Durchführung einer Besamung

Eine tierschonende und hygienische Samenübertragung sind Voraussetzungen für ein gutes Besamungsergebnis.

Viele Faktoren können Deinen Besamungserfolg insgesamt massgebend beeinflussen. Du kannst Dir eine professionelle Routine aneignen - auch wenn jedes zu besamende Tier etwas anders ist. 

Sichere Besamung

Oberstes Gebot bei jeder Besamung: Kein persönliches Risiko eingehen !

Das heisst vor allem: Die Kühe richtig anbinden bzw. fixieren und im Zweifelsfall spezielle Sicherheitsausrüstung nutzen.

Auf unserer neuen Unterseite zur sicheren Besamung findest Du mehr nützliche Informationen für eine gute Arbeitssicherheit vor und während der Samenübertragung.

Einführen des Instruments in die Gebärmutter

Einführen in die Scham

  • Bevor das Besamungsinstrument in die Scham eingeführt wird, putze diese mit genügend trockenem Papier ab. Es soll kein Schmutz in den Scheidenvorhof gelangen.
  • Nimm genügend Gleitgel auf deine Handschuhhand zum Einführen ins Rektum. So verringerst Du auch rektale Blutungen.

Das Besamungsgerät kannst Du mit zwei Methoden in die Scham einführen:

1. Entweder spreizt Du die Schamlippen, bevor Du die Hand in das Rektum schiebst und führst das Besamungsinstrument so weit als möglich in die Scheide vor. So ist es weitgehend geschützt, wenn Du danach das Rektum von Kot ausräumst.

2. Oder Du führst die Hand in das Rektum und hebst dort die krallenförmig gespreizte Hand an, bewegst sie leicht und/oder ziehst sie nach hinten. So öffnen  sich die Schamlippen und Du kannst das Besamungsinstrument in die geöffneten Schamlippen sauber einführen.

Merke: Das funktioniert nicht bei allen Kühen gleich gut und auch hier brauchst Du wieder etwas Übung.

Nun führst Du deine Hand mit geschlossenen Fingern in konischer Form und mit genug Gel am Handschuh in den Mastdarm ein. Falls Du Mist aus dem Darm ausräumen musst, achte darauf, dass das Instrument an der vorderen Hälfte gar nicht und im hinteren Teil so wenig wie möglich verschmutzt wird, damit Du keinen Mist mit dem Instrument in die Gebärmutter schiebst. Das Instrument schiebst Du nun dem oberen Scheidendach entlang möglichst bis vor den äusseren Muttermund vor. So läufst Du nicht Gefahr, in die Harnröhre zu stechen, was für die Kuh sehr schmerzhaft ist. 

Die Schamlippen reinigen

Mit trockenen Papiertüchern die Schamlippen gründlich säubern.

Viel Gel verwenden

Viel Gel für den Handschuh erleichtert die Arbeit für Tier und Besamer.

Die Schamlippen spreizen

Die noch saubere Hand spreizt die geputzten Schamlippen.

Das Instrument einführen

Das Instrument nach vorne-oben in Richtung Kreuzbein der Kuh einführen.

Die Hand einführen

Die Hand mit geschlossenen Fingern in den Mastdarm einführen.

Das Instrument vorschieben

Das Besamungsinstrument entlang des Scheidendachs nach vorne schieben.

Die Scheidenfalten strecken

Die Scheide durch Griff an die Cervix in Richtung Kuh-Kopf strecken.

Den Muttermund finden

Das Instrument vor den äusseren Muttermund positionieren.

Einführen des Besamungsinstruments durch den Gebärmutterhals (Zervix)

  • Ganz wichtig ist, dass Du dabei die Zervix und den Besamungskatheter von Dir weg Richtung Kuh-Kopf schiebst. Damit werden die Scheidenfalten geglättet und Du findest den äusseren Muttermund besser.
  • Suche nun die  Öffnung des äusseren Muttermundes und führe das Instrument in die Zervix ein. Dabei fasst Du die Zervix  vom Rektum aus mit der Hand  ohne Gewaltanwendung und arbeitest Dich Zervixring um Zervixring durch die Zervix. Dabei hältst Du das Besamungsgerät ruhig und stocherst nicht damit herum (Verletzungsgefahr).
  • Merke: Du arbeitest v.a. mit der Zervixhand und nicht mit dem Besamungsgerät.
  • Die zwei Wichtigsten Grundsätze für die Zervixpassage sind:
    Erst einmal Ruhe bewahren und nicht verzweifeln! Auch wenn es mal klemmt. Und zweitens: Das Besamungsgerät ruhig halten und nicht stochern! Du kommst nämlich nur durch die Zervix hindurch, wenn Du das Organ über das Gerät rüber stülpst. Wenn Du dagegen versuchst, das Organ mit dem Gerät zu durchstossen, wird es nicht funktionieren.
    Um den richtigen Weg zu finden, musst Du deshalb die Zervix gut festhalten und dann das gesamte Organ wirklich aus dem Handgelenk in alle Richtungen drehen: Nach oben aufstellen, nach links drehen, nach rechts drehen und nach unten drücken soweit es geht.
    In der Regel ist die Zervix bei einer brünstigen Kuh jedoch gut passierbar. Solltest Du Dich  doch einmal in einer Sackgasse verhängen und es nicht vorwärts geht hilft nur eins: Ziehe das Besamungsgerät wieder etwas zurückziehen und probiere noch einmal. 

