brunstschleim.
Beide Eierstöcke sind klein und funktionslos – ohne Brunstfollikel oder Gelbkörper.
Warnsignale für azyklische Tiere
Wenn Kühe nach dem Abkalben nicht wieder anlaufen, haben sie meist ein Energiedefizit zu Beginn der Laktation.
Die Kühe verlieren Gewicht nach dem Abkalben
Die Kühe fressen schlecht
Die Kühe haben tiefe Eiweiss- und hohe Fettgehalte in der Milch
Die Kühe testen positiv auf «Aceton»
Andere Kühe mit blockiertem Zyklus (Differentialdiagnosen)
Auch Kühe mit Zysten, bleibendem Gelbkörper ohne Trächtigkeit oder Gebärmutterentzündungen kommen oft über lange Zeit nicht in Brunst. Stillbrünstige Kühe haben dagegen einen Zyklus, der auf dem Eierstock läuft, ihre äusserlich erkennbaren Brunstzeichen fehlen aber. Unterscheiden kann dies nur der Tierarzt durch eine Untersuchung der Eierstöcke.
Ziele bei azyklischen Tieren
Den Brunstzyklus sowohl hormonell, auf den Eierstöcken als auch äusserlich sichtbar in Gang bringen, damit die Tiere wieder besamt werden können. Dein Tierarzt kann versuchen mit GnRH oder Progesteron-Präparaten den Zyklus wieder in Gang zu bringen. Dies funktioniert nur, wenn Deine Kuh grundsätzlich gesund ist (keine Stoffwechselstörungen, Gebärmutterentzündungen etc. hat).
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