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Vorbereitet in die Abkalbesaison
Geburtsvorbereitung|12.08.2026

Vorbereitet in die Abkalbesaison

Mit Vorbereitung, Know-how und Geduld geht es in eine erfolgreiche Kalbesaison.

Jutta Berger, wissenschaftliche Mitarbeiterin

Ein problemloser Geburtsverlauf ist sowohl für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Kuh in der startenden Laktation als auch für die Vitalität des Kalbes von grosser Bedeutung. Für die bevorstehende Kalbesaison ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um optimale Voraussetzungen für sichere Geburten zu schaffen.

Eine Geburt nach Wunsch: Dank guter Vorbereitung haben Kuh und Kalb alles fit überstanden.

Was wird gebraucht?

Eine durchdachte Abkalbebox, die sauber eingestreut wird und genügend Platz bietet, dass sich die Kuh ungehindert in Seitenlage hinlegen kann, ist für jeden Betrieb eine gute Investition. Beachten sollte man, dass Sichtkontakt zur Herde auch im Liegen unnötigen Stress für das kalbende Tier verhindert. Auch die Utensilien, die im Notfall für eine Geburtshilfe benötigt werden, sollten jetzt überprüft und gereinigt werden:

  • Rostfreie Zugketten sind zu säubern und zu desinfizieren,
  • Geburtsstricke müssen bei 60° in die Waschmaschine.
  • Gleit-, Reinigungs- und Desinfektionsmittel müssen nachgefüllt werden.

Anschliessend wird alles staubfrei (z. B. in einer verschliessbaren Kunststoffdose) und griffbereit aufbewahrt – am besten an einem festen Platz in der Nähe des Abkalbebereichs.

Gleitmittel, Seife und Handschuhe müssen für den Notfall parat stehen.

Hochträchtige Tiere vorbereiten

Auch die Tiere müssen nun auf die Kalbesaison vorbereitet werden. Erstkalbende Rinder sollten frühzeitig in die Herde integriert und an die Arbeitsabläufe gewöhnt werden. Stress wirkt sich negativ auf den Geburtsverlauf aus: Unruhe, Hektik oder häufiges Umtreiben können die Wehentätigkeit hemmen oder sogar vorübergehend unterbrechen. Je vertrauter die Tiere mit ihrer Umgebung und dem Umgang durch den Menschen sind, desto ruhiger verläuft in der Regel die Geburt. Für einen optimalen Start in die Laktation ist jetzt ein guter Zeitpunkt, Boli mit entsprechenden Spurenelementen (z. B. Curatop®) einzugeben.

Den natürlichen Ablauf kennen

Zur Vorbereitung auf den tatsächlichen Geburtstermin des Einzeltiers gehört eine gute Beobachtung. Den wichtigsten Anhaltspunkt gibt selbstverständlich das Besamungsdatum. Körperliche Veränderungen helfen, den Beginn der Geburt exakter einzugrenzen. Das Euter läuft ein und die Scham schwillt an. Die Geburtswege lockern sich. Diese Veränderungen zeigen an, dass sich die Kuh in der Vorbereitungsphase der Geburt befindet. Erst kurz vor der Geburt fallen die Beckenbänder am Schwanzansatz ein und die Schwanzspitze wird beweglich.

Sich den natürlichen Ablauf mit seinen unterschiedlichen Phasen wieder einmal bewusst zu machen, gehört ebenfalls zu den Vorbereitungen auf die Kalbesaison dazu. Ebenso wichtig ist die Frage, wann ein menschliches Eingreifen tatsächlich notwendig wird. Geburtshilfe gehört in vielen Kuhställen zwar zum Betriebsalltag. Gerade diese Routine verleitet jedoch dazu, zu früh oder unnötig einzugreifen. Dabei gilt: Geduld ist oft die wichtigste Voraussetzung für eine problemlose Geburt.

Die meisten Kühe können mit Ruhe und Geduld ohne Hilfe gebären. Für die richtige Einschätzung der Situation ist es allerdings wichtig, die vier Phasen und Zeitverhältnisse einer ungestörten Geburt zu kennen.

Die vier Phasen der Geburt

1. Vorbereitungsphase (2–3 Wochen vor der Geburt)

  • Erste Geburtsanzeichen: Euter füllt sich, Scham und Beckenbänder lockern sich.

2. Öffnungsphase (ca. 6–16 Stunden)

  • Der Muttermund öffnet sich, die Fruchtblasen weiten den Geburtsweg.
  • Die Kuh zeigt Unruhe, läuft breitbeinig, hält den Schwanz ab und die Wehen beginnen.
  • Das Platzen der Fruchtblase beendet diese Phase.

3. Aufweitungs- und Austreibungsphase (Kühe bis 3 Stunden, Rinder bis 6 Stunden)

  • Der Muttermund weitet sich vollständig.
  • Sobald das Kalb einen Reflexpunkt am Scheidendach berührt, setzen die Presswehen ein.
  • Nach der Geburt des Kopfes sollte das Kalb innerhalb von ca. 15 Minuten auf der Welt sein.
  • Bis zur Geburt des Schultergürtels wird das Kalb in der Regel über die Nabelschnur versorgt.

4. Nachgeburtsphase (12 Stunden )

  • Die Nachgeburt sollte innerhalb von 8–12 Stunden abgehen.
  • Danach bildet sich die Gebärmutter zurück (Involution). Dieser Prozess dauert bis zu 40 Tage.