Bäuerin Ursi ist auf ihrem Familienbetrieb fürs Tränken der Kälber zuständig. Sie erzählt: „ Früher hatten wir Jahre Probleme mit Infektionskrankheiten wie Durchfall und Kälbergrippe zu kämpfen. Wir bekamen die hohe Ansteckungsrate in den Griff, seit jedes Kalb einen eigenen Nuggi hat. Diesen koche ich täglich aus.“ In der Praxis nummeriert sie die Kälber auf einer Liste und ordnet jedem einen ebenso nummerierten Nuggi zu.
Kälber tränken
Die Kälber richtig tränken
Die Kälbertränke ist in den letzten Jahren immer wieder Diskussionsthema: Wieviel, wann, welches Kalb trinken soll oder darf grenzt schon fast an Philosophie. Sicher ist, je mehr Milch ein Kalb auf möglichst viele kleine Portionen aufgeteilt bekommt, umso höher sind seine Tageszunahmen und in den meisten Betrieben auch die Kälbergesundheit.
Ad libitum in der Praxis
Arbeitswirtschaftlich sind diese Vorschläge auf vielen Betrieben nur über einen Tränkeautomat oder über angesäuerte Kalttränke (Joghurtmilch) zu lösen.
Mit einem Nuggi
Trinkt Dein Kalb an einem Nuggi, funktioniert sein Schlundrinnenreflex, d.h. die Milch gelangt direkt in den Labmagen und nicht in den Pansen. Wird das Kalb ohne Saugvorrichtung direkt aus dem Kessel getränkt, schliesst sich die Schlundrinne nicht und die Milch läuft in den Pansen.
Milch in den Labmagen
Beim neugeborenen Kalb ist der Labmagen der grösste (ca. 2 Liter Fassungsvermögen) der 4 Mägen und entwickelt für die Milchverdauung. Bei zu grossen Mengen Milch pro Mahlzeit ist die Gefahr gross, dass die Milch aus dem Labmagen zurück in den Pansen fliesst – vor allem, wenn Deine Kälber hektisch trinken.
Pansentrinker
Im Pansen gärt die Milch. Sie kann dort nicht verdaut werden. Dadurch entzündet sich die Pansenschleimhaut. Ein „Pansentrinker“ entsteht also oft durch zu grosse Mengen Milch, die schnell bzw. ohne Nuggi getrunken werden.
Ein Nuggi pro Kalb
Über Tränkeeimer oder Nuggis, die Du von Tier zu Tier verwendest und die Du dazwischen nicht sauber reinigst, überträgst du unkontrolliert Krankheitserreger. Deshalb greifen Kälberkrankheiten oft im gesamten Kälberbereich um sich.
Keine Sperrmilch
Bitte vertränke weder keimbelastete noch hemmstoffhaltige Milch an Deine Kälber. Durch Sperrmilch überträgst du erwiesenermassen Krankheitserreger auf deine Kälber (Zellgehalts-Milch) oder unterstützt die Bildung von resistenten Keimen (Hemmstoff-Milch).
Gegenseitiges Besaugen
Saugen Deine Kälber aneinander ist das ein Zeichen dafür, dass etwas in Deiner Kälberaufzucht nicht stimmt. Sie können entweder ihr natürliches Saugbedürfnis nicht befriedigen oder sie sind hungrig oder müssen anderweitigen Stress abbauen.
Schonendes Abtränken
Vermeide, dass das Absetzen der Milch mit einer Gruppen- oder Stallumstellung zusammenfällt. So kommen nicht mehrere Stressfaktoren zusammen.
Gegenseitiges Besaugen
Ursachen und praxisnahe Massnahmen gegen gegenseitiges Besaugen bei Kälbern, mit Fokus auf Tränke, Stallklima und stressarme Aufzucht.
Joghurt-Tränke für Kälber
Die Joghurt-Tränke bietet Kälbern gut verträgliche Milch, verbessert Hygiene und Arbeitsaufwand und ist eine kostengünstige Alternative.
Milchmenge für Kälber
Studie zeigt: Neugeborene Kälber vertragen sehr hohe Milchmengen; Durchfall entsteht eher durch hastiges, stressbedingtes Trinken als durch die Menge.
Kälberbedürfnisse
Kälber brauchen mehr als Futter und Milch: Wärme, Frischluft, Sozialkontakt, Beschäftigung und Hygiene fördern Gesundheit und Tierwohl.