Ort der Samenablage

  • Das Volumen der Samendose ist klein, daher ist die genaue Deponierung der Samenflüssigkeit wichtig.
  • Bei Erstbesamungen (EB) deponierst Du die Spitze des Besamungsinstrumentes direkt vor dem inneren Muttermund zwischen Zervix und Gebärmutterkörper. Bist Du unsicher, kannst Du mit dem Finger vom Mastdarm aus die Instrumentenspitze ertasten. Stosse jedoch nicht mit dem Instrument gegen den Finger, wenn Du nun abdrückst, sondern fixiere das Instrument, indem Du die Zervix zusammenklemmst. 

Zervixgriff

Korrekter Zervixgriff ohne Scheidenfalten.

Scheidenfalten

Zieht man die Zervix zu sich, entstehen behindernde Scheidenfalten.

Zervixringe

Die Zervixringe werden über das Instrument gestülpt.

Samenablage

Korrekte Samenablage bei einer Erstbesamung direkt vor dem inneren Muttermund. 

Nachbesamungen

  • Beachte bei Nachbesamungen 3 Wochen oder später nach der Erstbesamung: Schiebe das Instrument nicht aus der Zervix in die Gebärmutter vor, damit Du eventuell vorhandene Eihäute nicht verletzst. Die Samenablage erfolgt bei jeder Nachbesamung ausschliesslich tief zervikal 
    (1-2 cm hinter dem inneren Muttermund in der Zervix). Auf Deinen Besamungserfolg hat das keinen Einfluss.  
  • Ziehe nach der Besamung das Instrument zurück und kontrolliere die Instrumentenspitze auf Rückstände wie Blut, Eiter sowie auf mögliche Beschädigung (Knick). Vermerke allfällige Befunde. 

Abschluss der Besamung

  • Nach der Besamung verlässt Du den Stall sauber  und entsorgst Deinen Abfall korrekt.
  • Du wäschst Deine Stiefel und Hände.
  • Die Besamung trägst Du erst nach der Durchführung ins System und auf der Stallkarte ein. 

Stiefel waschen

Den Stall verlässt man nach einer Besamung immer sauber.

Hände waschen

Man wäscht sich nach jedem Stallbesuch gründlich die Hände.

Besamung eintragen

Nach jeder Besamung wird diese korrekt erfasst und eingetragen. 

Einsatz von sanitarischen Ueberzugshüllen

Sanitarische Überzugshüllen werden über das geladene Besamungsinstrument gestülpt und erst während der Passage der Zervix durchstochen, indem der Besamer selber oder eine Hilfsperson die Überzugshülle nach hinten zieht. Die undurchlässige Plastikhülle schützt den Samen in der Paillette auf dem Weg durch die Scheide - sollte diese verschmutzt sein.

Diese Überzugshüllen benutzt man deshalb:

  • Bei erhöhtem Infektionsdruck (Entzündung der Scheide (Vaginitis), Kot in der Scheide)
  • Nach Einsatz einer Progesteron-Spirale
  • Bei (geringgradigen) Senkscheide
  • Bei Embryotransferbesamungen

Sanitarische Überzugshüllen

Sanitarische Überzugshüllen sind in Rollen erhältlich.

 

 

Überzug

Aufziehen der sanitarischen Überzugshülle. Die Hülle nur hinten anfassen!

 

 

KB mit sanitarischen Überzugshülle

Erst in der Mitte der Zervix reisst man mit einer Lasche die Hülle auf. 

Beachte

Bei der korrekten Besamung wird auf das Wohl des Tieres, auf die Arbeitssicherheit und auf hygienische Aspekte besonderen Wert gelegt. Eine grobe Besamungstechnik oder die Missachtung einzelner oben erwähnter Punkte führt immer zu schlechten Besamungsergebnissen.

Merke, dass...

… assistierte Besamungen, also solche bei denen die Kuh von einer Hilfsperson fixiert ist, für alle Beteiligten leichter gehen und daher erfolgreicher sind. Arbeitssicherheit geht vor!

… Hygiene ein entscheidender Faktor für den Besamungserfolg ist

… die Hindernisse bei der Besamung in aller Regel überwindbar sind

… nur zum Ziel kommt, wer Ruhe bewahrt und nicht grob arbeitet

… der richtige Ort für die Samenablage gleich hinter dem inneren Muttermund ist

… Nachbesamungen, bei denen eine bestehende Frühträchtigkeit nicht ausgeschlossen werden, kann tiefintrazerviakl erfolgen sollten