Der Abkalbebereich

Die sorgfältige Planung des Abkalbebereichs an einem idealen Standort im Stall ist der Grundstein für gesunde Kühe während der Laktation und fitte Kälber. Denn auch diese profitieren von einem komplikationslosen Geburtsverlauf.

Die Kombination „stressfreie Abkalbelinie (SAL)“ und „Starterbox“ ermöglicht die optimale Versorgung von Kuh und Kalb.

Spürbare Vorteile

Praxisstimmen zeigen, dass ein gut eingerichteter Abkalbebereich an 365 Tagen im Jahr belegt ist. Er wird also bereits einige Tage vor der Abkalbung genutzt und auch hinterher, wenn die Kuh allenfalls noch etwas Start-Schwierigkeiten haben sollte. Damit die Bucht ausgelastet wird, muss diese allerdings top eingerichtet und die Vorteile für den Landwirt klar spürbar sein!  

Die wichtigsten Kriterien für eine funktionierende Abkalbebox sind:

  • viel Platz und Ruhe, weniger Stress für die Kuh
  • eine griffiger Matratze 
  • ein effizienter Arbeitsablauf für den Betreuer
  • Übersicht und Kontrolle im Geburtszeitraum

Wohin damit?

Für einen funktionierenden Abkalbebereich ist es nicht entscheidend, ob Du Deinen Stall gerade neu planst oder ob er schon gebaut ist. Es zählt vielmehr, dass Du ihn geschickt platzierst und  überlegt einrichtest.

Ausreichend Platz

Der Abkalbebereich braucht genügend Platz für alle abkalbenden Kühe. Für Betriebe, die nicht-saisonal abkalben lassen, sind das übers Jahr verteilt ca. 5 bis 10% Kühe der Herde.

An der Futterachse

Ist die Abkalbelinie an der verlängerten Hauptfutterachse platziert, ist das Füttern einfach und kein Mehraufwand. Die Tiere können ausserdem von einer einzigen Person dorthin verstellt werden.

In Nähe der Tür

Der beste Platz für die Abkalbebox ist dort, wo Du in der Regel den Stall betrittst respektive wieder verlässt. Denn so beobachtest Du Deine wichtigsten Kühe im Betrieb immer als Erstes und als Letztes.

Befahrbarer Bereich

Lässt sich die Abkalbebox z.B. mit einem Hoflader befahren, ist sie schnell und kraftschonend entmistet. Auch im Notfall, z.B. wenn es zum Festliegen einer Kuh kommt, kannst Du effizient arbeiten.

Griffbereite Hilfsmittel

Im Fall der Fälle sollten wichtige Hilfsmittel wie Handschuhe, Gleitgel, Kette usw. stets parat sein. Gibt es einen Platz, wo Du diese griffbereit aufbewahren kannst ?

Sichtkontakt zur Herde

Nervöse Tiere müssen, auch während sie liegen, den Rest der Herde sehen können. Dann stehen sie unter der Geburt nicht immer wieder auf. Die Geburt wird nicht unnötig verzögert.

Wie ausstatten?

Die Kuh braucht während der Geburt Ruhe und Sicherheit - also eine Rückzugsmöglichkeit aber in Herdennähe.

offene Liegefläche

Auf einer offenen Liegefläche ohne Trennbügel o.ä. hat die Kuh uneingeschränkte Bewegungsmöglichkeit und kann so beispielsweise unter der Geburt beliebige Liegepositionen einnehmen. Dies beeinflusst den Geburtsverlauf positiv.

Griffige Matratze

Auch eine ältere Kuh muss leicht aufstehen können. Eine gut eingestreute, rund 20 cm dicke Strohmist-Matratze, allenfalls mit Kalkanteil, oder eine Matratze aus Strohpellets sind weich und zugleich griffig.

Zwei Flächen oder nur eine

Stroh- und arbeitssparend sind Zweiflächenbuchten mit befestigtem Fress- und Tränkeplatz und eingestreutem Liegebereich. In der Praxis werden bei Umbauten häufiger Einflächenbuchten eingerichtet. Sie lassen sich einfacher entmisten.

Sicherheitsfanggitter

Wird der Fressbereich mit einem Sicherheitsfanggitter ausgestattet, können Untersuchungen einfach getätigt oder kranken Kühen auch Medikamente verabreicht werden.

Offene Wassertränke

Die Kuh ist ein Gewohnheitstier. Sie sollte rund um die Geburt maximal Wasser aufnehmen können. Mit dem selben System wie in der Milchviehherde tut sie das am ehesten. Es sollte also eine offene Tränkestelle zur Verfügung stehen.

Beste Wasserqualität

Damit das Wasser in der Tränke nicht absteht, solltest Du diese im Idealfall in der Abtrennung zur Hauptherde platzieren. Dann kann sie von beiden Bereichen genutzt werden, der Durchsatz ist höher. Trotzdem: Putzen nicht vergessen!

Rohre statt Wände

Offene Gatter mit Rohren oder Panels eignen sich als Absperrung besser als geschlossene Wände: Sie ermöglichen der separierten Kuh freie Sicht. Noch ruhiger ist sie im Riech-, Hör- und Fühlkontakt mit den Herdengenossinnen.

Übersicht und schneller Zugang

Für den Landwirt steht die Kontrolle der kalbenden Kuh und eine gute Übersicht an erster Stelle. Je ungehinderter und problemloser Du die Bucht betreten kannst, umso besser!

In der Bucht melken

Arbeitswirtschaflich günstig ist eine Melkmöglichkeit direkt im Abkalbebereich. So kannst Du zu jeder Tageszeit oder auch wacklige Kühe direkt nach der Geburt schnell und gefahrlos melken.

Im Anbindestall

Abkalbebuchten sind nur in Laufställen gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch setzen immer öfters auch Landwirte mit Anbindestall auf Freilaufflächen für kalbende Kühe. Hauptargument ist die ungehinderte Liegeposition unter der Geburt, was zu weniger Komplikationen und Eingriffen führt. In einer Abkalbebox wird in der Regel auch eher später oder gar nicht in den Geburtsablauf eingegriffen.

Praxis-Tipp – Die Stressfreie Abkalbelinie (SAL)

Beraterin Nathalie Roth (LZSG Flawil) schreibt im Toro-Beratungsartikel „Rund um die Geburt gut versorgt“ (04/2019): „Es braucht keine perfekte, aber eine für den Betrieb praktische und gut eingerichtete Lösung: Ein Abkalbebereich, in dem sich die Tiere wohlfühlen und wo der Landwirt sie leicht und gerne hinbringt. Dann profitieren alle Parteien maximal von den Vorteilen der SAL“. Dabei empfiehlt sie konkret:

  • einen durchdachten freien Liege- und Fressbereich
  • einen Platzbedarf für 5 bis 10% der Herde einzuplanen
  • einen Standort idealerweise an der verlängerten Hauptfutterachse und in unmittelbarer Nähe zum Melkzentrum
  • eine griffige aber weiche Unterlage
  • eine offene Bauweise (keine rundum geschlossenen Beton- oder Bretterwände) für Luft, Licht und Übersicht.  

 

Quellenangabe

Die Inhalte dieser Seite stammen aus dem Toro-Artikel (04/2019) -  Autorin: N. Roth