Besamung

 

Verhalten während der 4 Zyklusphasen über 21 Tage

Vorbrunst (Präöstrus/Proöstrus):
Dauer: ca. 2 Tage

In der Vorbrunst (Präöstrus) kann eine beginnende Unruhe beim Tier beobachtet werden. Zudem geht die Milchmenge ev etwas zurück und im Genitalbereich kommt es zu Schwellungen insbesondere der Schamlippen (Vulvae). Manche Tiere legen den Kopf auf den Rücken von anderen Tieren und halten den Schwanz zur Seite. Es kann Flehmen beobachtet werden. Zunächst wird dickflüssiger, dann zunehmend dünnflüssiger Schleim aus der Scheide abgesondert.
Für eine Besamung ist es jetzt noch zu früh. Aber ab jetzt soll das Tier intensiver beobachtet werden.

Brunst (Östrus):
Dauer: 12-24 Stunden
Die Brunst (Östrus) beginnt mit dem Eintritt in die Pubertät. Sie tritt in regelmässigen Abständen (meist 21 Tage) auf und ist das Zeichen für die Paarungsbereitschaft beim weiblichen Rind. Es besteht ein zeitlicher und funktioneller Zusammenhang mit dem Eisprung (Ovulation).
Die brünstige Kuh ist unruhig und brüllt oft. Sie bespringt Artgenossinnen an Kopf und Rücken und bleibt selber stehen, wenn sie von hinten besprungen wird. Dieses Phänomen heisst Duldungsreflex. Man sagt auch: „die Kuh steht.“ Wenn man ihr auf die Lenden drückt, biegt sie die Lendenwirbelsäule nach unten durch und wehrt sich nicht. Meist geben brünstige Tiere auch etwas weniger Milch.
Von aussen erscheinen ihre Schamlippen (Vulvae) vergrössert und man kann aus der Scheide klaren, spinnbaren Ausfluss beobachten. Am Ende der Hauptbrunst oder anfangs Nachbrunst findet der Eisprung statt (Ovulation). Die Eizelle (Ovum) ist 12-24 Stunden befruchtungsfähig.
Für eine Besamung ist die Morgen-Nachmittag-Morgen-Regel nützlich: Steht die Kuh am Morgen, kann sie am Nachmittag besamt werden. Steht sie am Nachmittag-Abend, kann am nächsten Morgen besamt werden. Die Kuh wird also in der zweiten Brunsthälfte oder sogar zu Beginn der Nachbrunst (Post- oder Metöstrus) besamt!
Eine beobachtete Brunst soll immer aufgeschrieben werden, auch wenn es z.B. noch zu früh nach der Geburt für eine Besamung ist.

Nachbrunst (Met- oder Postöstrus):
Dauer: 1-2 Tage
Die Nachbrunst (Met- oder Postöstrus) ist eine nicht klar abgegrenzte Zeitspanne. Sie reicht vom Zeitpunkt wenn sich das Tier nicht mehr bespringen lässt bis zum Abklingen der sichtbaren äusseren und inneren Brunstsymptome. Das heisst, in der Nachbrunst wird das brünstig gewesene Tier wieder ruhig, es bleibt bei einem Aufsprungversuch von Artgenossinnen nicht mehr stehen.
Die Schwellung an den Schamlippen (Vulvae) geht zurück. Ev kann etwas Blut aus der Scheide (Vagina) beobachtet werden. Man spricht dann vom Abbluten. Dieses Blut stammt aus der Gebärmutter, die in der Brunst verstärkt durchblutet war.
Da der Eisprung (Ovulation) ca. 12 Stunden nach der Hauptbrunst (positiver Duldungsreflex, Bespringen am Kopf, klarer, fadenziehender Schleim aus der Scheide) stattfindet, ist Ende der Hauptbrunst und zu Beginn der Nachbrunst der ideale Zeitpunkt für eine Besamung. Das Eibläschen ist ca. 12-20 Stunden befruchtungsfähig.

Zwischenbrunst (Interöstrus):
Dauer: ca. 15 Tage
In der Zwischenbrunst (Interöstrus / Diöstrus) verhalten sich die Tiere unauffällig. Es kann aber vorkommen, dass sie 2-3 mal innerhalb dieser 15 Tage während einiger Stunden unruhig werden. Einige Tiere zeigen gar richtige Brunstanzeichen mit Aufsprungversuchen und sichtbarem Schleimaustritt aus der Scheide. Wenn die Brunstdaten auf dem Betrieb gut dokumentiert sind, ist ersichtlich, dass eine Besamung zu dieser „Unzeit“ keinen Sinn macht. Trotzdem werden immer wieder Tiere in diesem Zyklusstadium fälschlich besamt. Vorgängige erfolgreiche Besamungen können dadurch zerstört werden, wenn in die Gebärmutter besamt wird (Zerstörung der Fruchtblase).