Urachusfistel

Bildbeschreibung und Interpretation

Ein Stierkalb setzt im Stehen Urin ab. Sein Fell an der Bauch-Unterseite - rund um seinen Nabel - ist ungewöhnlich feucht. Sonst ist das Kalb trocken. Die Feuchtigkeit scheint also nicht von einer nassen Einstreu oder anderen äusseren Einflüssen zu stammen.

 

Ursachen

Der embryonale Harngang (Urachus) ist Teil der fetalen Nabels Er verbindet während der Trächtigkeit die Harnblase und die Schleimblase der Eihäute, in der sich der Urin des Foeten sammelt. Der Urachus schliesst sich normalerweise kurz vor der Geburt des Kalbs. Er vernarbt nach und nach. Der Urin fliesst ab jetzt über die Harnröhre ab.

Manchmal bleibt der Urachus, diese Verbindung der Harnblase zum äusseren Hautnabel, jedoch bestehen. Dem Kalb läuft dann ständig ein Teil seines Urins in und durch diesen falschen Gang. Besteht eine Öffnung in der Haut des Nabels, bezeichnet man diese Fehlbildung als «Urachus-Fistel». Durch den auströpfelnden Urin nässt diese Hautöffnung ständig. Haut und Fell des Kalbs sind in der Umgebung des Nabels daher immer auffallend feucht. Auch der Nabel selbst kann nicht abtrocknen. Ist die Nabelschnur auch eine Woche nach der Geburt immer noch feucht, ist dies ein fast sicheres Zeichen für eine Urachusfistel. Die Feuchtigkeit bietet beste Bedingungen für Keime, die eine Nabelentzündung hervorrufen – meist steigen diese Entzündungen irgendwann entlang des Urachus in Richtung Harnblase auf.


Warum sich der Urachus manchmal nicht verschliesst, ist ungeklärt. Es wird eine erbliche Ursache vermutet.

Ziel

Ein gesundes Kalb mit abgeheiltem, trockenem Nabel

Massnahme

Die einzige therapeutische Massnahme ist die chirurgische Entfernung des Urachus in einer Bauchhöhlen-Operation – oft wird dabei gleichzeitig ein Teil der Harnblase entfernt. Wenn der Urachus durch eine aufsteigende Nabelinfektion vereitert ist, muss operiert werden, will man das Leben des Kalbs retten.